4. Fast vierzig Prozent der Akademikerinnen bleiben kinderlos.

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Mit dieser Behauptung ging die frühere Familienministerin Renate Schmidt (SPD) auf Werbetour für ihren Elterngeld-Plan. Im Wahlkampf 2005 klappte das ganz gut; erst danach kamen die Demographen darauf, dass das Bild nicht stimmte. Denn die hohe Zahl hat diverse Fehler. Am gewichtigsten ist, dass die falsche Altersgruppe betrachtet wird: Bei den 35- bis 39-jährigen Akademikerinnen mag die Kinderlosigkeit durchaus bei mehr als dreißig Prozent liegen.

Doch gerade Frauen mit hoher Bildung bekommen oft noch nach dem vierzigsten Geburtstag Kinder. Betrachtet man die Älteren und beachtet ein paar andere demographische Feinheiten, schnurren die beeindruckenden "fast vierzig Prozent" auf gut zwanzig zusammen. Im europäischen Vergleich ist das immer noch viel - aber weit entfernt von einer Schreckensnachricht.

5. Südeuropäische Länder sind kinderfreundlicher als Deutschland.

Wer in einem italienischen Restaurant beobachtet, wie spätabends Kinder herumwuseln, wird Italien für ein kinderfreundliches Land halten. Bambini gehören zum Alltag, sie werden von Müttern verhätschelt und von Vätern stolz präsentiert.

Wer schon einmal mit Kindern auf einem italienischen Spielplatz war, bekommt erste Zweifel. Die Rutsche ist durchgerostet, die Schaukel abgerissen, die Wippe könnte aus dem späten 19. Jahrhundert stammen. Würden hier tatsächlich Kinder spielen, hätten die Krankenhäuser viel zu tun.

Wer in die Statistiken von Italien, Spanien und Portugal blickt, erschrickt sogar: Frauen bekommen dort genauso wenige Kinder wie in der Bundesrepublik. Erklären kann man das am ehesten damit, dass sich die Probleme junger Paare hier wie dort ähneln: Beruf und Familie sind schwer zu vereinbaren, weil der Staat jahrzehntelang davon ausging, dass allein die Mamas für die Kinder zuständig seien. Weil sie inzwischen aber oft besser ausgebildet sind als die Männer, konzentrieren sich junge Frauen zunächst auf den Job, verschieben das Kinderkriegen auf später - und viele lassen es dann ganz.

6. Wenn viele Frauen arbeiten gehen, bekommen sie insgesamt weniger Kinder.

Diese Annahme stammt aus den sechziger Jahren, als der "männliche Alleinverdiener" das Leitbild der westlichen Welt war. Zu diesem Modell passt natürlich nicht, dass Frauen beides tun, Kinder bekommen und trotzdem mehr als ein bisschen nebenbei arbeiten.

Doch die jüngeren Erfahrungen der west- und nordeuropäischen Länder deuten eher auf das Gegenteil hin: Häufig sind die Geburtenraten dort besonders hoch, wo viele Frauen arbeiten - in Frankreich oder in den skandinavischen Ländern. Das zeigt: Je weiter sich eine Gesellschaft vom traditionellen Prinzip "Papa füllt Konto, Mama schaukelt Baby" entfernt, umso häufiger gibt es überhaupt Babys zu schaukeln.

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  1. Kinder, Kinder
  2. Sie lesen jetzt Arbeitende Frauen - häufig kinderlos?
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(SZ vom 04.09.2009/gal)