Viele Menschen empfinden beim Anblick von Schlangen und Spinnen Ekel und Angst. Dabei sind die meisten dieser Tiere völlig harmlos.
Wann haben Sie schon einmal eine gefährliche Giftschlange gesehen? Nicht im Fernsehen oder im Zoo, sondern in Deutschlands freier Natur, von Angesicht zu Angesicht? Die Antwort der meisten von uns dürfte lauten: noch nie. Oder es handelte sich um eine Kreuzotter oder eine Aspisviper - zwei Arten, deren Bisse nur für Kinder, alte Menschen oder Allergiker gefährlich sein können.
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Diese Spinne ist tatsächlich gefährlich: die Sydney-Trichterspinne (Atrax robustus). (© Foto: Getty Images)
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Warum aber haben fast alle Menschen - auch jene, die noch nie negative Erfahrungen mit den Reptilien gemacht haben - eine solche Abneigung oder sogar Angst vor Schlangen?
Die gleiche Frage kann man stellen, wenn es um Spinnen geht. In Deutschland führen lediglich Bisse der Ammen-Dornenspinne (Ammen-Dornfinger) und der Wasserspinne zu unangenehmen Folgen - tödlich sind auch diese Tiere nicht. Lediglich Allergiker sollten sich vorsehen.
Trotzdem ekeln sich viele Menschen auch vor der haarigen, schwarzen Großen Winkelspinne (Hausspinne), der Kreuzspinne oder selbst den langbeinigen Zitterspinnen, die in Kellern und Zimmerecken leben. Kaum jemand wird bei dem Gedanken an eine kleine, fette, haarige Spinne, die im Hosenbein hochkrabbelt, nicht nervös.
Spinnenangst (Arachnophobie) kann sogar eine echte psychische Störung darstellen.
Handelt es sich tatsächlich um eine natürliche Abneigung, eine Art Instinkt, den unsere Vorfahren entwickelt haben? Denkbar wäre das. Denn jene unserer Ahnen, die tödlichen Schlangen, Spinnen oder Skorpionen ohne nachzudenken aus dem Weg gegangen wären, hätten einen Überlebensvorteil gegenüber ihren neugierig damit spielenden Artgenossen besessen.
Oder aber haben wir als Kinder gelernt, vor diesen Tieren Angst zu haben? Schließlich standen Schlangen nicht immer und überall nur für Schlechtes. Bei den alten Griechen zum Beispiel symbolisierten die Tiere Weisheit und Heilkraft.
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wahrheit in der Mitte liegt.
So konnten mehrere Studien zeigen, dass Erwachsene auf einer Reihe von Fotos mit verschiedenen Motiven gerade Spinnen und Schlangen besonders schnell identifizierten. Und Forscher der University of Virginia in Charlottesville, USA, haben kürzlich gezeigt, dass dies selbst bei Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren gilt, die noch nie einer Schlange begegnet sind.
Vanessa LoBue und Judy DeLoache hatten den Kleinen und ihren Eltern jeweils neun Bilder auf einem Touchscreen-Monitor gezeigt. Acht Fotos enthielten harmlose Motive: Blumen, Frösche oder Raupen. Eine Aufnahme aber stellte eine Schlange dar. Im Kontrollversuch dagegen musste ein harmloses Objekt unter acht Schlangen gesehen werden.
Wie die Wissenschaftler im Journal Psychological Sciences berichteten, identifizierten bereits die Vorschulkinder die Schlangen schneller als die Vergleichsobjekte - unabhängig davon, ob sie Angst vor den Reptilien hatten oder nicht.
LoBue und DeLoache schließen daraus, dass es, wie zuvor bereits vermutet, eine Art Angstmodul im Gehirn geben könnte - ein neurales System, das speziell auf Reize reagiert, die eine Lebensbedrohung darstellen können.
Ihre Kollegin Lynne Isbell von der University of California in Davis hatte bereits 2006 sogar die Vermutung aufgestellt, dass die frühen Säugetiere ihre visuelle Wahrnehmung gerade an die Bedrohung durch Schlangen angepasst hätten. Die ersten Primaten hätten diese Fähigkeiten noch weiterentwickelt.
Schnelle Wahrnehmung
Die Forscher der University of Virginia wollen nicht ganz so weit gehen. Sie vermuten lediglich, dass bereits ganz kleine Kinder eine besondere Fähigkeit besitzen, Schlangen besonders schnell als Gefahr zu akzeptieren - sei es aufgrund eigener Erfahrungen oder beobachteter Reaktionen von Erwachsenen auf Tiere. Das Gleiche würde auch für Spinnen gelten. Und übrigens auch für wütende Gesichter, wie einige Wissenschaftler anhand von Studien zeigen konnten.
