In Filmen haben es die Helden häufig mit gigantischen Krabbeltieren zu tun, denen man im normalen Leben aber nie begegnet. Wieso eigentlich?
Könnten riesige "Bugs" die Menschheit bedrohen, wie es der Film "Starship Trooper" zeigt? Ist es denkbar, dass man einmal auf eine Tarantel stößt, die wie in dem gleichnamigen Filmklassiker von Jack Arnold Menschen angreift?
Bild vergrößern
Riesige Käfer sind die Gegner der "Starship Trooper" im gleichnamigen Film. (© Foto: dpa)
Anzeige
Leben vielleicht große, von der Gestalt her Menschen ähnelnde Kakerlaken unter uns, wie Donald A. Wollheim in seiner SF-Kurzgeschichte "Mimik" beschrieben hat? Und wären wir lebensfähig, wenn wir wie Kafkas Gregor Samsa eines Morgens als riesiger Käfer aufwachen würden?
Für die Bugs oder Arachniden aus "Starship Trooper" lässt sich das nicht sagen - schließlich handelt es sich dabei um außerirdische Lebewesen, über deren Biologie wenig bekannt ist.
Doch dafür, dass Sie noch nie einer Spinne von der Größe eines Sonnenschirms begegnet sind und auch Käfer nicht das Volumen eines Volkswagens erreichen, gibt es gute Gründe.
Die Größe von Insekten und Spinnen hängt mit ihrem Atemsystem zusammen. Anders als Wirbeltiere besitzen sie keine Lungen sondern Tracheen und - im Falle vieler Spinnen - sogenannte Buchlungen.
Bei den Tracheen handelt es sich um ein Netz von Luftröhrchen, das alle Körperteile durchzieht und über das Sauerstoff direkt an die Organe gelangt. Etwas anders ist es bei den Buchlungen der Spinnen, wo der Sauerstoff in die vorbeifließende Körperflüssigkeit diffundiert - doch auch dieses System ist passiv im Vergleich zum aktiven Lungensystem der Wirbeltiere.
Prinzipiell lässt sich sagen: Je größer die Gliederfüßler sind, desto länger und größer müssen auch ihre Atemorgane sein. Doch deren Volumen kann nicht linear mit der Körpergröße der Krabbeltiere ansteigen.
Wie, dass haben Wissenschaftler um Alexander Kaiser der Midwestern University in Glendale, USA, kürzlich für Käfer demonstriert. Sie hatten Käfer mit einer Größe zwischen drei Millimetern und 3,5 Zentimetern verglichen und festgestellt, dass das Volumen der Tracheen mit der Größe der Tiere um ein Drittel stärker wächst als ihr Körpervolumen.
Doch die Tracheen können nicht beliebig groß werden. Insbesondere dort, wo die Beine der Tiere mit dem Körper verbunden sind, gibt es eine Engstelle, über die das Bein mit Sauerstoff versorgt werden muss.
Anhand ihrer Beobachtung konnten die Forscher berechnen, dass heute kein Käfer eine Körpergröße von mehr als 16 Zentimeter erreichen dürfte. Tatsächlich schaffen die Tiere etwas mehr. Der größte bekannte Käfer, der Riesenbockkäfer (Titanus giganteus) der Tropen Südamerikas, kommt auf 17 Zentimeter. Das war es aber dann auch.
Rieseninsekten in der Urzeit
Nun belegen Fossilien aus dem Karbon und dem Perm, dass vor mehreren hundert Millionen Jahren Gliederfüßer wie Insekten, Spinnen und Tausendfüßler auf der Erde erheblich größer wurden. Es gab Libellen mit siebzig Zentimetern Flügelspannweite, mehr als zwei Meter lange Tausendfüßler, Riesenspinnen mit armlangen Beinen . . . was war damals anders als heute?
Wie Kaiser und sein Team im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences berichten, ist der entscheidende Unterschied der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre. Die Erdatmosphäre enthält in Bodennähe derzeit etwa 21 Prozent Sauerstoff.
Im Erdzeitalter Paläozoikum, genauer im Karbon und dem frühen Perm, lag der Anteil dagegen bei mehr als 30 Prozent. Unter diesen Bedingungen konnte auch ein relativ kleines passives Atmungssystem genug Sauerstoff transportieren, um große Körper zu versorgen.
Nachdem übrigens im Verlauf des Perm und der nachfolgenden Trias der Sauerstoffgehalt der Luft zurückging, verschwanden die riesigen Krabbeltiere.
An der Universität von Texas in Austin haben Forscher übrigens bereits vor Jahren beobachtet, dass zum Beispiel Fruchtfliegen sich an eine langsame Zunahme des Sauerstoffgehaltes ihrer Umgebung anpassen: Sie legen von Generation zu Generation an Gewicht zu.
