Kaum ein Volk steht der Evolutionstheorie von Charles Darwin so skeptisch gegenüber wie die Amerikaner. Grund dafür könnte sein, dass Darwins Erkenntnisse stark politisiert werden.
Jon Miller von der Michigan State University hat dies statistisch eindeutig nachgewiesen, indem er Umfragen aus verschiedenen Ländern verglichen hat (Science, Bd. 313, S. 765, 2006). Demnach hält fast ein Drittel der Amerikaner die Aussage "Menschen, wie wir sie kennen, haben sich aus tierischen Vorfahren entwickelt" für falsch.
(© Foto: Reuters)
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Nur 14 Prozent glauben, dass sie richtig ist; etwa 55 Prozent sind sich unsicher. In europäischen Ländern ist der Anteil derer, die diesen Satz und damit die Evolutionstheorie für falsch halten, viel niedriger: in Dänemark, Frankreich und Großbritannien sieben Prozent, in Deutschland zwölf Prozent, in den Niederlanden 15 Prozent.
Einen Grund für die ablehnende Haltung der Amerikaner sieht Miller darin, dass die Haltung zur Evolutionstheorie in den Vereinigten Staaten ein Politikum ist. Konservative Republikaner stellen Darwins Erkenntnisse in Frage und gewinnen damit Wähler im Süden und im mittleren Westen der USA.
In Europa gebe es dagegen keine politische Partei, die mit Kritik an Darwin auf Stimmenfang gehe. Dass die Haltung gegenüber der Evolutionstheorie in den USA mit der grundsätzlichen politischen Einstellung zusammenhängt, konnte Miller durch einen Trick beweisen.
Er korrelierte Aussagen zur Evolution mit der Einstellung zur Abtreibung. Denn in den USA gibt es kein anderes Thema, anhand dessen sich Konservative und Liberale so eindeutig unterscheiden lassen. Tatsächlich kam dabei heraus, dass konservative Abtreibungsgegner mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Evolutionstheorie ablehnen.
Liberale Befürworter der Abtreibung halten sie dagegen meist für richtig. Miller konnte außerdem zeigen, dass die meisten Evolutionskritiker gar nicht genau verstehen, was sie so vehement ablehnen: In einer Studie stimmten 78 Prozent der Befragten einer Beschreibung der Entstehung von Pflanzen zu, in der das Wort "Evolution" bewusst vermieden wurde.
Gleichzeitig waren aber 62 Prozent überzeugt, dass Gott den Menschen so, wie er heute ist, auf die Erde gestellt hat.
(SZ vom 11.8.2006)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak