Das Fahrverbot für abgasreiche Autos hat bisher wenig gebracht, denn viele Städte lassen die Stinker weiterhin zu. Nun droht die EU mit Strafgeld.
Der Name Neckartor in Stuttgart klingt ein wenig so, als ob dahinter gleich der Fluss beginnt, von dem Friedrich Hölderlin einst dichtete: "In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf. Zum Leben, deine Wellen umspielten mich." Zum Neckar sind es vom Tor aber noch ein paar Kilometer, und das Einzige, was einen hier umspielt sind die Abgase von Tausenden Autos, die sich jeden Tag am Neckartor vorbeischieben.
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In mehr als 30 deutschen Städten gibt es sie bereits: die Umweltzone. Viel gebracht hat sie bisher nicht. (© Foto: dpa)
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Das Neckartor ist nicht beschaulich, es ist einer der dreckigsten Orte des Landes, jedes Jahr werden hier die höchsten Feinstaubwerte Deutschlands gemessen, 2006 wurde der EU-Grenzwert fast an jedem zweiten Tag überschritten, auch dieses Jahr schon wieder 80-mal - und das obwohl es in Stuttgart seit März 2008 eine Umweltzone gibt. Gebracht hat dies bisher nicht viel, wie auch in anderen Städten Deutschlands.
Bisher brachten die Umweltzonen wenig
Um etwa drei Prozent gingen die Feinstaub-Werte in Großstädten wie Stuttgart und Berlin zurück. Für die einen ist es der Beweis, dass die Umweltzonen zwar einen großen bürokratischen Aufwand erfordern, aber nichts bringen. "Die Umweltzone wirbelt nur Staub auf", sagt der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer in Tübingen. Die Befürworter glauben jedoch, der große Durchbruch bei der Reduzierung von Schadstoffen komme erst noch, stehe unmittelbar bevor.
"In der nächsten Stufe der Umweltzonen erwarten wir Reduktionen bis zu zehn Prozent", sagt Werner Reh, Referent beim BUND. Die nächste Stufe der Umweltzonen beginnt am 1.1.2010 wenn mehrere Städte die Fahrverbote verschärfen. In Berlin und Hannover dürfen dann nur noch Autos mit der grünen Plakette einfahren. Bremen und Frankfurt sperren die roten Plaketten aus, Stuttgart will die Stinker eineinhalb Jahre früher als geplant aus dem Verkehr ziehen. Und in Leipzig, das sich wie viele Städte im Osten lange gegen eine Umweltzone gesperrt hatte, wird nun auch mit Hochdruck an Fahrverboten gearbeitet.
Nun macht die EU Druck
Ganz freiwillig geschieht das alles nicht. Die Städte reagieren auf die Klagen von Bürgern und drohende Sanktionen der EU. In Stuttgart hat das Verwaltungsgericht festgestellt, dass die Stadt verpflichtet ist, mehr gegen Feinstaub zu unternehmen und ein Zwangsgeld angedroht. Andere Städte befürchten ähnliche Klagen, der BUND unterstützt Verfahren, mit denen festgestellt werden soll, dass Umweltaktionspläne zu langsam umgesetzt werden.
Und schließlich droht auch Zwangsgeld der EU. Berlin hat an der Frankfurter Allee schon wieder mehr als 35-mal den Grenzwert überschritten und muss nun bei der EU eine Ausbaugenehmigung beantragten, sonst könnten Strafen von bis zu 400000 Euro für jeden Überschreitungstag fällig werden. Und dennoch werden wohl auch in diesem Jahr die Grenzwerte an 40 Orten in Deutschland überschritten. Lohnt sich also der Aufwand?
Boris Palmer hält die Umweltzonen für den falschen Weg. "Es gibt in zu vielen Städten Tausende Ausnahmeregelungen", sagt Palmer. In Tübingen ist man relativ streng, 20 Prozent der Fahrzeuge dürfen nicht mehr in die Innenstadt, dafür in die Nachbarstädte, obwohl sie da ja nicht weniger Dreck machen. Das sei ungerecht, sagt Palmer. "Die Frage ist doch: Soll man nicht besser nur die Fahrzeugtechnik verbessern, dafür mehr Anreize schaffen, anstatt Fahrverbote für Innenstädte auszusprechen", sagt Palmer. Die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit Partikelfiltern sollte gesetzlich vorgeschrieben werden.
Die Industrie ist noch nicht so weit
Ab dem kommenden Jahr wird es nun auch Grenzwerte für Stickstoffe geben, die in vielen Städten überschritten werden. Konsequenzen wird das erst einmal nicht haben, weil es derzeit noch keine effektiven technischen Lösungen, vor allem Filter gibt, die den Stickstoff in den Abgasen effektiv verringern. Die Industrie ist mal wieder hinterher.
Werner Reh hält die Umweltzonen dennoch für den richtigen Weg, auch wenn es ein langer ist. "Die Städte müssen neben den Fahrverboten aber auch mehr für die Radfahrer und den öffentlichen Nahverkehr tun", sagt Reh. Und wenn vom kommenden Jahr an in vielen Städten nur noch die grünen Plaketten in die Innenstädte dürfen, rechnet er mit bis zu zehn Prozent weniger Feinstaub.
