Fälschungsverdacht: Preis aberkannt Wolfsmodel statt Wildtier

Mit dem Bild eines Wolfes im Sprung gewann ein spanischer Fotograf einen renommierten Wildtier-Fotowettbewerb. Doch nun stellt sich heraus: Die Aufnahme soll gestellt gewesen sein.

Das Foto ging um die Welt: Ein Iberischer Wolf (Canis lupus signatus) springt in einer Nacht über einen Zaun. Der spanische Fotograf José Luis Rodríguez sprach davon, er habe die "Aufnahme seiner Träume" gemacht. Er habe selber kaum glauben können, dass ihm dieses Bild gelungen sei, da er befürchtet hatte, die wild lebenden Wölfe könnten zu misstrauisch sein.

Wolf, Rodríguez

Alles nur Fake? Fotograf José Luis Rodríguez soll statt einem wilden Wolf ein Tiermodel abgelichtet haben.

(Foto: Foto: José Luis Rodríguez/Veolia Environnement Wildlife Photographer of the Year)

Auch die Jury des renommierten Wettbewerbs "Veolia Wildlife Photographer of the Year", der vom Londoner National History Museum und dem BBC Wildlife Magazin ausgelobt wird, zeigten sich beeindruckt. Sie kürten das Bild unter mehr als 43.000 Einsendungen aus 94 Ländern zum Gesamtsieger ihres Wettbewerbs im Jahr 2009.

Doch nun stellt sich heraus: Das beeindruckende Foto war vermutlich gestellt. Der vermeintlich wildlebende Wolf soll ein gezähmtes Tier sein, das der Fotograf eigens zu dem Zweck angemietet hatte, um das Bild einer Spezies zu machen, die sich normalerweise beim Menschen nur selten blicken lässt.

Zu dieser Überzeugung sind zumindest die Juroren inzwischen gelangt. "Die Jury ist noch einmal zusammengekommen und hat festgestellt, dass es wahrscheinlich ist, dass der Wolf auf dem Foto ein Tiermodel war, das für fotografische Zwecke gemietet werden kann", heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite des Natural History Museums.

Da dies ein deutlicher Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln sei, disqualifizierte die Jury das als "Bilderbuch-Wolf" betitelte Siegerfoto des Wettbewerbs 2009 - und erkannte damit auch das Preisgeld von 10.000 Pfund ab. Die Regeln sähen eindeutig vor, dass Tiermodelle nicht erlaubt seien.

Misstrauisch machte Wolfexperten dem britischen Guardian zufolge unter anderem die Tatsache, dass der Wolf auf dem Foto über das Gatter springt und sich nicht durch die Holzstreben hindurchquetscht, was für wild lebende Wölfe ein typischeres Verhalten sei. Auch bestimmte Antworten des Fotografen Rodríguez auf ihm gestellte Fragen fielen offenbar nicht zu seinen Gunsten aus.

"Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe: 'Mein Gott, dies ist wirklich ein wilder Wolf. Was für eine Leistung'", sagte der Juryvorsitzende Mark Carwardine dem Guardian. Die Menschen seien nun sehr enttäuscht vom Fotografen.

Der bestreitet allerdings der Mitteilung der Wettbewerbsveranstalter zufolge mit Nachdruck, dass es sich bei dem Foto um eine Fälschung handelt.