Von T. Baier

Wollen Sie Ihr Leben genießen? Dann sollten sie sich mit Menschen umgeben, die ein sonniges Gemüt haben. Denn Glück kann sich ausbreiten wie eine Epidemie.

Glück ist offenbar ansteckend wie Schnupfen. Ein zufriedener Mensch macht Freunde, Verwandte und sogar Nachbarn glücklich. Selbst Personen, die ihn nur über mehrere Ecken kennen, könnten profitieren, berichten James Fowler von der University of California in San Diego und Nicholas Christakis von der Harvard University im British Medical Journal (online).

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Umgeben von glücklichen Menschen lebt es sich offenbar glücklicher. (© Foto: iStock)

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Die beiden Soziologen werteten Daten einer großen Studie aus, in der mehr als 5000 Erwachsene über einen Zeitraum von 20 Jahren begleitet und regelmäßig zu verschiedensten Themen befragt worden waren.

Mit Hilfe von Angaben zu Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen, Wohn- und Arbeitsplatz konstruierten die Wissenschaftler ein "soziales Netzwerk", aus dem hervorgeht, in welcher Beziehung jeder Studienteilnehmer zu den anderen steht. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass 45 Prozent der Probanden mit einer Person befreundet waren, die auch an der Studie teilnahm.

Um herauszufinden, wie zufrieden die Probanden waren, werteten Fowler und Christakis Antworten auf Fragen aus wie: "Wie oft haben sie in der vergangenen Woche das Leben genossen?" Dabei stellten sie fest, dass es innerhalb des Netzwerks Anhäufungen von glücklichen Menschen gab, die zu groß waren, um zufällig zu sein.

Beglückende Nachbarn

Mit Hilfe statistischer Methoden berechneten die Soziologen, ob und wie stark das Glück einer Person die anderen Menschen im Netzwerk beeinflusst. Demnach erhöht ein glücklicher Freund die Chance eines Menschen, ebenfalls glücklich zu sein um 25 Prozent, ein glücklicher Ehepartner um acht Prozent, ein glücklicher Bruder oder eine glückliche Schwester um 14 Prozent.

Freunde um drei Ecken (der Freund eines Freunds eines Freunds) hatten immerhin noch einen Einfluss von 5,6 Prozent. Direkte Nachbarn beglücken einen Menschen sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 34 Prozent.

Fowler und Christakis stellen auch Vermutungen darüber an, wie sich Glück übertragen könnte. Möglicherweise seien zufriedene Menschen anderen gegenüber hilfsbereiter und großzügiger als unzufriedene. Kollegen der beiden Wissenschaftler beurteilen die Studie in Kommentaren in der gleichen Ausgabe des British Medical Journal als handwerklich geschickt und sogar als "bahnbrechend", weisen aber auch auf Schwächen hin.

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(SZ vom 06.12.2008/gal)