Forschungspolitik Kopernikus' Energiewende

400 Millionen Euro für vier Langzeit-Projekte: Die Bundesregierung lässt grüne Technik untersuchen, darunter Energiespeicher.

Von Michael Bauchmüller

Als der Astronom Nikolaus Kopernikus den Gang der Planeten untersuchte, da war alle Energie noch grün. Für mechanische Energie sorgten, wenn überhaupt, Wind- und Wasserräder, geheizt wurde mit Holz, und für die Fortbewegung garantierte der Hafer der Pferde. Dass er einmal für eine Rückkehr zur grünen Energie stehen sollte, hätte sich der Astronom im frühen 16. Jahrhundert sicher nicht träumen lassen. Seit diesem Donnerstag aber steht er Pate für die "Kopernikus-Projekte" des Bundesforschungsministeriums zur Erforschung der Energiewende. Kopernikus sei Symbol für eine Veränderung der Welt, sagt Ministerin Johanna Wanka (CDU). Und bei der Energiewende gehe es letztlich um nichts anderes. Weshalb ihr Ministerium nun einiges Geld in deren Erforschung investieren will - und einen langen Atem.

Insgesamt 400 Millionen Euro will das Ministerium bis 2025 in vier Projekte stecken. Sie sollen klären, wie eine nahezu vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien funktionieren kann. "Die Energiewende kann nur bewerkstelligt werden, wenn die Wissenschaft Antworten liefert", sagt Wanka. Schließlich habe "noch niemand auf der Welt geschafft, was wir beabsichtigen". So sollen Forscher-Konsortien der Frage nachgehen, wie sich überschüssiger Strom am klügsten speichern lässt, welches Netzsystem nötig ist und wie ein künftiger Energiemix aussehen kann. Ein viertes Projekt widmet sich der Frage, wie sich die Energienachfrage der Industrie flexibler auf das schwankende Ökostrom-Angebot abstimmen lässt. Bis 2018 sollen zunächst jährlich zehn Millionen Euro für jedes der vier Projekte bereitstehen.

Die Projekte sollen dabei nicht nur naturwissenschaftlichen, sondern auch gesellschaftlichen Fragen nachgehen, etwa der Akzeptanz. Manche Projekte der Energiewende, etwa Strommasten, stoßen schließlich auf erbitterten Widerstand. Im Vordergrund stehe der "systemische, ganzheitliche Ansatz", heißt es in der Ausschreibung. "Unsere Aufgabe ist es, Optionen zu entwickeln", sagt Robert Schlögl vom Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion, einer der Väter der Idee. "Es wird nicht eine Lösung geben, sondern mehrere."