Gefährlicher Darmkeim Ehec-Sprossen in Frankreich entdeckt

Französische Behörden haben erstmals auch im Nachbarland Ehec-Sprossen entdeckt - doch offenbar stammen diese nicht aus Deutschland. Hierzulande überträgt sich der Keim offenbar kaum mehr über die Nahrung. Entwarnung können die Experten jedoch nocht nicht geben.

In Frankreich ist erstmals wie auch in Deutschland Ehec nach dem Verzehr von Sprossen aufgetreten. Auf den Sprossen, die sechs Patienten mit blutigem Durchfall gegessen hatten, sei derselbe aggressive Ehec-Erreger vom Typ 0 104 gefunden worden wie in Deutschland, teilten die Behörden mit.

Die Keimlinge kamen nach Angaben des Bundesverbraucherschutzministeriums in Berlin aber nicht aus Deutschland. Sechs der zehn Patienten, bei denen blutiger Durchfall festgestellt wurde, hätten vor gut zwei Wochen auf einer Kirmes die Keimlinge gegessen, die als Dekoration auf eine Suppe gestreut worden waren, teilte die Gesundheitsbehörde in Bordeaux mit.

Bei zweien sei der Ehec-Erreger gefunden worden. Nach Angaben der französischen Behörden war zunächst unklar, woher die Sprossen kamen. In Deutschland waren Sprossen eines Biobetriebs in Norddeutschland als Quelle von Ehec ausfindig gemacht worden.

Nach Erkenntnissen des Verbraucherschutzministeriums in Berlin wurden die französischen Sprossen jedoch aus einem anderen EU-Staat nach Frankreich geliefert. "Nach allem, was wir wissen, gibt es keinen Zusammenhang mit dem Sprossenhof in Deutschland", sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele.

Die französischen Gesundheitsbehörden führen einen EHEC-Ausbruch auf Sprossen eines britischen Händlers zurück. Der Verkauf von Bockshornklee, Senfsprossen und Rukolasprossen der Firma Thompson & Morgan wurde daraufhin gestoppt, wie Handelsminister Frederic Lefecre erklärte.

Im nordfranzösischen Lille waren vergangene Woche sieben Kinder nach dem Verzehr von Tiefkühl-Hacksteaks von Lidl ebenfalls an einer E-Coli-Infektion erkrankt.

Keine neue Welle in Deutschland

Das Bakterium war bei der Zubereitung der Steaks in Frankreich hinein gelangt. Auslöser war aber nicht derselbe E-Coli-Keim wie bei der Ehec-Epidemie in Deutschland. Hierzulande werden die Keime nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums derweil inzwischen fast nur noch von Mensch zu Mensch übertragen.

Die noch gemeldeten Neuerkrankungen gingen meist auf Sekundärinfektionen durch Haushaltangehörige zurück, sagte ein Ministeriumssprecher und betonte, es gebe keine neue Ehec-Welle. Über ihr weiteres Vorgehen in der Ehec-Krise wollen am Montag Vertreter von sieben Bundesländern im mecklenburgischen Boizenburg sprechen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten insgesamt mehr als 3700 Menschen durch den gefährlichen Darmkeim, 43 Patienten starben.