Schweine mit Grippe, Affen mit Herpes: Wenn Tiere sich mit menschlichen Erregern infizieren, kann das für sie schlimme Folgen haben.
Es war eine mysteriöse Serie von Todesfällen, die sich in den vergangenen Jahren im Regenwald des Tai-Nationalparks an der Elfenbeinküste abspielte. Immer wieder entdeckten die dort forschenden Primatologen verendete Schimpansen.
Wenn Mensch und Schwein in enger Gemeinschaft miteinander leben, kann das auch für das Tier gefährlich sein. (© Foto: ddp)
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Besorgt fragten sie den Tierarzt Fabian Leendertz vom Robert-KochInstitut in Berlin um Rat. Er sollte der Sache auf den Grund gehen. Als er das Lungengewebe der toten Tiere untersuchte, fand er zwei Erreger von Atemwegserkrankungen, die sonst nur beim Menschen vorkommen und damals weltweit grassierten: das Respiratory-Syncytial-Virus und das Metapneumovirus.
Es war der erste eindeutige Labornachweis, dass humane Viren Schimpansen infizieren können: Die Affen waren also einem Menschenschnupfen erlegen. "Die ersten Symptome der Infektion waren ähnlich wie beim Menschen", berichtet Sandra Junglen, die mit Leendertz zusammenarbeitet.
Den Schimpansen lief die Nase, sie niesten, und sie waren schlapp. Doch weil die Tiere zuvor noch nie in Kontakt mit derartigen Erregern gekommen waren, hatte ihr Immunsystem den Viren nichts entgegenzusetzen; viele von ihnen erkrankten an einer tödlichen Lungenentzündung.
Bis heute rätseln die Wissenschaftler, wie die Erreger in den Urwald gekommen sind. Zwar halten sich im Tai-Nationalpark oft Forscher auf. Doch eigentlich sollen sie strenge Regeln befolgen, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern: Sie dürfen sich den Affen auf höchstens sieben Meter nähern.
Bevor sie in den Urwald aufbrechen, wechseln sie die Kleidung, desinfizieren die Hände und legen einen Mundschutz an. Abfälle zurückzulassen ist streng verboten, und selbst zum Urinieren müssen sie kleine Löcher graben.
Wirklich überraschend war der Vorfall für Fachleute dennoch nicht. Aus der Praxis wussten sie schon länger, dass Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen sich menschliche Masern, Mumps und Kinderlähmung einfangen können. Bekannt ist auch, dass viele Nutz- und Freizeittiere anfällig sind für die Krankheiten ihrer Halter.
Pferde, Vögel und Frettchen infizieren sich mit humanen Grippeviren. Schweine können sich beim Menschen mit H1N1 und mit vielen anderen Schnupfen- und Grippeerregern anstecken. "Es ist der klassische Fall", sagt Gudrun Wibbelt, Fachtierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. "Der Bauer ist krank, und kurz darauf husten alle Säue."
Anthropozoonosen heißen solche Krankheiten, die vom Menschen auf Tiere übertragen werden. Wie viele es gibt und wie oft sie vorkommen, weiß man nicht so genau, denn die meisten Mediziner erforschen den umgekehrten Weg vom Tier auf den Menschen, sogenannte Zoonosen. Doch wenn Tiere sich mit menschlichen Erregern infizieren, kann das für sie schlimmere Folgen haben als die Schweinegrippe für die meisten Menschen.
Ein gutes Beispiel für die tödliche Wirkung menschlicher Erreger sind Herpesviren. Beim Menschen verursachen sie in der Regel lediglich unangenehme Bläschen am Mund. "Krallenäffchen, die sich mit diesem Virus infizieren, fallen tot um", sagt Wibbelt.
Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen haben einen Herpes-Ausbruch in einer Familie von acht Krallenäffchen beschrieben. Als Erster erkrankte der Anführer, was den Forschern auffiel, weil dem Tier große Mengen Speichel aus dem Mund liefen. Wenige Stunden später war er tot.
Am nächsten Morgen hatten zwei weitere Tiere die gleichen Symptome. Obwohl sie Medikamente bekamen, starben beide noch in derselben Nacht. Nach und nach erkrankten alle Familienmitglieder. Keiner überlebte. Die Forscher vermuten, dass sich die Tiere bei einem Pfleger oder bei einem Wissenschaftler angesteckt haben. Auch für Nachtaffen, Lemuren, Spitzhörnchen und Kaninchen ist Herpes erwiesenermaßen tödlich.
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Streit um Parteispitze bei der Linken
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Ich habs schon immer gesagt, das Leben ist lebensgefährlich.