Fakten-Check Beschneidung Kritik unter dem Deckmantel der Aufklärung?

Immer wieder wird den Kritikern vorgeworfen, sie würden sich für die Freiheit der Gesellschaft von Religion starkmachen. Auch sagte etwa der Theologe und UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeld, in der SZ, in der Diskussion um die Beschneidung würden sich Skepsis, Vorbehalte und Ressentiments gegen Juden und Muslime mit dem Deckmantel der Moderne und Aufklärung "tarnen".

Allerdings findet sich bei den Kritikern der Beschneidung immer und deutlich der Hinweis darauf, dass die Religionsfreiheit die Freiheit bedeutet, sich für eine Religion zu entscheiden und diese ausleben zu können - oder aber für ein Leben frei von Religion. Durch die religiöse Beschneidung trägt der Betroffene ein körperliches, unveränderliches Merkmal, ohne die Möglichkeit einer eigenen Entscheidung gehabt zu haben. Das gilt nicht nur für jüdische Jungen, die mit acht Tagen beschnitten werden, sondern sicher auch für Muslime, denen meist noch vor der Pubertät ein großer Teil der Vorhaut entfernt wird.

Die Beschneidungskritiker fordern also eigentlich nichts Neues ein, sondern lediglich, dass die Früchte der Aufklärung, die sich in unseren Gesetzen niedergeschlagen haben, für alle gelten müssen - auch für die Kinder religiöser Eltern. Errungenschaften wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit sollen niemandem vorenthalten werden. Auch nicht einem Kind.