Helena Purkis von der University of Queensland im australischen Brisbane sieht das ähnlich. Schließlich lassen sich die emotionalen Reaktionen vieler Menschen, die Angst, der Ekel, die Phobien, nicht allein durch die besonders schnelle Wahrnehmung potentiell gefährlicher Tiere erklären. Ein Widerspruch ist auch, dass es ja etliche Menschen gibt, die sogar ein Faible für die Kriech- und Krabbeltiere haben.
"Die Leute bekommen eine Menge negative Informationen über Schlangen und Spinnen", erklärte Purkis dem Nachrichtenmagazin ScienceDaily. "Wir vermuten, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere Phobien auslösen."
Wer sich demnach Sorgen um seinen Nachwuchs macht, kann sich zum einen darauf verlassen, dass die Kleinen die Schlangen und Spinnen wahrnehmen. Man sollte sie darauf hinweisen, dass die Tiere normalerweise harmlos, manche aber auch gefährlich sein können. Und dass die Kinder gar Phobien entwickeln, lässt sich vielleicht vermeiden, indem man darauf verzichtet, selbst laut schreiend das Weite zu suchen.
Die Wirkung, die diese Reaktion auf Kinder haben kann, lässt sich übrigens auch am Beispiel eines anderen Tieres zeigen. So kennt der Autor einen Fall, bei dem ein kleines Mädchen mit Freude eine Hausmaus in der Küche beobachtet hatte. Dann kam die Mutter herein und bekam einen hysterischen Schreianfall. Noch als junge Frau war die Tochter nicht in der Lage, sich in einem Raum aufzuhalten, in dem sich ein Käfig mit Tanzmäusen befand.
(sueddeutsche.de/gf)
WIE? Gibt es in Schottland etwa geflügelte Schafe fragt ...
Kuni
'...aufrechten Stand oder Gang des Schafes...' - trifft nicht auf schottische Schafe zu.
Erstaunlich, was für seltsame Fragen Forscher stellen; dabei sind analoge Versuche mit anderen Tieren schon längst zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen. Zunächst zu der vorliegenden Frage:
Gerade Spinnen gehören zu den ältesten Landtieren. Sie leben seit ca. 350 Mio. Jahren auf der Erde und gehören damit für alle in jener Zeit lebenden Geschöpfe entsprechender Größe zu den Fressfeinden. Die Silhouette eine Spinne ist charakteristisch und hat sich im Stammhirn als Proteinkomplex (Silhouette Spinne, weglaufen sonst tot) eingenistet. Diese Konditionierung ist für den Menschen zwar, wie im Bericht dargestellt, in den meisten Fällen ungefährlich, stört aber im Wesentlichen auch nicht, gebiert Vorsicht, Abwehr und daraus folgend als initialen Fluchtantrieb, Ekel.
In den 80-ger Jahren hatte man z.B. bei Schafen mittels feinster Elektroden die EINE Neurone detektiert, von der aus beim Anblick eines Wolfgesichtes Kaskaden neuronaler Aktivität ausging, die Fluchtverhalten, Panik etc. pp. auslösten. Das Wolfsgesicht konnte bis auf ein Piktogramm bei gleicher Reaktion vereinfacht werden. Wurde das Gesicht auf den Kopf gestellt, erfolgte keine Reaktion, was wiederum wohl einen Hinweis auf den ständigen aufrechten Stand oder Gang des Schafes liefert.
Damit kann ein Angstmodul weitestgehend ausgeschlossen werden; es ist vielmehr davon auszugehen, das gewisse archaische Fressfeinde in der Stammesgeschichte der Menschen, also der Säugetiere, auf den Genen codiert sind, die sich bis in die Gegenwart erhalten haben. Man kann ebenfalls versuche mit Insekten anstellen (wer sie anfassen mag), die recht aufschlussreich sind: So beobachtet man z.B., dass eine Spinne, die einen Ohrenkneifer in ihrem Netz einfängt (muss man schon ins Netz werfen, weil er freiwillig nicht hineingeht), sich diesem nur mit äußerster Vorsicht nähert, denn dieser ist für die Spinne ein Fressfeind. Eine Wespe wird von einer Spinne ebenfalls mit größter Vorsicht behandelt.
Es ist kaum davon auszugehen, dass JEDE Spinne dieses Verhalten aus Erfahrung lernt; näherliegend ist, dass es im genetischen Code Schablonen gibt, die schematisiert die gefährlichen Mitgeschöpfe chemisch abbilden und im geeigneten Augenblick sofort abrufbar sind.
Psychologen gerieren sich in diesem Forschungsfeld zu Schwätzern und sollten sich mit den biologischen Grundlagen der Gefahrenerkennung befassen, keine Hypothesen veröffentlichen, die durch die Forschung schon längst geklärt sind meint
Kuni