Besonders gefährliche Pflanzenschutzmittel sollen in der EU schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden. Das hat das EU-Parlament beschlossen.
Krebserregende und andere hochgiftige Pestizide sollen vom europäischen Markt verschwinden. Das EU-Parlament hat für ein weitgehendes Verbot krebserregender, erbgutverändernder und fortpflanzungsschädigender Substanzen in Pflanzenschutzmitteln gestimmt.
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Rund fünf Prozent der heute 400 erlaubten Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel sollen vom Markt verschwinden. (© Foto: dpa)
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Zwei Fungizide müssen danach noch in diesem Jahr vom Markt genommen werden, rund 20 weiteren Substanzen werden im Laufe des kommenden Jahrzehnts von den Feldern verbannt.
Vollständig verboten werden mit der neuen EU-Verordnung krebserregende, erbgutverändernde und fortpflanzungsschädigende Stoffe (KEF-Stoffe) der höchsten Gefahrenkategorie 1. Für Substanzen der Kategorie 2 sind Ausnahmen möglich, wenn ein Verbot zu Ernteausfällen führen würde und keine weniger giftigen Alternativen zur Verfügung stehen.
KEF-Stoffe der niedrigsten Gefahrenstufe 3 werden nur in bestimmten Kombinationen verboten, bei denen Verdacht auf eine Schädigung des Hormonsystems besteht. Darüberhinaus wird die EU-Kommission verpflichtet, binnen vier Jahren eine Liste aller für das Hormonsystem potenziell gefährlichen Stoffe aufzustellen, die dann ebenfalls verboten werden sollen.
Wirkung auf Bienen wird geprüft
Zudem soll vor der Zulassung von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden künftig auch deren Wirkung auf Bienen überprüft werden. Hintergrund ist das massive Bienensterben im vergangenen Frühjahr.
Allein in Deutschland gingen damals mehr als 300 Millionen Bienen ein, nachdem mit der Chemikalie Clothianidin behandelter Mais ausgesät worden war. Pflanzenschutzmittel, die Clothianidin enthalten, dürften demzufolge nach Ablauf ihrer derzeit gültigen Genehmigung keine Neuzulassung erhalten.
Nach Angaben der Grünen-Europaabgeordneten Hiltrud Breyer, die das Dossier für das Parlament betreute, werden mit der neuen Verordnung rund fünf Prozent der heute 400 erlaubten Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel vom Markt verschwinden. Wenn die derzeit gültigen Zulassungen auslaufen, dürfen sie nach der Verordnung nicht mehr erneuert worden. Da Pestizide jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren genehmigt werden, laufen die letzten noch vor Inkrafftreten der Verordnung gewährten Zulassungen im Januar 2019 aus.
Neben dem Verbot besonders gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe verabschiedete das EU-Parlament am Dienstag auch Vorschriften für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Das Versprühen von Pestiziden per Flugzeug ist danach nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Nähe von Spielplätzen, Schulhöfen und Krankenhäusern muss "minimiert oder verboten" werden.
(AP/mcs)
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Prima! Da sollen wir Verbraucher nun endlich vor vermeidbaren Pestizidrückständen in Lebensmitteln geschützt werden. Begibt man sich allerdings auf die Suche nach einer Liste, welche Pestizide die EU denn da ins Auge gefasst hat, findet man gerade einmal eine EU-Presseerklärung mit den üblichen nebulösen Phrasen.
Welche Wirkstoffe sollen konkret verboten werden? Antwort: Fehlanzeige.
Hier in der Süddeutschen wird da mal Clothianidin erwähnt. Aber selbst auf der Greenpeace-Schwarzliste steht dieser Wirkstoff nur auf Position 96 und wird lediglich bzgl. Persistenz ("Halbwertzeit") kritisch gesehen.
Was sind die Stoffe, die für die EU wirklich gefährlich sind? Kann es sein, dass das Ganze wieder einmal eine Profilierungs-Luftnummer einiger Politiker ist, bei der sich die Medien vor den Karren spannen lassen? Es würde mich wundern, wenn irgendein Redakteur bei der Recherche nach einer konkreten Liste Erfolg gehabt hätte und wir Verbraucher nach verfolgen könnten, welche Stoffe die EU angeblich auf den Index gesetzt hat.
Das nenne ich Bürokratie. Da stellt man nach der Zulassung fest, dass Stoffe nicht so ungefährlich sind, wie eigentlich für die Umwelt verträglich und braucht dann doch noch bis zu 10 Jahre, bis man die Stoffe vom Markt nimmt.