Anhörung im Bundestag Fracking-Regelwerk mit Schlupflöchern

Eine Fracking-Anlage in North Dakota.

(Foto: Shannon Stapleton/Reuters)
  • Die umstrittene Bohrtechnik Fracking soll nach Plänen der Bundesregierung per Gesetz geregelt werden. Im Umweltausschuss des Bundestages werden sieben Fachleute angehört.
  • Mit Fracking haben Unternehmen in den USA einen Gasboom ausgelöst, es gibt aber auch viele Berichte über verseuchte Trinkwasser-Brunnen.
  • In Deutschland soll Fracking deshalb großteils verboten werden, Probebohrungen sollen erlaubt bleiben. Eine Expertenkommission soll über die Bohrungen mehrheitlich entscheiden - daran entzündet sich Kritik.
Von Christopher Schrader, Berlin

Ginge es nur nach der Meinung der anwesenden Experten, stünde es 4:3 für das Fracking. Die umstrittene Bohrtechnik soll nach Plänen der Bundesregierung per Gesetz geregelt werden, und im Rahmen der parlamentarischen Beratung hatte der Umweltausschuss des Bundestages am Montag sieben Fachleute zur Anhörung eingeladen.

Drei kamen von Umweltorganisationen und sagten "Nein" zu Entwurf und Technik. Fracking berge "eine ganze Reihe von Risiken, deren Beherrschbarkeit noch nicht gewährleistet ist", stellte Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe fest.

Drei weitere Experten vertraten Wasserwirtschaft und kommunale Unternehmen, und der siebente die Wissenschaft; ihre Antwort war: Ja, aber. "Die Gewinnung von Erdgas aus konventionellen Lagerstätten muss weiter möglich sein, die aus unkonventionellen ermöglicht werden, sofern Umwelt- und Sicherheitsfragen dem nicht entgegenstehen", erklärte zum Beispiel Martin Weyand vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Berichte über verseuchtes Trinkwasser

Das Fracking ist eine Technik, um unterirdische Risse zu erzeugen, oft in Schiefergestein. Dazu wird zunächst der Drill bei einer Bohrung in der Tiefe in die Horizontale geschwenkt. Aus den so entstandenen Schächten wird Wasser mit etwas Sand und chemischen Additiven ins Gestein gepresst, um Wegbarkeiten zu schaffen, durch die in Poren eingeschlossenes Erdgas zum Förderschacht strömen kann.

Mit dieser Technik haben Unternehmen in den USA geradezu einen Gasboom ausgelöst. Aber aus den betroffenen Bundesstaaten gibt es auch viele Berichte über verseuchte Trinkwasser-Brunnen. Laut einem aktuellen Bericht der amerikanischen Umweltbehörde EPA handelt es sich dabei um Einzelfälle; es gebe keinen "systematischen Einfluss auf die Wasserressourcen". Allerdings kann das Amt auch nicht ausschließen, dass es die Zahl der Fälle unterschätzt, weil es nicht genügend Daten aus der Zeit vor Beginn der Bohrungen gibt.

Unter diesem Eindruck wollte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ein "Fracking-Verhinderungsgesetz, mindestens aber ein Fracking-Einschränkungsgesetz" vorschlagen. Demnach soll das Verfahren in sensiblen Gebieten der Trinkwasserversorgung grundsätzlich und in Tiefen bis zu 3000 Metern großteils verboten werden. Probebohrungen zu Forschungszwecken bleiben aber erlaubt. Darüber soll eine speziell gebildete Expertenkommission mehrheitlich entscheiden.