Der eine denkt ewig über das richtige Auto nach, der andere mietet spontan die neue Wohnung. Wie kommt man zur richtigen Entscheidung?
Täglich stehen wir vor wichtigen Entscheidungen: Sollen wir aufstehen und zur Arbeit gehen oder einfach darauf hoffen, dass uns niemand vermisst? Wäre der VW-Bus als Familienkutsche jetzt das richtige Auto oder leistet man sich doch den roten Ferrari und kauft dafür das günstige Haus statt der teuren Villa? Vielleicht ist es auch endlich Zeit, die Zahnpasta, den Internetprovider oder den Partner zu wechseln.
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Wieder voll daneben gelegen? (© Foto: iStockphoto)
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Manche Entscheidungen lassen sich schnell fällen, andere erfordern ein intensives Nachdenken. Doch hilft es tatsächlich, das Für und Wider ausführlich gegenüberzustellen? Vielleicht sind ja Urteile aus dem Bauch heraus manchmal die besten.
Dafür sprechen zum Beispiel die Studien von Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Der Psychologe konnte nachweisen, dass gerade sehr viele Informationen und langes Nachdenken häufig nicht zum besten Ergebnis führen.
Das gilt zum Beispiel, wenn es um die beste Strategie für den Handel mit Aktien geht, oder im sportlichen Wettkampf. Die schnellen und spontanen Entscheidungen bescheren Laien hier häufig größere Erfolge als das kenntnisreiche Abwägen der Profis.
Aber sollte man sich deshalb tatsächlich eher auf den Bauch als auf den Kopf verlassen?
Dieser Frage gehen seit einigen Jahren auch Wissenschaftler der Universität von Nijmegen nach. Und die Ergebnisse ihrer Studien sind bemerkenswert.
Die Niederländer stellten ihren Versuchspersonen zum Beispiel vier fiktive Appartments in Amsterdam vor. Wie in der Beschreibung eines Maklers wurden zwölf verschiedene Eigenschaften angegeben, etwa die Größe und die Lage der Immobilie. Das Team um Ap Dijksterhuis hatte jedoch eines der Appartments mit besonders vielen positiven Merkmalen ausgestattet, eines mit besonders vielen negativen.
Nachdem sie alle Informationen gelesen hatten, sollten sich einige Probanden sofort - aus dem Bauch heraus - für das beste Appartment entscheiden. Eine zweite Gruppe durfte drei Minuten bewusst darüber nachdenken. Und eine dritte Gruppe sollte sich ebenfalls nach drei Minuten äußern. Ihre Mitglieder wurden in dieser Zeit jedoch mit Rätselaufgaben abgelenkt.
Erfolg der "unbewussten Denker"
Dijksterhuis und seine Kollegen bezeichneten diese letzte Gruppe als "unbewusste Denker". Und sie erkannten deutlich häufiger als die Bauchentscheider oder die bewussten Abwäger, welches das beste Appartment war.
Es scheint, als wäre in ihren Köpfen gewissermaßen im Hintergrund ein Entscheidungsprozess abgelaufen, während sie sich mit irgendwelchen Worträtseln beschäftigt hatten - ein unbewusster Entscheidungsprozess, der ein besseres Ergebnis hervorbrachte, als bewusstes Nachdenken.
Sollten wir also, bevor wir ein Urteil fällen, immer einige Runden Sudoku spielen?
Ganz so einfach ist es leider nicht, wie die Niederländer in weiteren Versuchen feststellten. Inspiriert von ihrem Appartment-Test stellten sie Versuchspersonen vor die Wahl eines von vier fiktiven, unterschiedlich gut ausgestatteten Autos.
Diesmal aber verglichen sie nicht nur den Erfolg der bewussten oder unbewussten Denker. In einem Versuch besaßen die Autos vier positive oder negative Merkmale, in einem zweiten Test waren es dreimal so viele Eigenschaften.
Es stellte sich heraus, dass jene, die vier Minuten bewusst nachdenken durften, sich häufiger für das beste Auto entschieden - wenn sie nur vier Merkmale berücksichtigen mussten. Waren es jedoch zwölf Eigenschaften, lagen diejenigen vorn, die abgelenkt worden waren und demnach nicht über ihre Wahl hatten nachdenken können.
Nun gibt es natürlich Produkte wie Autos oder teure Fotokameras, die eine große Zahl von Merkmalen besitzen, welche vor einer Entscheidung berücksichtigt werden sollten. Über andere Dinge wie Shampoo-Sorten, Musik-CDs oder Schuhe denken wir nicht ganz so viel nach.
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Könnte es nicht auch sein, dass Leute, die nicht lange über eine Kaufentscheidung nachdenken, geringere (oder weniger exakte) Erwartungen an das Produkt haben, das sie erwerben, und einfach deshalb zufriedener mit ihrer Entscheidung sind?