Fakten-Check Beschneidung Dient eine Beschneidung der Hygiene und der Gesundheit?

Diese Annahme scheint etwas für sich zu haben. Bei unzureichender Hygiene können sich unter der Vorhaut Keime ansammeln und die Gefahr von Infektionen oder der Übertragung von Krankheiten beim Sex erhöhen. Es wird diskutiert, ob die Beschneidung unter Juden und Muslimen ursprünglich aus Hygienegründen - insbesondere in trockenen Regionen - eingeführt und sekundär religiös begründet wurde. Unter Fachleuten herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, ob Jungen grundsätzlich beschnitten werden sollten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Beschneidung für Regionen mit hoher HIV-Infektionsgefahr, etwa in afrikanischen Ländern wie Kenia, Uganda und Südafrika. In den USA rät die Organisation der Kinderärzte (American Academy of Pediatrics) zur Beschneidung - unter anderem ebenfalls wegen der Erfahrungen mit HIV in Afrika. Aber auch das Risiko für Infektionen und Peniskrebs (Peniskarzinom) sei unter Unbeschnittenen höher.

In Europa und Australien wird sie dagegen nicht empfohlen - im Gegenteil: Es gibt heftigen Widerspruch gegen die Haltung der US-Kollegen. Dagegen betonen Ärzte hier eher, dass ein gesunder Körper nicht operiert werden sollte. (Eine Ausnahme ist zum Beispiel die Behandlung extrem abstehender Ohren.) Anstatt Kindern die Vorhaut zu entfernen, könnte man ihnen auch beibringen, sich oft und gut genug zu waschen.

Wer sich auf die WHO beruft, die die Beschneidung zur Vorbeugung von HIV-Infektionen empfiehlt, sollte berücksichtigen, dass diese Empfehlung sich ausschließlich auf das südliche und östliche Afrika bezieht. Grundlage der Empfehlung sind drei Studien aus Kenia, Südafrika und Uganda, die zeigen, dass die Operation dort die Infektionsgefahr senkt.

Auf der anderen Seite hat die Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) 2009 in einem Bericht von der Johns Hopkins University in Baltimore und einem anderen Institut, darauf hingewiesen, dass in nur acht von 18 untersuchten Ländern beschnittene Männer seltener mit HI-Viren infiziert waren als unbeschnittene. Diese waren Burkina Faso, Kambodscha, Elfenbeinküste, Äthiopien, Ghana, Indien, Kenia und Uganda. In den zehn anderen Ländern war es genau umgekehrt: In Kamerun, Guinea, Haiti, Lesotho, Malawi, Niger, Ruanda, Senegal, Tansania und Simbabwe ist der Anteil von HIV-Infizierten unter den beschnittenen Männern relativ gesehen höher. So eindeutig, wie es häufig dargestellt wird, ist der Zusammenhang demnach nicht.