Evolution Jimi Hendrix und der Hilfeschrei des Murmeltiers

Kalifornische Evolutionsbiologen bieten eine überraschende Erklärung dafür, warum die schrillen Töne in der Rockmusik Menschen so sehr bewegen: Ihr Klang soll an die Rufe notleidender Tiere erinnern.

Von Christian Weber

Was ist schon das Hilfe-Pfeifen eines Murmeltiers gegen das schräge Heulen der E-Gitarre, auf der Jimi Hendrix 1969 in Woodstock seine dekonstruierte Version der amerikanischen Nationalhymne spielte?

Die verzerrten Klänge der E-Gitarre von Jimi Hendrix waren für viele Menschen aufregend. Weil sie an Hilfeschreie von Tieren erinnern?

(Foto: REUTERS)

So ziemlich das Gleiche, behauptet ein Forscherteam um den Evolutionsbiologen und Murmeltier-Experten Daniel Blumstein von der University of Califonia Los Angeles in der kommenden Ausgabe des Fachmagazins Biology Letters (online).

Denn genau das sei der Grund, wieso manche Musikstücke Menschen so bewegen und dass es ihnen kalt den Rücken hinunterläuft: "Musik, die ähnliche akustische Eigenschaften hat wie die Laute notleidender Tiere, packt die menschliche Wahrnehmung und führt zu großer Erregung", sagt Blumstein. Entscheidend für diese Wirkung seien die verzerrten und schrillen Töne, wie sie entstehen, wenn schnell viel Luft durch den Kehlkopf gepresst wird.

Tatsächlich konnten die Forscher in Experimenten nachweisen, dass studentische Versuchsteilnehmer eigens komponierte Musikstücke als aufregender, aber auch negativer bewerten, wenn sie Verzerrungen beinhalten.

"Die Studie erklärt uns, warum die Verzerrungen im Rock 'n' Roll die Menschen so begeistern: Sie bringen das Tier in uns hervor", folgert Studienleiter Blumstein recht kühn. "Komponisten haben ein intuitives Wissen, was schaurig klingt, ohne zu wissen, warum es das tut." Auch in der Musik der Menschen werde auf physiologische Erregungsmechanismen zurückgegriffen, die sich im Laufe der Evolution entwickelt hätten.