Europas Fischereiminister haben in Brüssel die Fangquoten für Nordsee und Atlantik ausgehandelt. Fischer jubeln, Umweltschützer beklagen einen "Rückfall in dunkle Zeiten".
Am Ende eines langen Tages jubeln die Fischer, die Umweltschützer aber sind skeptisch und die Minister nur noch müde. 18 Stunden lang hatten Europas Fischereiminister in Brüssel getagt und bis in den frühen Samstagmorgen um Fangquoten für Nordsee und Atlantik gefeilscht. Besonders glücklich sind die deutschen Nordseefischer.
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Während Kabeljau vor der Küste Westschottlands gar nicht mehr gefangen werden darf, ist bei Schellfisch und Scholle wieder mehr erlaubt. (© dpa)
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Sie dürfen 2012 mehr als doppelt so viel Hering in ihren Netzen nach Hause bringen - die Fangquote für diesen Fisch liegt 140 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Als "Rückfall in dunkle Zeiten" bezeichnet dagegen die Naturschutzorganisation WWF den Quotenbeschluss.
Das alljährliche Ritual des Aushandelns von Fischfangquoten gehört zu den schwierigsten Ministertreffen. Wenn um Kabeljau, Scholle und Seelachs gerungen wird, kochen die Gemüter hoch. Die Minister wollen die heimische Fischerei schonen, die Kommission dagegen hat auch das ökologische Gleichgewicht der Meere und den Fortbestand der Tiere im Auge.
Prinzipiell geht es seit Jahren darum, die Menge an Fisch in den Netzen zu verringern. Denn Europas Meere gelten zu mindestens zwei Dritteln als überfischt. Brüssel will das Leerfischen der Gewässer stoppen und hat daher vorgeschlagen, die jährlichen Quoten durch langfristige Bewirtschaftungspläne zu ersetzen. Diese Reform ist jedoch noch nicht in Kraft.
Auch für 2012 wollte die Kommission die Fischfangquoten kürzen - doch die Minister beschlossen am Ende geringere Abschläge als geplant. Zwar dürfen die Nordseefischer 15 Prozent weniger Seelachs und vor der Küste Westschottlands gar keinen Kabeljau mehr fangen.
Bei Schellfisch und Scholle aber ist wieder mehr erlaubt - vor allem deutsche Fischer können mit einem Plus von 63 beziehungsweise 15 Prozent rechnen. Auch Spaniens Fischer dürfen mehr als doppelt so viel Seeteufel und fünfmal so viel Blauen Merlan aus dem Wasser holen als noch im vergangenen Jahr.
Vom bevorstehenden Heringsboom waren sogar Schleswig-Holsteins Fischer überrascht. Die Erhöhung sei gewaltig, sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbands, 100 Prozent hätten es auch getan. Zwar haben sich die Bestände erholt.
Doch der WWF warnt davor, auf kurzfristige Erholungen zu reagieren, Bestände müssten langfristig gemanagt werden. Darüber hätten sich die Minister hinweggesetzt. Dass es etwa wieder mehr Scholle gibt, liege nur am teuren Sprit - die Fischer seien den Tieren nicht in küstenferne Gewässer gefolgt. Eine dauerhafte Erholung sei das nicht.
Auch Europas oberste Rechnungsprüfer rügen die Fischereipolitik. Allein 4,3 Milliarden Euro sind im EU-Haushalt von 2007 bis 2013 eingeplant, um die Fischereiflotten an die Kapazitäten anzupassen. "Unbefriedigend" sei die Umsetzung des milliardenschweren Programms, kritisiert ein gerade erschienener Prüfbericht. Anders gesagt: Die EU-Mitglieder halten sich nicht an die Vorgaben aus Brüssel, weniger zu fischen.
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(SZ vom 19.12.2011/mcs)
Unsere Fischer wollen Leben. Und zwar gut. Dass ein Schutz unserer Seegebiete ihre Existenz langfristig sichert, begreifen sie nicht. Oder wollen sie nicht begreifen.
Schliesslich müssen ja die Prepelbuden am alten Strom in Warnemünde immer mit Nachschub versorgt werden.
Derweil werden die Seezungen, die man im Restaurant und beim Fischhändler angeboten bekommt, immer kleiner. Eigentlich sollte man deren Fischer wg. Entführung Minderjähriger anzeigen.
Und dem Mittelmeer, hilft vermutlich nur ein komplettes Fangverbot. Für die nächsten fünf Jahre.
wie lange die Fischer jubeln...
ja und dann gibt es noch die ganz Schlauen, die behaupten, die steigende Weltbevölkerung zu ernähren, wäre gar kein Problem bei einer sogenannten "intelligenten Nutzung" der Ressourcen. Mann da kann einem doch der Hut hochgehen, bei so viel Ignoranz und Dummheit. Genauso wie immer noch sehr viele Menschen glauben, daß Billigstlebensmittel ihren ernährungstechnischen Sinn erfüllen. Wann kapieren die Leute endlich, daß wir für alle billigen Lebensmittel und auch andere Billigprodukte bald schon einen sehr hohen Preis zahlen werden.
Zitat: "Hey, sollen wir verhungern?"
Wenn wir stetig mehr Fische fangen und sich die Bestände dadurch stetig verkleinern - so ist das in der Praxis - dann werden wir unweigerlich irgendwann an dem Punkt ankommen, wo wir kaum noch Nahrung aus dem Meer holen können. Daraus drängt sich unweigerlich die Dummheit ihres Statements auf. Offenbar ist der Gedanke des nachhaltigen Wirtschaftens einer, der sich dem modernen Menschen in seiner Arroganz nicht (mehr) erschließt.
"konsum verweigern!
..hört endlich auf, billigen dosenfisch in den discountern zu kaufen ! ...die einzige waffe, die uns bürgern noch bleibt im prozess der ressourcenvernichtung ist, die "nachfrage" zu steuern und somit das "angebot" ! "
Leider ist das eben nicht durch den Einzelnen machbar. Das ist fast genauso, als würde der einzelne Arbeiter bedacht sein, Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen, aber gleichwohl muss genau dieser Arbeiter Überstunden des Überlebens willen in der Alufabrik (beispielhaft) schieben, wobei seine Arbeit ja gerade den Energieverbrauch hochtreibt.
Nein, so eine Lösung ist nur politisch durch gesellschaftlichen Konsens durchsetzbar - leider aber nicht mit unserem Lobbyisten-Politsystem und den daraus hervorgehenden Politikern. Eine Lösung kann nur durch Demokratie erschaffen werden - mit Grundsatzentscheidungen durchs Volk.
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