Psychologen erschüttern das Bild vom mündigen Wähler. Schon Fünfjährige beurteilen Kandidaten offenbar nach den gleichen Kriterien wie Erwachsene - wenn auch unter anderer Fragestellung.
Ein demokratisches System erfordert politisch mündige Bürger, die auf Basis von Wissen rationale Urteile fällen können - eine schöne Vorstellung. Doch leider scheint sie nicht zuzutreffen. Denn wie eine kürzlich im Wissenschaftsmagazin Science (Science 323, 1183, 2009) veröffentliche Studie zeigt, kommen schon kleine Kinder bei der Wahl von Führungspersonen zu den gleichen Ergebnissen wie Erwachsene.
Um die Ausstrahlung politischer Kandidaten zu bewerten, versetzten Forscher ihre Versuchspersonen spielerisch auf Odysseus' Schiff. (© Foto: istock)
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Die von den Psychologen John Antonakis und Olaf Dalgas von der Universität Lausanne durchgeführte Studie zeigt, "dass Schweizer Kinder schon im Alter von fünf Jahren vorhersagen können, welche Kandidaten am wahrscheinlichsten die französischen Parlamentswahlen gewannen".
Antonakis und Dalgas hatten zunächst 684 Schweizer Studenten Fotos von jeweils zwei ihnen unbekannten Politikern gezeigt, die bei den Parlamentswahlen in Frankreich vor fünf Jahren gegeneinander angetreten waren. Die Studenten sollten entscheiden, wen sie wählen würden. In 70 Prozent der Fälle entschieden sie sich für den Kandidaten, der die Wahl tatsächlich gewonnen hatte.
In einem weiteren Experiment ließen die Wissenschaftler dann 681 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren sowie 160 erwachsene Teilnehmer ein Computerspiel mit Odysseus' Reise von Troja nach Ithaka spielen. Auch diesen Versuchspersonen wurden die Fotos der rivalisierenden Politiker vorgelegt, wenn auch mit veränderter Fragestellung: Die Spieler sollten entscheiden, wer als Kapitän für die gefährliche Schiffsreise besser geeignet sei.
Das Ergebnis: Auch bei diesem Experiment sprachen die Versuchspersonen zu 70 Prozent dem tatsächlich gewählten Politiker ihr Vertrauen aus - und zwar unabhängig davon, ob Kinder oder Erwachsene die Entscheidung fällten.
"Ausstrahlung von Kompetenz"
Die Untersuchung passt in eine ganze Reihe anderer Studien, die gezeigt haben, dass schnelle Urteile über politische Kandidaten, die allein aufgrund von Fotos getroffen werden, deren Wahlerfolg recht gut vorhersagen können.
So wurden ähnliche Untersuchungen bereits bei Senats- und Gouverneurswahlen in den USA sowie Wahlen in Australien, Neuseeland, Finnland, Großbritannien, Irland oder Mexiko durchgeführt, schreiben die Psychologen Christopher Olivola und Alexander Todorov von der Princeton University (Scientific American, online, 5. Mai), die selbst auf diesem Gebiet forschen.
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Streit um Parteispitze bei der Linken
Was schließen wir daraus? Eine Demokratie zeichnet sich nicht notwendig durch die Kompetenz der Vertreter aus, die sind alles: lang, kurz, dick, dünn, blond, doof, schlau, etc.
Wichtigstes Kriterium könnte also sein, dass man diese Leute ohne Blutvergießen wieder los werden kann!
Das allerdings wird leider angesichts der berufsmäßigen Ausübung von Politik zunehmend schwerer. Egal hinter welches Türchen wir in der Hoffnung auf Alternativen gucken, immer glotzt einen irgendein bekannter Typ an. Die scheinen sich doch irgendwie an uns festgesaugt zu haben, das vermittelt einem vermutlich auch dieses latente Gefühl von Blutleere, manchmal sogar im Hirn.
Er wusste, wie wichtig Kompetenz-Kompetenz ist.
Warum haben wir dann die Bundeskanzlerin Angela Merkel?
Nach gängigen Maßstäben dürfte Sie nicht als besonders charismatisch gelten.
Man darf auch nicht vergessen, dass jedenfalls in Deutschland die Parteien durch die Aufstellung der Listen eine wesentliche Vorentscheidung treffen. Um auf einen guten Listenplatz zu kommen, reicht gutes Aussehen wohl nicht, innerparteiliche Vernetzung bzw. die Zugehörigkeit zu bestimmten politischen Teilmengen (Frau, Wessi, Realo, Franke usw.) dürften wichtiger sein.
Interessant bleibt die Studie dennoch.
Jetzt haben wir also die Erklärung, warum in den deutschen Medien zum Thema Europawahl völliges Schweigen herrscht. Da geht's nämlich mehr um Inhalte als um Personen. Sofort schaltet der Wähler ab und die Damen und Herren Journalisten folgen auf dem Fuße.
Früher allerdings soll es Journalisten gegeben haben, die erst ein Thema entwickelten und dann nach der Leserschaft suchten. Sic transit gloria mundi.