Neuroforscher löschen bei Versuchstieren bereits gezielt Gedächtnisinhalte - ihr Ziel ist es, auch bei Menschen störende Erinnerungen zu tilgen.
Die Ärzte konnten nur einen unbedeutenden Bluterguss an der rechten Stirnseite ausmachen, doch die Patientin hatte ihr ganzes bisheriges Leben verloren. Während eines Chinaurlaubs hatten Mitreisende die 29-Jährige in einem Hotel gefunden, nackt und bewusstlos. Als sie aufwachte, konnte sie sich an kein Detail ihrer Biografie erinnern, nicht einmal an ihren Namen.
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Kann man gezielt Inhalte aus dem Gedächtnis löschen - und welche? (© Foto: iStock)
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Eltern, Freunde, Kollegen erschienen ihr fremd. Dennoch blieben alle neurologischen Befunde unauffällig, auch mit dem Computertomografen ließen sich keine strukturelle Hirnschäden ausmachen. Auch hatte die junge Frau keine Schwierigkeiten, neue Informationen aufzunehmen und abzuspeichern. Doch irgendetwas musste ihre Erinnerungen einfach ausradiert haben.
Die neurologische Schauergeschichte ist nur einer von Dutzenden Fällen, die der Bielefelder Psychologe und Gedächtnisforscher Hans Markowitsch in den vergangenen Jahren untersucht hat. Sie alle belegen, dass ein plötzlicher Gedächtnisverlust bei ansonsten normalem Verhalten und Fähigkeiten nicht nur ein fiktives Szenario ist, wie es Drehbuchautoren gerne ersinnen, sondern auch in der Realität stattfindet - "und zwar häufiger, als man vermuten könnte", wie Markowitsch betont.
Nicht nur Hirnverletzungen können solche Amnesien auslösen, sondern auch Stress und traumatische Erfahrungen. Gedächtnisinhalte lassen sich also löschen, ohne dass die Gehirnstruktur beschädigt wird. Daraus folgert Markowitsch: "Es ist sogar vorstellbar, dass man gezielt bestimmte Erinnerungsinhalte löscht."
Zumindest bei Nagern bestätigen inzwischen zahlreiche Studien diese Annahme. Zuletzt berichteten brasilianische Forscher um Janine Rossato von Versuchen an Ratten (Science, Bd.325, S.1017, 2009). Erst trainierten sie den Tieren mittels Stromstößen zwei unterschiedliche Angstreaktionen an.
Einige erhielten beim Betreten eines Bereichs im Plexiglas-Käfig einen starken elektrischen Schlag auf die Pfoten. Daraufhin fürchteten sich die Ratten noch zwei Wochen später vor dem Ort, offensichtlich hatten sie das Erlebnis im Langzeitgedächtnis gespeichert. Bei einem leichten elektrischen Schlag hingegen war die Angst bereits nach zwei Tagen verschwunden.
Begrenzte Zeit zur Manipulation
Den Forschern gelang es nun, diese Angsterinnerungen zu manipulieren: Zwölf Stunden nach der Konditionierung spritzten sie den Ratten einen Dopaminblocker in den Hippocampus, ein für die Gedächtnisbildung wichtiges Gehirnareal.
In der Folge speicherten die Tiere auch nach dem starken Elektroschock keine anhaltende Angst. Wurde dagegen durch ein anderes Medikament die Empfindlichkeit der Dopaminrezeptoren gesteigert statt geschwächt, gruben sich auch die Erinnerungen an den schwachen Stromstoß ins Langzeitgedächtnis.
Andere Forschergruppen berichten von ähnlichen Ergebnissen. Ein Team um Todd Sacktor von der State University of New York blockierte vor drei Jahren mithilfe der Substanz "Zip" ein Enzym im Ratten-Hippocampus, das zur Gedächtnisbildung beiträgt (Science, Bd.313, S.1141, 2006).
Und im März dieses Jahres löschte eine Gruppe in Toronto bei Mäusen die ebenfalls per Stromschlag induzierte Angst vor einem bestimmten Tonsignal (Science, Bd.323, S.1429, 2009). "Grundsätzlich scheinen all diese Ansätze in gewisser Weise wirksam zu sein", kommentiert Psychologe Markowitsch - und gibt sich mäßig beeindruckt: "Ähnliches erreichen Sie mit Schlafentzug, K.o.-Tropfen oder massivem Alkoholkonsum."
Doch um Erinnerungen zuverlässig und gezielt manipulieren zu können, müssen die Forscher noch tiefer in die Mechanismen der Gedächtnisbildung eintauchen. Was passiert dabei auf molekularer Ebene - und in welchem Zeitraum?
