Von Markus C. Schulte von Drach

Der Traum ist uralt: Bereits Gilgamesch wollte den Tod überwinden und bis in die frühe Neuzeit dauerte die Suche nach dem Jungbrunnen. Kann die Unsterblichkeit Realität werden?

Der Traum vom ewigen Leben ist offenbar so alt, wie die Menschheit selbst. Bereits die Neandertaler bestatteten ihre Toten mit Grabbeigaben, was darauf hindeutet, dass sie zumindest auf eine Existenz nach dem Tode hofften. Fast alle großen Religionen stellen ihren Anhängern ein Leben im Jenseits in Aussicht.

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Ein Bad im Jungbrunnen macht aus alten Frauen junge Mädchen. Hier eine Darstellung aus dem 16. Jahrhundert von Lucas Cranach dem Jüngeren. (© Foto: oh)

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Bereits im babylonischen Gilgamesch-Epos aus dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung suchte der König von Uruk einen Weg, unsterblich zu werden. Und bis in die frühe Neuzeit dauerte die Suche nach dem mythischen Quell des Lebens, dem Jungbrunnen, von dem schon im dritten Jahrhundert unserer Zeit der Alexanderroman berichtete.

Bislang aber ist es noch niemandem gelungen, das Ziel des ewigen Lebens zu erreichen. Was uns daran hindert, ist - abgesehen von tödlichen Krankheiten und Unfällen - das Altern.

Doch dieser Prozess ist offenbar nicht mehr der alte: Immer mehr Menschen leben immer länger. So lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts noch um die 50 Jahre. Inzwischen können Deutsche mit 75 (Männer) und 81 (Frauen) Lebensjahren rechnen - Tendenz steigend. Allein im vergangenen halben Jahrhundert hat sich die Zahl der Hundertjährigen vervielfacht. Und diese Entwicklung ist in allen Industriestaaten zu beobachten.

Sind die Menschen also bereits auf dem Weg in die Unsterblichkeit? Oder gibt es eine natürliche Grenze, die wir nicht werden überwinden können?

Weniger Krankheiten, weniger Unfälle

Wer über die Zukunftsaussichten nachdenkt, der muss berücksichtigen, welche Ursachen die Zunahme an Lebenszeit in den vergangenen 100 Jahren hatte. Dahinter steckt nicht in erster Linie eine Veränderung des natürlichen Alterungsprozesses. Vielmehr leben viele Menschen heute länger, weil sie ganz einfach Krankheiten oder Unfälle überleben, an denen unsere Vorfahren noch gestorben sind. Zu verdanken haben wir das vor allem der Gesundheitsvorsorge, der medizinischen Versorgung und dem Wissen um zuvor unbekannte Gefahren.

Doch das Altern selbst geht weiter. Und irgendwo knapp jenseits der 100 Jahre scheint derzeit noch eine bisher kaum überwindbare Lebensgrenze zu liegen. So wurde der bislang bekannte älteste Mensch, die Französin Jeanne Calment, auch "nur" 122 Jahre.

Andere Angaben, etwa die zum biblischen Methusalem, der angeblich immerhin 969 Jahre auf dem Buckel hatte, sind mit Vorsicht zu genießen. So gibt es die Theorie, dass ursprünglich nicht Jahre, sondern Mondumläufe gemeint waren. Demnach brachte es auch Methusalem nur auf ein Alter von 78 Jahren - was für antike Verhältnisse immer noch eine stolze Leistung war.

Darüber, was Altern eigentlich ist, herrscht unter Wissenschaftlern noch keine Einigkeit. Eine wichtige Rolle scheint aber auf jeden Fall die Ernährung zu spielen. Ein diätbedingter reduzierter Stoffwechsel, darauf deutet eine Reihe von Studien hin, lässt Organismen langsamer altern.

Beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans etwa kann die normalerweise 30 Tage betragende Lebenserwartung bis auf das Sechsfache wachsen, wenn ein bestimmtes Gen mutiert oder ausgeschaltet wird. Es handelt sich dabei um eine Erbinformation, die für die Versorgung der Zellen mit Blutzucker wichtig ist. Die Tiere sind gewissermaßen auf der Zell-Ebene auf Dauerdiät gesetzt.

Bei Nagetieren konnten Wissenschaftler ähnliche Effekte hervorrufen - sowohl durch Eingriffe in die Gene, als auch durch eine Reduzierung der Nahrungsversorgung. Und auch bei Menschen scheint sich dieser Zusammenhang zu bestätigen. Besonders langlebige Menschen zeigen offenbar eine herabgesetzte Aufnahme des Hormons IGF in die Körperzellen. Der Effekt ähnelt dem einer Hungerkur.

Wachstum oder Wiederherstellung

Den Zusammenhang erklären die Fachleute so: Je mehr Zucker Lebewesen über die Nahrung aufnehmen und verbrennen, desto mehr sogenannte Sauerstoff-Radikale entstehen, die unser Erbgut angreifen und zu Mutationen in der DNA führen.

Nun existieren zwar Reparaturmechanismen. Doch gut versorgte Zellen investieren eher in Wachstum als in die Wiederherstellung beschädigter Gene. Mit der Zeit wächst so die Zahl von nicht reparierten Mutationen. Die Folge: Das Körpergewebe funktioniert nicht mehr richtig, es kann zu degenerativen Erkrankungen kommen.

Einfach die IGF-Aufnahme in die Zellen zu bremsen, ist allerdings keine gute Idee, um die Lebenserwartung zu steigern. Dafür sind die Wechselwirkungen der Hormone im Stoffwechsel viel zu komplex. Stattdessen empfehlen Wissenschaftler, einfach maßvoll zu essen.

Andere denken darüber nach, wie sich die Reparaturmechanismen in den Zellen unterstützen lassen.

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