"Das Ding fliegt super"

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Hamburger Ingenieure entwerfen bereits erste Sitzpläne für Nurflügler. (© Grafik: HAW Hamburg)

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Und das, obwohl Nurflügler bei Flugzeugentwicklern den Ruf haben, instabil und folglich schwer beherrschbar zu sein. Es gibt derzeit eine einzige Militärmaschine, die auf das Nurflügel-Prinzip setzt, und diese lässt sich nur mit Hilfe mehrerer Computer steuern.

Für das kleine Vela-Modell, das - kritisch beäugt von den Männern im Tower des Heeresflughafens - zuverlässig seine Runden dreht, gilt das nicht. "Das Ding fliegt super und verhält sich in der Luft einwandfrei", sagt Pilot Peter Neukom, der viele Jahre Erfahrung mit Jet-Modellen hat. Bloß bei der Landung hat der Schweizer unerwartete Probleme.

Zwar setzt er die Maschine sanft auf der Landebahn auf, und die Nase senkt sich - aber dann zieht das Gerät urplötzlich noch mal hoch. Nach einigen kleinen, für echte Passagiere nicht unbedingt angenehmen Hüpfern landet Vela 2 dann doch sicher. Die pneumatischen Bremsen erledigen den Rest.

Zwei bis drei weitere Testflüge plant Voit-Nitschmann noch. Dann sollen die Daten ausgewertet werden. Es gilt, die richtigen Formeln zu finden, um die Erkenntnisse aus den Modell-Flügen auf die ausgewachsene Originalversion umzurechnen. "Wenn uns das gelingt, ist ein großer Meilenstein in der Erforschung von Nurflüglern erreicht", sagt der Stuttgarter Professor für Flugzeugbau.

Aber nicht nur die aerodynamischen Details sind nicht endgültig gelöst, auch praktische Herausforderungen lauern noch. Die Kabine herkömmlicher Flugzeuge lässt sich ohne große physikalische Probleme unter Druck setzen - aufgrund der zylindrischen Form verteilen sich die Belastungen gleichförmig. Bei den unregelmäßigen Rundungen eines Nurflüglers dürfte es deutlich schwerer werden, in 10.000 Meter Höhe ein für Menschen erträglichen Luftdruck aufzubauen.

Unklar ist auch, wie Passagiere auf das völlig neue Fluggefühl reagieren werden. Bei Sitzreihen mit 40 Plätzen sind Fenster Mangelware; Fluggäste im Innern des Riesenvogels werden stattdessen mit Ausblicken auf Video-Monitoren Vorlieb nehmen müssen. Und wer weit außen in den Flügeln sitzt, könnte in Kurven oder bei Turbulenzen ungeahnte Kräfte spüren, die sich möglicherweise direkt auf den Mageninhalt auswirken.

Doch womöglich werden derlei Nachteile irgendwie behoben werden. Seit knapp zehn Jahren beschäftigt sich jedenfalls Airbus, genauso wie der US-Konkurrent Boeing und das Massachusetts Institute of Technology bei Boston, mit Nurflüglern. "Es kann schon sein, dass Nurflügler niemals gebaut werden", sagt Rudolf Voit-Nitschmann und blickt in den Himmel, "aber vielleicht sehen wir gerade den Airbus, der im Jahr 2030 fliegen wird."

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(SZ vom 01.07.2008/mcs)