Falsche Horoskope 2012 Von Papst-Flucht, Fluten und Zeitreisen

Es klappt einfach nicht: Auch mit ihren Vorhersagen für 2012 lagen die Wahrsager, Astrologen und Hellseher wieder daneben.

(Foto: dpa)

Astrologen und Hellseher hatten für 2012 weitgehende politische Veränderungen, furchtbare Umweltkatastrophen, Kriege, das Ende des Euro und den Tod des Papstes vorhergesagt - und lagen wieder völlig falsch. Aber vielleicht klappt ja ein Blick ins Jahr 2013.

Von Markus C. Schulte von Drach

Eine Million Euro - diese Summe kann jede Wahrsagerin und jeder Hellseher kassieren, einfach indem sie oder er einfach einen ordentlichen Job macht. Das Geld wollen europäische Skeptiker-Organisationen demjenigen zahlen, der beweist, dass es paranormale Phänomene gibt. Das reicht vom Wünschelrutengehen über das Lesen von Gedanken und eben dem Vorhersagen zukünftiger Ereignisse. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Leistung unter kontrollierten Bedingungen stattfindet und ein zufälliges Gelingen ausgeschlossen ist.

Dass gerade Hellseher und Wahrsager sich hier kaum melden, provoziert zu dem paradoxen Gedankenspiel, dass sie ihr eigenes Scheitern vorhersehen. Dazu aber braucht es keine übersinnlichen Fähigkeiten. Dazu genügen der gesunde Menschenverstand und ein Blick auf die Prognosen, die professionelle Weissager und Zukunftsdeuter für 2012 abgegeben hatten.

Michael Kunkel, Mathematiker aus Mainz, hat die Vorhersagen etlicher bekannter Vertreter der Wahrsagerzunft notiert - und dann mit dem abgeglichen, was tatsächlich in der Welt passiert ist. In fast allen Fällen waren die Prognosen falsch, wie er für die Gesellschaft zur Untersuchung parawissenschaftlicher Phänomene (GWUP) zusammengefasst hat.

Falsch lag etwa Kurt Allgeier, der in München sein Astro-Institut betreibt. Allgeier hatte für Ende Juni und Mitte Juli 2012 vor Naturkatastrophen gewarnt, die "wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben", zitiert Kunkel den Astrologen. Katastrophen gab es in diesem Jahr genug - zum Glück jedoch nicht solche, wie Allgeier vorherzusehen glaubte.

Genauso daneben lag Susanne Eder, die sich im Internet selbst als "charmanteste Astrostimme Österreichs" bewirbt. Bombenattentate, Terroranschläge, Flugzeugunfälle und anderen Katastrophen hätten sich ihr zufolge im Juli ereignen sollen.

Ebenfalls in Österreich arbeitet Rosalinde Haller, die nicht nur das Hellsehen, sondern auch das Hellhören beherrschen will. Sie hatte das Ende des Euro befürchtet und den Ausstieg einiger Länder aus der Eurozone - eine Prognose, die sie nun für 2013 recyclen kann. Auf ihrer Homepage ist auch jetzt noch zu lesen, dass ein "totaler Werte-Wandel" bevorsteht. Doch der muss im Geheimen stattgefunden haben. Aufgefallen ist er bislang jedenfalls niemanden.

Diktatorische Wirtschaftszentralregierung in Europa

"Politiker welche sich von den Mächtigen, die das Geld lenken, beherrschen lassen, werden zu Fall gebracht", hatte sie außerdem für 2012 erwartet. Dafür, dass sich volksnahe Vertreter herauskristallisieren und die Länder völlig neu leiten werden, gibt Haller der Welt noch Zeit bis 2018. Schön wäre es natürlich, wenn sie mit der Ankündigung recht hätte, dass dies "soziale Menschen sein" würden, "welche kaum Geld für ihre Tätigkeit nehmen/verlangen".

Eine auf verschiedenen Seiten im World Wide Web veröffentlichte Schreckensprognose gab Christiane Durer aus München ab. 2012, so kündigte sie an, werde sich unsere Welt "so drastisch verändern, wie wir es nicht für möglich halten.". Es stünden bevor: der Zerfall des Euro-Raums und des Euro, ein weltweiter Währungs- und Handelskrieg, die Entwertung des Dollar, Krieg um Ressourcen wie Wasser und Öl.

Mit ihrer Warnung vor Natur- und Umweltkatastrophen sowie Krankheiten lag Durer dagegen im Prinzip richtig - aber dafür braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten. Nützlich wäre es gewesen, wenn sie verraten hätte, was und wo geschehen würde. Doch der einzige Hinweis bestand darin, dass es zu einer Überschwemmung kommen sollte, nach der "nicht einmal mehr eine Kirchturmspitze aus dem Wasser herausschaut".

In Bezug auf die europäische Politik wagte sich Durer an konkretere Aussagen: "Etwa im Sommer 2012 wird man in Europa eine Wirtschafts-Zentralregierung einsetzen. Diese ist diktatorisch und totalitär. Alle EU-Staaten haben ihr als höchster Instanz zu gehorchen. Einige Länder treten daraufhin aus der EU aus." Man darf gespannt sein, was Frau Durer uns für 2013 ankündigen wird.