Frankreich Ministerin: Pannen-AKW Fessenheim wird 2016 abgeschaltet

Das Atomkraftwerk Fessenheim soll Ende des Jahres geschlossen werden. (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Frankreich plant offenbar, das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim bis Ende des Jahres 2016 zu schließen.
  • Das verkündet die Ministerin Emmanuelle Cosse und widerspricht damit früheren Aussagen von Präsident François Hollande.
  • Nach neuen Berichten über das älteste AKW Frankreichs hatten deutsche Politiker dessen sofortige Abschaltung gefordert.

Nach neuer Kritik aus Deutschland hat die französische Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse bekräftigt, dass das Atomkraftwerk Fessenheim noch in diesem Jahr geschlossen werde. Damit widersprach die ehemalige Chefin der französischen Grünen früheren Aussagen von Präsident François Hollande und Umweltministerin Ségolène Royal.

"Das höre ich gerne, dass 2016 offenbar wieder als Option gehandelt wird", sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller. Er hatte erst vor kurzem von seiner französischen Kollegin Royal einen klaren Zeitplan für die Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim gefordert. "Es sind nur inzwischen so viele Jahreszahlen im Gespräch, dass es mir schwer fällt, ohne Weiteres daran zu glauben." Es sei nach wie vor unklar, wann Fessenheim wirklich vom Netz gehe. Die französische Regierung solle dringend für Klarheit sorgen.

Panne im Atomkraftwerk Fessenheim war gravierender als gedacht

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Dreyer fordert "sofortige Abschaltung"

Hollande hatte zuletzt verkündet, dass das Kraftwerk nahe der deutschen Grenze nicht wie ursprünglich zugesagt 2016 vom Netz gehen werde. Er begründete dies mit Verzögerungen beim Bau eines Reaktors der neuen Generation, der erst 2018 in Betrieb gehen soll. Ähnlich hatte sich auch Umweltministerin Royal geäußert, die aber betonte, das Verfahren zur Schließung werde noch in diesem Jahr beginnen.

"Der Zeitplan ist der, den mir der Präsident der Republik mehrmals wiederholt hat, also Ende 2016", sagte Ministerin Cosse in einem Interview der Sender RTL und LCI sowie der Zeitung Le Figaro. "Das ist das Datum."

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des WDR war ein Zwischenfall im AKW Fessenheim vom April 2014 gravierender gewesen als bislang bekannt. Die französische Atomaufsicht ASN habe demnach den Vorfall heruntergespielt. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Energieministerin Eveline Lemke forderten daraufhin in einem Brief an Hollande die "sofortige Abschaltung der Hochrisiko-Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom". Die Behörde wies die Vorwürfe wegen des Zwischenfalls zurück.