Evolution des Menschen Warum Menschen besser werfen als Tiere

Kein anderes Lebewesen wirft Gegenstände so schnell und punktgenau wie der Mensch. US-Wissenschaftler haben nun herausgefunden, wieso das so ist. In unseren Körper ist gewissermaßen eine natürliche Schleuder eingebaut.

Von Hubert Filser

Der aufrechte Gang gilt als entscheidender Fortschritt in der Evolution des Menschen. Dass dabei auch die Arme frei wurden, ist zwar logisch, wird in seiner Bedeutung aber unterschätzt. Zwar hat schon Charles Darwin darüber nachgedacht, dass unsere Vorfahren die Arme nutzten, um mit Wurfgeschossen effektiver zu jagen.

Doch erst jetzt belegen Forscher der Universität Harvard, welche Vorteile die Frühmenschen vor zwei Millionen Jahren erlangten, als sie lernten, extrem schnell und zielgenau zu werfen - ein entscheidender Vorteil auf der Jagd und die Basis für weitere Fähigkeiten, die den Menschen später erfolgreich machten (Nature, Bd. 498, S. 483, 2013).

Der Mensch wirft Gegenstände so schnell und punktgenau wie kein anderes Lebewesen. Schimpansen schleudern ihre Geschosse eher planlos durch die Gegend. Menschen schaffen mit Bällen eine Abwurfgeschwindigkeit von 170 km/h, Schimpansen nur 30 km/h.

Die Forscher beobachteten mit 3-D-High-Speed-Kameras, wie Baseball-Spieler aus der College-Liga mehrere Male hintereinander einen Ball auf ein zehn Meter entferntes Ziel warfen. Das Geheimnis der hohen Wurfgeschwindigkeit und der Treffsicherheit liegt laut den Analysen vor allem in der Schulter. Sie funktioniert wie eine Schleuder.

US-Forscher haben untersucht, wie Baseball-Spieler einen Ball werfen - und dabei das Geheimnis gelüftet, wieso Menschen über eine hohe Wurfgeschwindigkeit und Treffsicherheit verfügen

(Foto: Reuters)

Immer wenn wir den Arm nach hinten drehen, speichern die Muskeln, Sehnen und Bänder elastische Energie, die sich beim Wurf entlädt. Die Geschwindigkeit ist enorm, der Arm schnellt mit 9000 Winkelgrad pro Sekunde nach vorne - die schnellste Bewegung, zu der der menschliche Körper in der Lage ist.

Diese Beweglichkeit ermöglichen der im Vergleich zum Schimpansen tiefer liegende Schultergürtel, der veränderte Oberarmknochen und die breitere und beweglichere Hüfte.

Neil Roach und seine Kollegen glauben, dass bereits der Homo erectus vor zwei Millionen Jahren diese Fähigkeit entwickelt hat und ihm dies bei der Jagd große Vorteile brachte. Knochenfunde zeigten die entscheidenden körperlichen Veränderungen.

Die Schöninger Speere im Forschungszentrum Paläon, die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit

(Foto: dpa)

"Werfen war für die Frühmenschen beim Jagen nach Fleisch sehr wichtig", sagt Roach. "Und Fleisch war für die Gehirnentwicklung entscheidend."

Aus dieser Zeit gibt es zwar keine Wurfgeschosse mehr. Doch auch die ältesten bekannten Waffen der Menschheit, gut 300.000 Jahre alte Birkenholzspeere, gefunden im Braunkohletagebau bei Schöningen, haben bereits Wurf- und Flugeigenschaften, die mit Hochleistungsspeeren aus der Leichtathletik vergleichbar sind.

Sie lassen sich über 15 Meter punktgenau schleudern. Der Mensch war schon damals dazu in der Lage.

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