Exoplaneten fotografiert Bilder ferner Welten

Zum ersten Mal ist es Astronomen aus Kanada, den USA und England gelungen, Planeten in fremden Sonnensystemen zu fotografieren - darunter sogar eine Dreier-Gruppe.

Von Christopher Schrader

Die neuen Bilder aus dem Kosmos erinnern an die ersten Fotografie. Beides sind körnige, grobe Bilder. Jenes von 1826 zeigt Dächer eines Dorfes im Burgund, die neuen Fotos dagegen ferne Welten im All. Womöglich erreichen die Bilder, die am Freitag auf der Webseite des Magazins Science veröffentlicht werden, aber einst ähnlichen Status:

Im Staubring um den fremden Stern steckt ein Planet. Das Licht des Sterns schirmt eine Blende in der Mitte ab.

(Foto: Quelle: Kalas/UC Berkeley)

Es sind die ersten Aufnahmen von Planeten, die fremde Sterne umkreisen. Astronomen aus Kanada, den USA und England haben dort zum einen ein ganzes Planetensystem abgelichtet, zum anderen ein einzelnes Objekt, das den Stern Fomalhaut umkreist, nur 25 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Zudem druckt die Zeitschrift Astrophysical Journal Letters bald den Aufsatz einer dritten Gruppe, die ebenfalls einen Planeten fotografiert hat.

Seit 1995 der erste fremde Planet entdeckt wurde, haben die fernen Welten Phantasie und Forschereifer von Astronomen angeheizt. Mehr als 300 haben sie inzwischen gefunden. Bisher ließen sich die Objekte nur indirekt an ihrem Effekt auf den Mutterstern nachweisen, zum Beispiel wenn sie ihn beim Vorbeiziehen kurz verdunkelten.

Direkte Fotos gab es bisher nicht. Ein zunächst als Planet vorgestelltes Objekte entpuppte sich später als Brauner Zwerg, also eine Art gescheiterte Sonne. Fotos waren vor allem deshalb schwer zu schießen, weil die Sterne das reflektierte Licht der Planeten überstrahlen.

Die Forscher haben daher einige Tricks angewandt. Paul Kalas von der Universität im kalifornischen Berkeley hat beim Hubble-Teleskop eine Blende vor das Objektiv der Kamera legen lassen, um das Licht des Sterns Fomalhaut zu blockieren.

Im Zentrum der Aufnahme ist daher ein Schattenriss zu sehen, der entfernt an das Raumschiff Enterprise erinnert.

Oben in der Wolke von Lichtpunkten fand Kalas den Planeten, der sich von 2004 bis 2006 ein wenig bewegt hatte. Er ist 119-mal so weit von seinem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne. Für einen Umlauf braucht er 872 Erd-Jahre.

Seine Masse schätzen Kalas und Kollegen auf ein bis zwei Jupitermassen. Offenbar ist er von eindrucksvollen Ringen umgeben, die ihn besonders viel Licht reflektieren lassen.

Etwas anders sind Forscher um Christian Marois vom Herzberg-Institut auf Vancouver Island in West-Kanada vorgegangen. Sie haben mit zwei Teleskopen auf dem Mauna Kea auf Hawaii das Infrarot-Licht, also die Wärmestrahlung, des Sterns HR 8799 gemessen. Daraus konnte sie den Beitrag von drei jungen Planeten isolieren, die sich seit ihrem Entstehen abkühlen.

Sie sind 600 und 800 Grad Celsius heiß und umkreisen ihren Stern auf Bahnen, die dem 24- bis 68-fachen des Radius der Erdbahn entsprechen. Ihre Masse ist sieben- und zehnmal so groß wie die des Jupiter, muss aber noch genauer bestimmt werden.

Etwa genauso groß, aber noch jünger, heißer und weiter von der Erde entfernt, ist schließlich der Planet, den kanadische Forscher von der Universität Toronto entdeckt haben.

Auf keinem der Himmelskörper ist Leben denkbar, aber die Astronomen können die Objekte nun kontinuierlich beobachten und mehr über die Entstehung von Planeten lernen.

"Sehen heißt glauben", kommentiert der Nasa-Forscher Mark Marley die neuen Fotos. Wichtig sei aber bei den jetzt abgebildeten Planeten wie bei zukünftigen Entdeckungen die genaue Bestimmung der Masse. "Bilder von Punkten im All - auch von blassblauen, die an die Erde erinnern - bleiben unbefriedigend, wenn wir nichts über ihre Masse wissen", mahnt er.

Eine dreidimensionale Darstellung des Planetensystems HR 8799 und unseres Sonnensystems in der Milchstraße. Die Bahnen von Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Puto um die Sonne sind zu sehen.