Gasleck in Kalifornien Ein Stadion voller Gas pro Tag

Monatelang entwichen große Mengen Methangas aus einem unterirdischen Reservoir bei Los Angeles.

(Foto: Enviromental Defense Fund And Ea/dpa)

Mehr als drei Monate bekommen die USA ein riesiges Gasleck in Los Angeles nicht in den Griff. Das Ausmaß des Unglücks ist gewaltig.

Von Christoph Behrens

Aus einem riesigen Gasleck in Kalifornien sind rund 100 000 Tonnen Methan in die Atmosphäre geströmt. Der resultierende Treibhauseffekt entspreche dem von mehr als einer halben Million Pkw in den USA innerhalb eines Jahres, berichten US-Forscher im Fachjournal Science. Den Riss des unterirdischen Erdgasspeichers nahe Los Angeles haben die Betreiber 112 Tage nicht in den Griff bekommen. Erst am 11. Februar stoppten Techniker den Gasausstoß. Es handelt sich damit um das bislang größte Gasleck in der Geschichte der USA.

Das Team von der University of California in Davis hatte die Bruchstelle regelmäßig mit Messflugzeugen überflogen. "Die Methan-Ausstöße waren außerordentlich hoch, die höchsten die wir je gesehen haben", sagte Co-Autor Donald Blake. Zeitweise seien bis zu 4,5 Tonnen Ethan und bis zu 60 Tonnen Methan pro Stunde entwichen. Pro Tag hätte diese Menge einen Ballon so groß wie ein Stadion mit 90 000 Plätzen füllen können. Im Januar hatten die Behörden in Porter Ranch, einem Vorort im Norden von Los Angeles, den Notstand ausgerufen. Etwa 11 000 Anwohner waren umgesiedelt worden, viele litten an Übelkeit, Nasenbluten oder Kopfschmerzen. In der bodennahen Luft einer betroffenen Wohnsiedlung fand Blake zudem weitere gesundheitsgefährdende Stoffe wie Benzol oder Xylole.

Möglicher Zusammenhang zwischen Methan und Fracking

"Methan ist in der Atmosphäre kurzfristig sehr viel schlimmer für die Erderwärmung als CO₂", sagt Torsten Sachs vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ). Der Geoökologe vermutet, dass derartige Lecks häufiger vorkommen als bislang bekannt, zum Beispiel im Umfeld von Fracking-Bohranlagen.

Kürzlich konnten Forscher der Universität Harvard zeigen, dass der Methan-Ausstoß der USA zwischen 2002 und 2012 um ein Drittel angestiegen ist. Zeitlich fällt dies mit dem Boom der Fracking-Bohrungen in Bundesstaaten wie North Dakota und Pennsylvania zusammen. Es handelt sich demnach um jährlich mindestens zehn Millionen Tonnen mehr Methan, als von der US-Regierung offiziell angegeben wird.

Erdgas gilt allgemein als klimafreundlicher gegenüber anderen fossilen Rohstoffen wie Öl oder Kohle, weil die Verbrennung weniger CO₂ frei setzt. "Es ist allerdings nur sauberer, wenn die Gasinfrastruktur einwandfrei ist", sagt GFZ-Forscher Torsten Sachs. Ein monatelanges Gasleck wie das nahe Los Angeles gefährde lokale und nationale Klimaziele, warnen die Forscher in Science.

In Kalifornien sollen nun weitere Untersuchungen zeigen, wie es zu dem Gasausbruch in 2400 Meter Tiefe kam und weshalb er so lange nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Der Speicher ist der viertgrößte seiner Art in den USA. Dort lagert genug Erdgas, um Südkalifornien einen Monat lang zu versorgen.