Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, erläutert seine Forschungen.
SZ: Was sind die Grundlagen einer Depression?
Florian Holsboer: "Es wird eine Zunahme der Suizide geben." (© Foto: Andreas Heddergott)
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Florian Holsboer: Es gibt eine sehr große genetische Komponente. Das sind nicht ein oder zwei Gene, sondern das sind mindestens ein Dutzend Gene und auch nicht bei jedem Patienten die gleichen. Diese Anlagen führen dazu, dass ein Mensch sich an eine starke Stressbelastung nicht anpassen kann und als Folge eine Depression entwickelt.
SZ: Psyche ist also bloß Biochemie?
Holsboer: Es gibt innerhalb des Gehirns keine anderen Mechanismen als streng naturwissenschaftliche. Das kann man weder durch Philosophie noch durch Religion in Frage stellen. Alles was wir fühlen und denken, breitet sich durch neuronale Aktivität im Gehirn aus. So wirkt auch eine Psychotherapie.
Was Sie da in einem Gespräch mit dem Therapeuten erleben, gelangt zunächst über die Sinnesorgane ins Gehirn. Dort entwickelt sich dann die Wahrnehmung mit der Sie, je nach dem, wie Sie vorbelastet sind, unterschiedlich umgehen.
SZ: Eine Studie hat gezeigt, dass Antidepressiva kaum wirksamer sind als Scheinmedikamente. Was bedeutet das für die Therapie?
Holsboer: Ich halte diese Aussage für gefährlich und bin mir sicher, dass sie zu einer Zunahme der Suizide führen wird.
In der Untersuchung wurden Mittelwerte miteinander verglichen. Dabei ist längst klar, dass Menschen mit ihren verschiedenen Erbanlagen sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Medikamente reagieren.
Wir haben erst kürzlich in einer Studie gezeigt, dass wir durch einen Gentest sehr zuverlässig vorhersagen können, bei welchen Patienten ein Medikament wirkt und bei welchen nicht.
Wenn aber solche Unterschiede zwischen Patienten bestehen, dann ist doch das Argument vom Tisch, dass die Medikamente wie Placebos wirken.
SZ: Sie setzen sich für eine personalisierte Depressionsbehandlung ein, beziehen Sie dabei auch psychologische Methoden und alternative Heilmittel ein?
Holsboer: Ich kann mir vorstellen, dass es bei leichten Depressionen eine Situation gibt, bei der man auf pflanzliche Antidepressiva in Kombination mit Psychotherapie zugreifen kann. Bei schweren Depressionen wäre das ein Fehler.
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(SZ vom 05.03.2008/mcs)
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