Forscher haben das Genom des Neandertaler entziffert - sein Erbgut unterscheidet sich nur um 0,2 Prozent von dem des modernen Menschen.
Wir sind Neandertaler. Wenigstens ein bisschen. Das kann nun jeder Europäer von sich behaupten.
Bild vergrößern
Ein bis vier Prozent unseres Erbguts stammen vom Neandertaler. (© Foto: Johannes Krause/Atelier Daynes/Kovacic/Radovcic/dpa)
Anzeige
Damit ist zugleich eine Frage geklärt, die wohl seit dem ersten Neandertaler-Knochenfund im Jahr 1856 bei Düsseldorf die Öffentlichkeit beschäftigt hat: Ja, Menschen und Neandertaler hatten einst tatsächlich Sex miteinander, vor rund 50.000 Jahren irgendwo im Nahen Osten.
Svante Pääbo drückt es als Wissenschaftler etwas charmanter aus: "Diejenigen von uns, die außerhalb Afrikas leben, tragen ein kleines bisschen Neandertaler in sich", sagt der Leipziger Paläogenetiker vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.
Ein bis vier Prozent unseres Erbguts stammen vom Neandertaler, berichten die Forscher in der aktuellen Titelgeschichte des Fachmagazins Science. Vier Jahre lang hat ein internationales Team das Neandertaler-Genom sequenziert, vier Milliarden Basenpaare daraus haben die Wissenschaftler mit dem Erbgut heute lebender Menschen verglichen.
Genaustausch vor 60.000 Jahren
Die Analyse besagt, dass sich vor 500.000 Jahren die Entwicklungslinien von Mensch und Neandertaler getrennt haben. Bei früheren Untersuchungen des Erbguts in den Mitochondrien der Neandertaler hatten die Forscher keine Hinweise darauf gefunden, dass sich unsere Vorfahren mit dem Neandertaler vermischt haben könnten.
Eine zweite Forschergruppe um Jeffrey Long allerdings hatte kürzlich - basierend auf einer anderen Methode - ebenfalls einen Genaustausch zwischen Mensch und Neandertaler vor 60.000 Jahren im östlichen Mittelmeerraum vermutet.
Indem die Forscher um Pääbo nun das Kern-Erbgut des Neandertalers mit dem von fünf heute lebenden Menschen aus Süd- und Westafrika, China, Papua-Neuguinea und Frankreich verglichen, konnten sie zudem ungefähr ermitteln, wann und in welcher Region der Erde Mensch und Neandertaler miteinander Kinder zeugten.
Überrascht waren die Forscher, als sie erkannten, dass der Neandertaler den Menschen außerhalb Afrikas genetisch näher war als den Afrikanern. Zugleich ähnelt das Neandertaler-Genom der Sequenz von Europäern im gleichen Ausmaß wie der von Ostasiaten.
"Neandertaler haben sich wahrscheinlich mit frühen modernen Menschen vermischt, bevor sich homo sapiens in Europa und Asien in verschiedene Gruppen aufspaltete", sagt Pääbo.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Neandertaler RSS
- Urmenschen "Spuren der Neandertaler leben in uns weiter" 23.04.2010
- Sensationeller Knochenfund Homo X 25.03.2010
- Neandertaler Glamour am Flachkopf? 12.01.2010
- Evolution: Sex zwischen Arten Kuscheln mit Homo erectus 12.10.2009
- Neandertaler Zehntausende Jahre Einsamkeit 17.07.2009
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Hallo Sascha03:
Bei der Analyse werden Teile des Genoms verwendet, die keine Funktion haben. Der weitaus größte Teil des Genoms hat keine Funktion und unterliegt somit keiner natürlichen Auslese.
Findet man hier Übereinstimmungen, so sind diese mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit nicht die Folge von konvergenter Evolution.
Es gibt so einen Begriff in der Biologie, der heißt "Konvergenz", dabei ist es möglich das Lebewesen die nicht artverwandt sind gleiche bzw. ähnliche bauliche Merkmale aufweisen. Wenn dies auch auf der genetischen Ebene zutreffend währe, würde es erklähren, wieso der Homo Sapiens aus Europa/Asien und der Niander ähnlichere Gehne
haben als die, in Afrika lebenden Menschen. Denn beide hatten ja gleiche Klimatischen bedingungen, die sich von dem afrikanischen Klima unterscheiden...
Währe es tatsächlich so das der moderne Mensch, mit dem Neandertaler, direkt miteinander verwandt sind, währe ich lieber mehr Neandertaler als Mensch, denn der Homosapiens war vermutlich viel agressiever als der Neandertaler und hat schon damals viele Tiere(Mamut und wahrsch. den Neandertaler selbst) ausgerottet...
... ist gar nicht so dumm. Die Evolution des Menschen ist ziemlich kompliziert, und Genetik ist es auch. Um zu kapieren, was daran faszinierend ist, muss man sich erst mal klar machen, dass der heutige Mensch (homo sapiens) nicht vom Neandertaler abstammt (schon das wissen viele nicht, im Übrigen stammen wir auch nicht vom Schimpansen ab.)
Beide -- Mensch und Neandertaler -- sind aber Nachfahren des Homo Erectus, der in Afrika lebte. Vorfahren des Neandertalers sind schon vor über einer Million Jahren nach Europa eingewandert; unsere eigenen Vorfahren, die sich genetisch anders weiterentwickelt hatten, sind dann vor weniger als 100.000 Jahren "nachgekommen".
Bisher gab es Vermutungen, dass Homo Sapiens den Neandertaler auf irgendeine Weise ausgerottet haben könnte. Dass es auch zur Vermischung gekommen ist, und spezifische Gene des Neandertalers in uns Europäern weiterleben ist insofern eine interessante Erkenntnis.
"Das miese Wetter macht halt ein bisschen schlecht gelaunt... ;-) "
Das kann ich SEHR gut nachvollziehen!
Man sollte Genetiker nicht unterschätzen, die wissen schon, was die tun. Der 'Rosetts Stone' liegt hier im Detail und ist durchaus schon vorhanden.
Eigentlich zeigt das im wesentlichen, das die 'Spezies' Homo sapiens keine 'reine' Entität ist (auch wenn manche das aus weltanschaulichen Gründen gerne so hätten), wie auch der Speziesbegriff nach Linne deutlich flexibler gehandhabt werden muss.
Es ist sehr wahrscheinlich, das sapiens und neanderthalensis sich in der alten Speziesdefinition näher stehen als Esel und Pferde.
Paging