Frau am Steuer Der Bordstein als Bedrohung

Ist es ein Vorurteil oder können Frauen tatsächlich nicht einparken? Ein Wissenschaftler von der Universität Bochum ist der Frage ganz ernsthaft nachgegangen.

Von Katrin Blawat

Eine freie Fläche zwischen zwei am Straßenrand parkenden Autos - wie lässt sich diese Situation in einem Wort beschreiben?

"Herausforderung", sagt der Mann. "Bedrohung", sagt die Frau, die sich, mehreren Jahrzehnten Frauenbewegung zum Trotz, offenbar noch immer von Bordsteinkanten, "Nur-Rückwärts-Einparken"-Schildern und männlichen Verkehrsteilnehmern einschüchtern lässt.

Als Beleg für diese These dienen nun nicht mehr nur Buchtitel, Kinofilme und Comedy-Shows, sondern auch eine zwar noch unpublizierte, aber immerhin wissenschaftliche Quelle: eine Studie des Biopsychologen Onur Güntürkün von der Universität Bochum.

65 Probanden beiderlei Geschlechts sollten jeweils senkrecht und parallel zur Straße einparken, alle im selben Auto. Wurden dabei die als Begrenzung dienenden Fahrzeuge gerammt, war das nicht schlimm, sie waren ohnehin schrottreif.

Am deutlichsten unterschieden sich weibliche und männliche Rangierkünste beim Parallel-Parken, egal ob es sich um Anfänger oder erfahrene Probanden handelte.

Frauen brauchten zwei Minuten, Männer nur 80 Sekunden. Zusätzlich untersuchten die Forscher die Selbsteinschätzung ihrer Probanden sowie deren räumliche Wahrnehmungsfähigkeit anhand des sogenannten Rotationstests.

Männer meistern diesen Test, bei dem dreidimensionale Figuren miteinander verglichen werden müssen, oft besser als Frauen. Die Bochumer Rundum-Analyse zeigte jedoch: Vor allem die Selbsteinschätzung der Autofahrer bestimmt, wie gut es mit dem Einparken klappt. Fazit: Fahrerinnen, die ihrem Können vertrauen, müssen nicht fürchten, als online-Video unter der Rubrik "Frau versus Parkschranke" zu landen.