Ein Kommentar von Patrick Illinger

Na also, es geht doch - zwei Nobelpreise erhalten deutsche Forscher in diesem Jahr und zeigen, dass die hiesige Forschungslandschaft besser ist, als oft behauptet. Ein Lackmustest für das System sind die Preise allerdings nicht.

Noch während die Bundesforschungsministerin Annette Schavan den frisch gekürten Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg in Berlin der Öffentlichkeit präsentierte, erreichte einen zweiten deutschen Forscher der Anruf von der Königlich-Schwedischen Akademie in Stockholm. Gerhard Ertl ist der Chemie-Nobelpreisträger 2007.

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Nun sind gleich zwei deutsche Naturwissenschaftler unter den Preisträgern dieses Jahres. Das liegt nicht nur weit über dem langjährigen Durchschnitt, es ist für die chronisch von Selbstzweifeln geplagte Forschungsnation Deutschland eine Sensation.

Ist ein Wunder geschehen? Hat sich Deutschland plötzlich von einem Land der abwandernden Schlauköpfe in ein Zentrum der Spitzenforschung verwandelt? Wurden in den vergangenen Jahren nicht vor allem Wissenschaftler ausgezeichnet, die zwar in Deutschland ausgebildet wurden, aber ihre Arbeit in anderen Teilen der Erde, zumeist den USA, fortsetzten?

Na also, es geht doch - das ist nun sicherlich die gute und wichtige Nachricht an alle in Deutschland tätigen Forscher. In Peter Grünberg und Gerhard Ertl werden zwei großartige Wissenschaftler geehrt, die ihre Entdeckungen in traditionsreichen deutschen Instituten machten. Dass nun Politiker und Forschungsorganisationen versuchen, einen Teil der Strahlkraft der schwedischen Ehrung für ihre eigenen Belange zu verwerten, ist nur ein lästiger und erwartbarer Nebeneffekt.

Zum Lackmustest für den aktuellen Zustand eines Wissenschaftssystems darf der Nobelpreis - und dürfen auch zwei Nobelpreise - aber nicht erhöht werden. Seit vielen Jahren schon erfüllen die Juroren in Schweden nicht mehr den testamentarischen Willen des Stifters Alfred Nobel. Der wollte die größte Leistung des jeweils vergangenen Jahres gewürdigt wissen.

Peter Grünberg erreichte seinen Durchbruch in der Magnettechnik vor knapp 20 Jahren, und die ausgezeichneten Arbeiten des 71-jährigen Chemikers Gerhard Ertl begannen schon in den sechziger Jahren. Wohlgemerkt: Beide haben den Preis verdient, aber eben schon seit langer Zeit. Grünberg zum Beispiel hat fast jeden Wissenschaftspreis erhalten, der in seinem Fach zu bekommen ist, bevor sich die Akademie in Stockholm dazu entschloss, ihre Ehrung hinzuzufügen.

Der Nobelpreis hat in der Öffentlichkeit ein so hohes Ansehen gewonnen, dass sich das Stockholmer Nobel-Komitee längst in einer Zwangslage befindet. In den naturwissenschaftlichen Disziplinen geht es bei der Auswahl der Laureaten praktisch nur noch darum, das Ansehen des Preises nicht zu beschädigen. Den aktuellen Zustand eines Wissenschaftssystems kann man daran nicht messen.

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