Zumindest das Angstgedächtnis nämlich lässt sich nur innerhalb eines klar begrenzten Zeitfensters manipulieren, vermuten viele Forscher, und die neue brasilianische Studie scheint diese These zu bestätigen. Wurde nämlich der Dopaminblocker sofort oder sechs Stunden nach der Konditionierung gespritzt, beeinflusste er die Angsterinnerungen der Ratten nicht.
Tatsächlich denken die meisten Neurowissenschaftler, dass pharmazeutische Ansätze gegen die Erinnerungsbildung - anders als Psychotherapie - nur in den ersten Stunden nach einem Ereignis wirken. Gedächtnisinhalte verhielten sich demnach so ähnlich wie Zement, der frisch angerührt einfach zerfließt, nach einiger Zeit im halbfesten Zustand gut zu formen ist und schließlich betonhart eintrocknet, sich also nicht mehr verändern lässt.
Das wäre eine schlechte Nachricht für jene Menschen, die erst Monate nach einer Vergewaltigung, einer Kriegserfahrung oder einem schweren Verkehrsunfall an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erkranken. Dass jedoch auch diese Patienten noch auf eine Pille für das gezielte Vergessen hoffen dürfen, zeigt der Fall der U-Bahn-Fahrerin Beatriz Arguedas.
Der Selbstmörder sprang, als sie an einem Septembertag des Jahres 2005 mit ihrem Zug in eine der geschäftigsten Stationen der Red Line in Boston einfuhr. "Wir hatten noch kurz Augenkontakt, dann hörte ich ein dumpfes Geräusch, als er auf den Wagen aufprallte, und dann ein knackendes Geräusch unter dem Zug.
Dann begann mein Herz zu hämmern", berichtete Arguedas einem CBS-Reporter. Ihr Zustand hielt an. "Ich brachte meinen Körper einfach nicht dazu, mit dem Schütteln aufzuhören. Ich zitterte andauernd. Die Erinnerungen kamen zurück, immer wieder."
Mittlerweile geht es Arguedas wieder besser, und womöglich liegt das auch daran, dass sie in eine klinische Studie des Psychiaters und PTBS-Experten Roger Pitman von der Harvard Medical School aufgenommen wurde. Der Betablocker Propranolol sollte ihre traumatischen Erinnerungen abschwächen. Das Medikament blockiert die Rezeptoren des Stresshormons Adrenalin, das die Gedächtnisbildung bei traumatischen Ereignissen fördert.
In früheren Studien, in denen Propranolol unmittelbar nach einem Stressereignis gegeben wurde, hatte es sich bereits als erfolgreich erwiesen. So konnten Neurobiologen zeigen, dass Propranolol bei Ratten die Gedächtnisbildung erschwert. Und das Team um Pitman hatte bereits 2002 an Unfallpatienten in einer Notaufnahme nachgewiesen, dass die sofortige Gabe des Mittels noch drei Monate später die üblichen PTBS-Symptome linderte.
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Wenn einer schlechte Erinnerungen hat und sich deshalb umbringt ist das eine Sache. Jemanden Erinnerungen auslöschen oder auch nur an solchen Methoden zu forschen eine ganz andere....
Sollte ich mal übel drauf kommen hoffe ich das ich selber entscheiden darf ob ich mich von einer Brücke werfe anstatt einen auf "Einer flog übers Kukuksnest" zu machen.
Wenn sowas kommen würde, ich würde das zuständige Institut sprengen.
Hier werden die perfekten Mittel zur Gehirnwäsche erforscht. Und die ersten, die damit in Berührung kommen werden, werden Wissenschaftler sein. Nämlich diejenigen, die an der geheimen Militärforschung beteiligt sind.
Die US Regierung hat sich leider unter George Bush von den Menschenrechten abgewandt und auch unter dem neuen Präsidenten noch nicht den Pfad der Tugend wieder gefunden. Sie sind noch am Suchen.
Es gibt Dinge, die sollten besser nicht erfunden werden. Es ist merkwürdig, dass das Prinzip Verantwortung bei den Forschern sowenig verinnerlicht ist, obwohl sie zu den Intelligentesten zählen. Aber der Handel mit den Doktortiteln zeigt auch, in welchem Maße Forscher korrumpierbar sind. In der Korruption und dem Verhältnis zur Macht liegt ein Grund dafür, warum die Moderne seit der Aufklärung nicht zum freien Subjekt geführt hat, das sich moralisch verhält und der Freiheit zustrebt, wie sich das die Aufklärer erhofft haben.
