Von Bernadette Calonego

Vielleicht erholt sich der Pazifik-Lachs wieder - vielleicht auch nicht. Immerhin hat kanadische Regierung die kommerzielle Fischerei stark eingeschränkt.

Für den Lachs setzt Micky Jay alles auf eine Karte. Der kanadische Fischer packt im Hafen von Gibsons Lebensmittel auf sein Boot. Am folgenden Tag will er sich auf den Weg in die nördlichen Gewässer der Provinz British Columbia machen. Er hofft, dass die Regierung in Ottawa den Fischern für einige Tage erlaubt, dort oben Lachse zu fangen. "Vielleicht kriegen wir fünf Tage, aber wir wissen es noch nicht", sagt er.

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Einst schwammen Abertausende Rotlachse die Flüsse im Westen Kanadas stromaufwärts, um dort abzulaichen. (© Foto: AP)

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Die kanadische Regierung hat die kommerzielle Fischerei stark eingeschränkt, weil die wilden Lachsbestände an Kanadas Westküste dramatisch zurückgegangen sind. Experten bezweifeln, dass sie sich jemals wieder vollständig erholen werden.

Im vergangenen Jahr durften die Fischer nur während fünf Tagen ihrem Gewerbe nachgehen. "Ich habe 7000 Dollar verloren", sagt Jay, was etwa 4500 Euro entspricht. Trotzdem will er nochmals das Risiko eingehen und mit seinem 60 Jahre alten Boot in vier Tagen Richtung Norden nach Prince Rupert fahren. Allein der Treibstoff für die Reise kostet mehr als 2500 Euro.

In guten Jahren, bevor der Niedergang des Pazifik-Lachses begann, hat Jay jährlich bis zu 20.000 Fische gefangen. Vor acht Jahren, als die Fischerei während der ganzen Fangsaison nur 48 Stunden lang erlaubt war, kam er mit elf Rotlachsen nach Hause. "Das war meine Ernte für das ganze Jahr", sagt der 70-jährige Fischer.

In Gibsons, zwei Stunden von Vancouver entfernt, kann keiner der 3900 Einwohner mehr vom Lachs leben. Früher lagen 30 Fischerboote im Hafen. Heute seien es noch drei, sagt Micky Jay. Der wilde Pazifik-Lachs, den es einst im Überfluss gab, ist zur Mangelware geworden.

Mit radikalen Maßnahmen will das Fischereiministerium verhindern, dass sich die biologische und wirtschaftliche Katastrophe wiederholt, die vor einigen Jahren mit dem Kabeljau im Osten Kanadas passierte. An der Ostküste wurden die früher unermesslichen Kabeljau-Bestände komplett zerstört. Von den frühen 1980er Jahren bis zum Jahr 2001 fiel die Kabeljau-Population dort wegen Überfischung um 99,9 Prozent. Etwa 40.000 Menschen verloren ihre Arbeit.

Der Lachs könnte ebenfalls untergehen. Noch 1979 stammten 15 Prozent des weltweiten Lachsfangs aus British Columbia, 1999 war es nur noch ein Prozent. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 19.953 Tonnen Lachs gefangen. Vor 20 Jahren waren es noch 113.000 Tonnen, fast sechsmal so viel.

Indianer sollen verzichten

Die wenigen Tage, während denen die kanadische Regierung das kommerzielle Lachsfischen freigibt, werden kurzfristig übers Radio oder das Internet angekündigt. Die Fischer haben kaum Zeit, sich vorzubereiten. Leben kann man von diesem Gewerbe nicht mehr, sagt Micky Jay. "Im vergangenen Jahr habe ich zehn Cent für ein Pfund Keta-Lachs bekommen, das macht etwa drei Dollar für den ganzen Fisch."

Im Laden werde der Fisch für das Zehnfache verkauft. Als Jay sein Boot Gary-Al 1962 kaufte, durften die Fischer noch so viel Lachs aus dem Pazifik holen, wie sie wollten. Mitte der 1990er-Jahre änderte sich alles. Von da an mussten die Fischer auch eine Lizenz von der Regierung kaufen.

Vielleicht beenden die Behörden die Lachsfischerei in diesem Jahr ganz. "Und selbst wenn sie für einige Tage offen ist, heißt das noch nicht, dass ich einen Lachs fangen werde", sagt Jay. Sein Sohn Sam hat die Fischerei nach 14 Jahren aufgegeben und arbeitet jetzt auf der Autofähre. "Er hat keine Zukunft mehr gesehen", sagt sein Vater, der mit seiner Frau Katie weitermacht: "Für mich ist es mehr als ein Beruf, es ist ein Lebensstil."

Die Behörden bitten sogar die Indianer, das Lachsfischen einzuschränken, sagt der Abgeordnete Robin Austin von der linken NDP: "Das bedeutet, dass wir wirklich im Schlamassel stecken."

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