Boris Palmer hat sich für einen anderen Weg entschieden, er hat vor einigen Wochen seinen Dienstwagen zurückgegeben. Der Smart Hybrid gehörte eigentlich zu dem Umweltfreundlichsten, was es auf dem Markt gab. Aber Palmer waren das immer noch zu viele Abgase. Jetzt hat er ein Dienstfahrrad mit Elektromotor.
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(SZ vom 24.11.2009/rasa)
Schuldenkrise in Griechenland
Nach den im Internet abrufbaren EU-Richtlinien 1999/30/EG und 2008/50/EG zur Lage der PROBENAHMESTELLEN FÜR MESSUNGEN VON FEINSTAUB IN DER LUFT steht unter anderem wörtlich: «Der Meßeinlaß darf nicht in nächster Nähe von Quellen plaziert werden, um die unmittelbare Einleitung von Emissionen, die nicht mit der Umgebungsluft vermischt sind, zu vermeiden». Es ist nach EU-Recht somit gar nicht zulässig, am Strassenrand erhobene Messwerte mit den geltenden EU-Feinstaubgrenzwerten zum Schutz der menschlichen Gesundheit zu vergleichen. Auch weil sich unmittelbar am Strassenrand weder Taxi- oder LKW-Fahrer noch Zollbeamte am Schlagbaum wohl 24 Stunden lang (und exakt an den vorderhand noch 35 von der EU tolerierten Tagen mit den höchsten Feinstaubwerten im Jahr) aufhalten werden.
Wegen fehlendem Berufsverkehr und des LKW-Sonntagsfahrverbotes vermindert sich in Strassennähe das signifikant mit dem Strassenverkehr korrelierende Stickstoffmonoxid (NO) von werktags auf sonntags etwa um die Hälfte. Dem gegenüber sinkt die Feinstaubbelastung als Folge des deutlich verminderten Verkehrsaufkommens von werktags auf sonntags um etwa 10 Prozent. Prozentual ähnliche Feinstaubrückgänge sind aber auch am Sonntag auf dem Lande und weitab vom Strassenverkehr festzustellen - bei entsprechend vernachlässigbarer Belastung an Stickstoffmonoxid (NO)! Selbst wenn ganze Städte zur Umweltzone und Tempo 30-Zone umgewandelt werden die unsinnigen EU-Grenzwerte werden trotzdem überschritten!
Bisher wurde noch keiner Umweltzone die Wirksamkeit bewiesen.
Aber darum geht es ja nicht, die ganze Geschichte reiht sich ein in die typischen roten/ grünen Schikanemaßnahmen - gerade in München muß man sich da ja einiges gefallen lassen: Anwohnerparkzonen mit überzogenen finanziellen Schikanen für böse Fremdparker, Stauverursachung wo es nur geht (Bau von Ringtunnels nur per Volksentscheid/ "grüne" Welle auf den Ausfallstraßen, Ampel nach dem R-Strauss-Tunnel), Abzocke bei der "Parkplatzablöse" für Gewerbetreibende, ein Windrad mit einer Amortisationszeit von wahrscheinlich 100 Jahren - um nur mal ein paar Highlights zu nennen.
Aber zurück zur Umweltzone: Was ist mit den Schornsteinen von Privat und Gewerbe? Wann kommen endlich die Mauern gegen vom Umland eingewehten Feinstaub?
Insidertip:
Die Umweltzone ist ein Konjunkurprogramm: Alte Fahrzeuge müssen verschrottet und ersetzt werden (soweit sich das die Eigentümer überhaupt leisten können), die Städte nehmen ordentlich Busgelder ein (wobei Radarfallen an geeigneten Stellen lukrativer sind) und die Filterhersteller/ Aufkleberproduzenten/ Ausgabestellen verdienen ebenfalls daran.
Für den Einzelnen ein kleiner Betrag, aber die Masse machts!
"Umweltzonen" bringen so gut wie nichts. Und wen wundert das?
Oh Mann... also:
1) es wird ohnehin nicht kontrolliert, davon kann sich jeder gerne z.B. in der Bavariastr. überzeugen, was da ohne Plakette und z.T. ohne Kat rumsteht...
2) München versucht doch eh schon, auch ohne Plakette, alle Autos rauszudrängen. Kann sich auch jeder z.B. in der Bavariastr. oder Radlkoferstr. überzeugen: da werden nämlich gerade praktisch flächendeckend normale Parkplätze in kostenpflichtige umgewandelt.
3) Einwohnerparkzonen werden immer mehr ausgedehnt.
4) Habs gerade nachgesehen, die rote Plakette fällt erst Ende 2010 raus, die gelbe erst 2012!!! Wenn man an die Wirksamkeit der Plakette überhaupt glaubt, dann kann es ja nicht sein, dass die Stinker erst in 3 Jahren endgültig raus sind.
Einerseits wird also nichts gegen Feinstaub getan, andererseits aber alles mögliche gegen Autofahrer im Allgemeinen... super München! Ja was denn nu? Dann doch lieber ehrlich sein und gleich mit der City-Maut abkassieren.
unsere Verkehrspolitik an? Damit greift man doch in die Souveränität unseres Landes ein. Bei Autobahnen kann ich es ja einigermaßen noch nachvollziehen, aber die Verkehrspolitik der Städte geht es keinen was an, denn das ist die Sache der einzelnen Kommunen.
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