Bereits im Alter von sechs Monaten können Babys aus ihren Beobachtungen schließen, wer ein hilfsbereiter Mensch ist. Demnach beginnen wir viel früher mit der sozialen Bewertung anderer als bislang gedacht.
Es ist nie zu früh zu wissen, wer Freund und Feind ist. Trotzdem ist es eine Überraschung, dass bereits Babys im Alter von von sechs bis zehn Monaten erkennen, ob sie es mit hilfsbereiten Menschen zu tun haben, und dass sie diese dann anderen Personen auch vorziehen.
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Babys erkennen schon früh, ob jemand hilfsbereit ist. (© Foto: dpa)
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Das haben Versuche von Verhaltensforschern der US- Universität Yale ergeben. Die Säuglinge beobachteten darin das soziale Verhalten simulierter Menschen untereinander und bevorzugten deutlich solche Individuen, die anderen halfen. Das schreiben die Psychologen um Kiley Hamlin im britischen Fachjournal Nature (Bd. 450, S. 557, DOI: 10.1038/nature06288).
Um vergleichbare Bedingungen zu schaffen, stellten die Forscher das soziale Verhalten mit einfachen Holzfiguren nach, denen große Augen aufgeklebt waren. Eine Figur versuchte, einen Berg zu besteigen, während andere ihr dabei halfen oder sie behinderten.
Die Kinder bevorzugten anschließend mit überwältigender Mehrheit hilfsbereite Figuren, wenn ihnen beide zur Wahl angeboten wurden. 14 von 16 Babys im Alter von zehn Monaten und alle zwölf sechs Monate alten Babys entschieden sich für den Helfer.
Um auszuschließen, dass sich in der Wahl der Kinder bloß die Vorliebe für eine bestimmte Bewegungsrichtung (oben) spiegelt, wiederholten die Forscher dieselben Versuche mit anderen Kindern und neutralen Holzfiguren, die keine Menschen darstellen sollten.
Hierbei fiel die Wahl der Babys fast gleichmäßig auf beide Arten Holzfiguren, "helfende" und "behindernde". In einem dritten Versuch konnte eine dritte Kindergruppe zwischen menschlich gestalteten Helfern, Behinderern und unbeteiligten Figuren wählen. Die Babys bevorzugten dabei Helfer vor Unbeteiligten und Unbeteiligte wiederum vor behindernden Individuen.
Die Studie liefere den ersten Beleg dafür, dass die sozialen Vorlieben bereits bei Säuglingen vom Verhalten gegenüber Dritten beeinflusst werden, schreiben die Forscher.
Die Beobachtungen legten damit nahe, dass Menschen viel früher als bislang gedacht mit der sozialen Bewertung anderer beginnen. Sie stützten zudem die Ansicht, dass es sich dabei um eine angeborene und nicht um eine erlernte Kompetenz handele.
Diese Fähigkeit könne einer biologischen Anpassung entstammen und liefere möglicherweise die Grundlage für Moralvorstellungen und kooperatives Handeln. Darüber hinaus sei die frühe Entwicklung ein Hinweis darauf, dass eine soziale Beurteilung eine biologische Notwendigkeit ist, die im Lauf der Evolution entstanden ist.
(dpa/mcs)
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@derblauebär:
Abgesehen davon, dass es in dem Test wohl nichts zu "bestehen" gab: die beiden, die Sie meinen, werden Manager, Wirtschaftsexperten und Finanzspekulaten und erzählen uns im Brustton der überzeugung, dass der Mensch nun mal egoistisch sei und allein bitterhartes Konkurrenz- und Gewinnstreben die Welt voranbringe.
Einige von denen haben es schon in die entsprechenden Positionen geschafft.
Obwohl da auch von anderen Tests mit helfenden oder behindernden Figuren die Rede ist, frage ich mich doch bei der ersten Versuchsreihe, woher die Babys wissen sollten, was es heisst einen Berg zu besteigen, und wie man sich dabei helfend oder behindernd verhalten kann.
Meine Tochter ist auf jeden Fall im Alter von 13 Monaten zum ersten Mal in die Berge gegangen. Ob sie dabei an helfende oder behindernde Figuren gedacht hat, vermag ich nicht zu beurteilen sie hat nämlich die meiste Zeit auf meinem Rücken geschlafen in der sicheren Annahme, Papa wird schon das Richtige tun.
Letzter Satz im Artikel: "Darüber hinaus sei die frühe Entwicklung ein Hinweis darauf, dass eine soziale Beurteilung eine biologische Notwendigkeit ist, die im Lauf der Evolution entstanden ist."
Vorsicht, die Autoren schreiben "...social evaluation is a biological adaptation". Sie schreiben also von einer Anpassung, nicht von einer Notwendigkeit.
Bei denen kann man nur hoffen, daß eine hoffentlich erfolgende Erziehung zur Sozialität das Instinktdefizit (Bereitschaft zum Altruismus) ausgleicht.