Evolution Das Ufer stets im Blick

Forscher wollen herausgefunden haben, dass die einst im Wasser lebenden Vorfahren heutiger Zwei- und Vierbeiner vor ihrem Landgang ein besonderes körperliches Merkmal entwickelt haben: große Augen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Bevor die ersten Lebewesen vor 400 Millionen Jahren aus dem Wasser an Land gingen, schafften sie sich ein wichtiges Werkzeug an: große Augen. Deren Ausmaße verdreifachten sich über zwölf Millionen Jahre hinweg.

Irgendwann bekamen die Fische Beine und begaben sich an Land. Dieser ikonische Übergang der Evolutionsgeschichte begann rund 385 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Und selbstverständlich geschah die Transformation von Wasser- zu Landlebewesen bis hin zu den heutigen Wirbeltieren nicht über Nacht, sondern dauerte Millionen Jahre.

Nun wollen Forscher herausgefunden haben, dass die einst im Wasser lebenden Vorfahren heutiger Zwei- und Vierbeiner vor ihrem Landgang ein besonderes körperliches Merkmal entwickelt haben: große Augen.

Unter Wasser müssen Sehorgane in oft diffusem Licht auf kurze Distanzen funktionieren. An Land ist Weitblick in klarer Luft gefragt. Als die Wassertiere begannen, sich in seichten Gewässern dem Festland zu nähern und die dortigen Lebensräume und Nahrungsangebote buchstäblich in den Blick zu nehmen, hatten womöglich Individuen mit größeren Augen einen Vorteil.

"Unsere Hypothese lautet, dass die Tiere einen ungenutzten Reichtum an Nahrung an Land entdeckten"

Diese bekamen im Durchschnitt mehr Nachwuchs, und so setzten sich große Augen im Wettlauf der Evolution durch. Diese Theorie stellen die Neurowissenschaftler Malcolm McIver und Lars Schmitz von der Northwestern University im amerikanischen Evanston auf, nachdem sie Fossilien aus der Übergangszeit vermaßen und mit Computermodellen verglichen. Ihren Berechnungen zufolge hat sich die Augengröße der damals im Flachwasser lebenden Wesen innerhalb von zwölf Millionen Jahren verdreifacht.

"Unsere Hypothese lautet, dass die Tiere einen ungenutzten Reichtum an Nahrung an Land entdeckten - Tausendfüßer, Spinnen und mehr. Das könnte die Evolution angetrieben haben, Beine statt Flossen zu entwickeln", sagen die Forscher in einer Mitteilung. Man müsse sich die letzten Vorfahren der Landlebewesen ein wenig wie heutige Krokodile vorstellen: Im Wasser lebend, das Ufer fest im Blick.

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