Demnach stammen die Bugs aus "Starship Trooper" entweder von einem Planeten mit einer Atmosphäre mit erheblich höherem Sauerstoffgehalt - oder sie sind eben doch keine echten Bugs. Und vor riesigen Kakerlaken müssten wir uns nur fürchten, wenn statt dem Kohlendioxid der Sauerstoff in unserer Atmosphäre zunehmen würde.
(sueddeutsche.de)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Leider bin ich kein Biologe. Das mit den Wanderheuschrecken habe ich aus dem Gliederfüßlerartikel der Wikipedia. Denke auch, dass die Ergebnisse der im SZ-Artikel genannten Wissenschaftler zutreffend sind. Jedoch kann der Einfallsreichtum der Natur auch Unwahrscheinliches wahrscheinlich machen. Es gibt unglaublich viele Faktoren. Auch ein geringerer Stoffumsatz, ein langsameres Leben, könnte den Sauerstoffbedarf reduzieren und so trotz passiven Tracheen grössere Tierchen zulassen. Dass wir bald riesigen Kakerlaken begegnen werden, glaube ich nicht, unmöglich ist es aber auch nicht.
Das Wanderheuschrecken Hämocyanin besitzen, wusste ich nicht. Bist Du Dir da sicher?! In der Hämolymphe oder in Hämocyten? Da bin ich neugierig ...
Das mit den Riesen-Hundertfüßlern ist so, wie mit dem Riesenlibellen: Die sind zwar richtig lang, aber nicht dick, vielleicht einen Zentimeter, vielleicht zwei, viel mehr nicht. Da geht's noch mid den Tracheen. ABER: ich weiß nicht, ob die nicht vielleicht noch einen zusätzliche Mechanismus zum Gasaustausch entwickelt haben, wie z.B. die Spnnen mit ihrer Buchlunge (Grundregel: Wer eine Lunge hat, der nutzt auch sein Blut szum Sauerstoff- / Kohlendioxidtransport).
Einige Tausendfüßler, die zwar keine Insekten sind, aber ebenfalls durch Tracheen atmen, können auch länger als 16 cm werden. So der Brasilianische Riesenläufer, der um die 25 cm Länge erreicht.
Danke, überzeugt mich fast. Aber Wanderheuschrecken besitzen tatsächlich Hämocyanin zum Sauerstofftransport, ähnliches könnte auch für einige im Wasser lebende Insekten gelten.
ne ne ne, Insekten und Sauerstofftransport über das Blut ... das geht nicht.
Das Blut der Insekten heißt übrigens Haemolymphe (bei denen ist primäre und sekundäre Leibeshöle verschmolzen; das muss man jetzt nicht verstehen, aber daher rührt der seltsame Name) und es spielt keine Rolle beim Transport von Sauerstoff. Das geht ausschließlich über die Tracheen. Das sind kleine Röhren, die nach außen offen sind. Die Öffnungen heißen übrigens Stigmata und liegen (meist) am Hinterleib. Von dort aus ziehen sich dir Tracheen in den Körper hinein und verzweigen sich immer stärker, bis fast jede Zelle ihren eigenen kleinen Schnorchel hat.
Nur ein einziges Insekt (und es gibt VIELmehr Insektenarten als Wirbeltierarten) hat den Haemoglobin-Trick drauf. Das sind die Zuckmücken. Deren Larven entwickeln sich im Wasser (mal in die Regentonne gucken, die kleinen roten "Würmchen" die da zuckend durch die Gegend rudern) und zwar da, wo wirklich sehr wenig Sauerstoff im Wasser gelöst ist. Und die verfügen über Haemoglobin. Allerdings nicht wie bei uns, schön verpackt in Blutkörperchen, sonder "kolloidal" in der Heamolymphe. "Kolloidal" heißt: die Haemoglobinmoleküle bilden kleine Klümpchem, die frei in der Körperflüssigkeit treiben. Die Larve der Zuckmückeist wirklich das einzige Insekt, bei dem Atemgase (über das Haemoglobin, wie bei uns) durch die haemolymphe transportiert wird.
Das mit der Schwerelosigkeit stimmt übrigens: wer weniger wiegt braucht weniger Energie und damit auch weniger Sauerstoff. Das trifft aber für alle zu. Wenn wir also mal ins All auswandern, dann gibt's da in ein paar Millionen Jahren vielleicht Riesenkakerlaken. Aber das macht dann nix, weil wir dann auch Riesengroß sind und entsprechend Riesenfliegenklatschen haben, um uns zur Wehr zu setzen.
Klugscheißer-Grüße von dem, der's einfach wissen muss ;-)
Paging