Von Christina Merkel

Hartnäckige Stereotype: Frauen gelten in den Naturwissenschaften immer noch als weniger fähig als Männer - und zwar weltweit. Das wirkt sich auch auf ihre Leistungen aus.

Knapp drei Viertel der Menschen weltweit halten Frauen für schlechter in Mathe, Chemie und Physik als Männer. Das ist das Ergebnis einer Online-Untersuchungen mit mehr als 500.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 34 Ländern.

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Aha, so geht das also: Er zeigt, wie es geht, und sie schaut zu - in naturwissenschaftlichen Fächern werden Männer immer noch für kompetenter gehalten. (© Foto: iStock)

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Ein internationales Team von Psychologen testete dabei, wie sehr die Versuchspersonen Geisteswissenschaften mit Frauen und Naturwissenschaften mit Männern verbinden. 72 Prozent der Versuchsteilnehmer assoziierten demnach männliche Begriffe wie Vater und Sohn leichter mit Biologie, Chemie und Physik als mit Kunst oder Literatur (PNAS, online).

Vielen Menschen ist allerdings gar nicht bewusst, dass sie solche Vorurteile haben oder sie würden es nicht zugeben. Die Psychologen arbeiteten daher mit sogenannten Impliziten-Assoziations-Tests (IAT). Diese können Unterschiede zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten zeigen.

In den IA-Tests mussten die Probanden Begriffe möglichst schnell zuordnen; zum Beispiel Chemie zu den Naturwissenschaften, Mutter in die Gruppe "Weiblich". Anschließend wurden die Kategorien vermischt. "Je enger eine Person beide Konzepte gedanklich verbindet, desto einfacher wird es für sie, zu reagieren", sagt Konrad Schnabel vom psychologischen Institut der Humboldt Universität Berlin.

Schnabel betreute die IA-Tests in Deutschland. 25 Forscher aus 14 Ländern hatten für die Tests zusammengearbeitet. Die Studie ist Teil von "Project Implicit", bei dem jeder im Internet seine Assoziationen erproben kann. Neben dem Naturwissenschaften-IAT gibt es dort Tests zu vielen weiteren Themen, wie Alter, Religion und Hautfarbe.

Die aktuelle Studie zeigt noch mehr: Starke Vorurteile haben offenbar reale Auswirkungen. In Ländern, in denen die Menschen besonders ausgeprägte Ansichten über die verschiedenen Rollen der Geschlechter hatten, schnitten Achtklässler tatsächlich auch wesentlich besser im Mathematik-Unterricht ab als ihre Mitschülerinnen.

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(SZ vom 24.06.2009/gal)