"Sehr aufgeregt wirken diese Reaktionen, wenn man bedenkt, dass es in Pitmans jüngster Studie nicht darum ging, die Erinnerung an Fakten zu löschen, sondern deren emotionale Bewertung. "
und die drängende Begehrlichkeit
"Die US-Militärpsychiatrie ist berüchtigt dafür, dass sie mit allen Mittel versucht, ihre Soldaten einsatzfähig zu halten: Es kämpft sich leichter, wenn einen die Erinnerungen an vergangene Schrecken nicht zu sehr belasten."
sind ein Menetekel und es stellt sich die Frage, ob die im Artikel aufgeführten 'Therapieansätze' nicht letztlich hauptsächlich dem Ziel dienen, emotionslose Killer zu 'züchten', die von vornherein keine Traumata erleben, die hernach seelische Krüppel hervorrufen würden. Dies ist meines Erachtens nach zu erwarten und es werden sich ausreichend Psychoklempner und 'Therapeuten' finden, die ihre schöpferische Kraft in diesem Feld austoben werden meint ...
Kuni
.....In meiner Praxis als ärztlicher Psychotherapeut biete ich interessierten Personen das befreiende Atmen an. Auch hier ruft sich der Patient das belastende Ereignis in Erinnerung, wobei er gleichzeitig bewusst entspannt atmet (sechsmal pro Minute jeweils ein und aus, wobei die Ausatmungsphase möglichst doppelt so lang sein sollte wie die Einatmungsphase). Gelingt dies, wird die belastende Erinnerung oft schlagartig entdramatisiert. Offenbar ist die körperliche Erfahrung von Entspanntsein (bewirkt durch das ruhige, tiefe und langsame Atmen) so mächtig, dass der Körper umlernt. Er scheint sich gleichsam zu sagen Wenn ich bei dieser Erinnerung so ruhig bleibe, kann es ja gar nicht so schlimm sein. Künftig kann er dann auf die Erinnerung viel gelassener reagieren. Zu weiteren Einzelheiten der Atemtechnik siehe bei Interesse: http://www.dr-mueck.de/HM_Angst/Befreiendes-Atmen-Emotion-Entkoppelung-Neuverknuepfung.htm
Dr. Dr. med. Herbert Mück, Facharzt für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie, Köln
In seinem interessanten Beitrag nimmt Christian Weber an, dass Gedächtnisinhalte grundsätzlich löschbar seien. Viel wahrscheinlicher und durch die Praxis auch belegbar ist jedoch, dass sich weniger der Inhalt einer Erinnerung tilgen lässt als vielmehr deren Verknüpfung mit schlimmen Gefühlen. Auf biologischer Ebene würde man sagen: Es kommt zu einer Unterbrechung von Verbindungen zwischen der Hirnrinde, wo Gedanken verarbeitet und gespeichert werden, und dem sog. Limbischen System (dem Emotionsgehirn) und dort vor allem mit dem Mandelkern. Konkret bedeutet dies, dass man nicht die Erinnerung an ein belastendes Erlebnis verliert. Dagegen kann man dessen Verknüpfung mit Angst oder anderen schlimmen Gefühlen durchaus loswerden. Aus der unendlichen Fülle von Eindrücken und Erfahrungen, die wir pausenlos machen, wählt das Gehirn letztendlich nur diejenigen zum Archivieren aus, die ihm ausreichend bedeutsam erscheinen, weil sie ausreichend starke Gefühle ausgelöst haben. Um archiviert bzw. ins Gedächtnis aufgenommen zu werden, brauchen Erfahrungen also immer eine Markierung durch Gefühle. Wenn uns Erinnerungen sehr belasten, dann sind es weniger die reinen Inhalte oder Abläufe des Erinnerten, sondern eher die mit dem Erinnerten verbundenen Gefühle. Sie sorgen dafür, auch wenn es schmerzhaft ist, dass wichtige Lebenserfahrungen dauerhaft nicht in Vergessenheit geraten. Nicht jedem Menschen ist mit einer solchen schmerzhaften Erinnerung geholfen (z.B. wenn diese auch in unpassenden Situationen ins Bewusstsein drängen). Für solche Fälle gibt es heute die Möglichkeit, eine belastende Erinnerung von dem mit ihr verknüpften unangenehmen Gefühl zu befreien. Eine geeignete Vorgehensweise erwähnt Christian Weber in seinem Beitrag: Dabei gibt man den Betroffenen das Medikament Propranolol und bittet sie dann, sich so konkret wie möglich an das belastende Ereignis zu erinnern. Da das erwähnte Medikament mit seiner Antistress-Wirkung auf verschiedene Körperfunktionen dämpfend wirkt (z.B. Verlangsamung des Herzschlags) wird die Erinnerung jetzt mit einem entspannten Erleben neu verknüpft. Künftige Erinnerungen rufen dann konsequenterweise nicht mehr vorrangig oder ausschließlich die schlimmen Gefühle hervor, sondern eher die neue und jetzt günstigere emotionale Bewertung. Um solche befreienden Effekte zu erzielen, bedarf es erfreulicherweise nicht einmal eines Medikaments. In meiner Praxis als ärztlicher Psychotherapeut biete ich interessierten Pers
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