Der Deutsche Ethikrat stimmt für die Einführung von PID-Tests unter strengen Auflagen - doch elf der 26 Mitglieder sind für ein striktes Verbot.
Eine Woche vor der im Bundestag geplanten Debatte zur Präimplantationsdiagnostik (PID) hat sich der Deutsche Ethikrat mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, die Tests unter strengen Auflagen einzuführen. 13 der insgesamt 26 Experten hielten das Untersuchungsverfahren, mit dem Embryonen bei der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas auf Genfehler getestet werden dürfen, in Ausnahmefällen für zulässig. Immerhin elf Ratsmitglieder sprachen sich aber für ein striktes Verbot aus. Ein Vertreter enthielt sich, ein weiterer gab ein Sondervotum ab.
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Mehrere Abgeordnete äußerten die Befürchtung, dass die geteilte Stellungnahme den Abgeordneten kaum eine Entscheidungshilfe sein wird. "Mit einem solch uneinheitlichem Votum kommt der Meinung des Ethikrates wenig Gewicht zu", sagte etwa der stellvertretende Unionsvorsitzende Johannes Singhammer (CSU). Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn bezweifelte sogar den Sinn des Gremiums aus Naturwissenschaftlern, Juristen, Philosophen und Theologen: "Es stellt sich einmal mehr die Frage, wozu es einen Ethikrat braucht", sagte Spahn der Rheinischen Post. Beide Politiker treten für ein PID-Verbot ein. Vertreter des Ethikrats selbst verteidigten dagegen das gespaltene Votum. "Wir haben uns nie als ein Gremium verstanden, das dem Gesetzgeber eine Blaupause vorlegt, sagte der Mannheimer Juraprofessor Jochen Taupitz. Vielmehr gehe es darum, den Gesetzgeber aber auch die Bevölkerung über schwierige ethische Fragen aufzuklären und zu beraten.
Inhaltlich plädiert eine knappe Mehrheit der Experten dafür, die Untersuchungen bei Paaren zuzulassen, die aufgrund eigener Erbkrankheiten oder wiederholter Fehlgeburten befürchten müssen, ein schwer krankes, behindertes oder gar nicht lebensfähiges Kind auf die Welt zu bringen. Die Experten argumentieren dabei vor allem über das Leid der Frau und die derzeitige widersprüchliche Gesetzeslage. Es sei ethisch nicht vertretbar, dass Frauen eine fortgeschrittene Schwangerschaft abbrechen dürfen, wenn sie von der Krankheit des Kindes erfahren, dass ihnen diese Information aber vor der Schwangerschaft vorenthalten werde. Die Begründung ähnelt dem Gesetzentwurf der Abgeordneten Peter Hintze (CDU) und Ulrike Flach (FDP). Allerdings machen die Experten strenge Auflagen. So sollen die Test bei Krankheiten, die erst im späten Alter auftreten, verboten werden.
Die Gegner der PID fühlen sich durch das deutliche Minderheitsvotum bestätigt. Immerhin elf Experten lehnen die PID ganz ab. Sie sehen darin die Aufnahme einer Selektionsmöglichkeit ins Gesetz: Kinder, so meinen sie, könnten aufgrund unerwünschter Eigenschaften verworfen werden.
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(SZ vom 09.03.2011/jab)
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@ElPoste: Bitte es ist sehr billig eine andere Meinung in diesem Gebiet dadurch niederzubügeln weil zufällig ein Teil der "Gegner" religiöse Gründe dafür haben. Ich selbst bin Atheist und habe dennoch moralische Bedenken und es ist gut das solche Fragen disskutiert werden und nicht einfach, weil machbar, abgenickt werden.
@Nerissa: Richtig ich teile Ihre Zweifel der Sinnhaftigkeit wie die Regelung derzeit gestaltet ist. Ich komme aber im Umkehrschluss auf die Frage ist es moralisch legitim eine Spätabtreibung vorzunehmen wenn nicht das Leben der Mutter in unmittelbarer Gefahr ist? Welche Art der Behinderung legitimiert Ihrer Ansicht nach eine Abtreibung? Ich kenne Menschen mit Down (Trisomie21) die ein zutiefst glückliches Leben führen, sie sind fähig am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sie sind einfach nur etwas anders. Fragen sie diese Menschen mal ob sie gerne abgetrieben worden wären.
@Petaurus: fragen Sie einfach mal den Betroffenen ob er das für ein schlechtes Argument hält ;-)
Stephen Hawkings sollte hier einfach als Beispiel dienen um die Frage nach wertem und unwertem Leben zuzuspitzen und ich bin mir sicher auch wenn andersx das anders sieht, wenn Stephen Hawkings die Wahl hätte zwischen seinem jetzigen Leben und nie existiert zu haben würde er sich vermutlich für sein jetziges Leben entscheiden.
Es bleibt zu hoffen, dass die ewig gestrigen Vertreter unserer Kirchen an mehr und mehr an Einfluss verlieren. Religion war bisher immer nur die Ursache für sinnlose Kriege.
Die Gegner der PID mögen mich bitte einmal aufklären, welchen Sinn ein Verbot hätte: Einem Paar, welches die Voraussetzungen zur PID erfüllt, also ein bekanntes genetisches Risiko vorliegt, eine schwere Erkrankung weiterzugeben, wird in der Regel zu einer vorgeburtlichen Diagnostik geraten. Sollte dann z.B. durch eine Fruchtwasseruntersuchung eine Behinderung diagnostiziert werden, ist eine Abtreibung zumeist die Folge. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind lebend zur Welt kommt, erhöht sich also durch die PID nicht wesentlich. Oftmals ergeben sich hieraus Spätabtreibungen, die für alle Beteiligten höchst traumatisch sind. Ist es für das ungeborene Kind wirklich besser, dem ausgesetzt zu werden? Oder soll es so belastend sein, damit die Mutter (das Elternpaar) sich für die Abtreibung schulding fühlt?
ist eh kein besonders gutes Argument. Die Chancen der Geburt eines schwer behinderten Genies sind unwahrscheinlich gering (die Geburt eines Genies an sich ist ja schon nicht besonderst häufig), sicher irgendwo bei 1: 1000 000. Ein schwer behindertes nicht-Genie (es geht hier ja um wirklich die schlimmsten der schlimmsten Erbkrankheiten!) ist aber eine unvorstellbare Last für die Eltern. Mit sowas spielt man nicht Lotto.
"würde es nach ihrer Sichtweise den vermutlich genialsten Physiker der Neuzeit, wenn nicht der Menschheitsgeschichte, nicht geben"
Mit Verlaub, Stephen Hawking ist ein genialer Wissenschaftler aber lassen Sie bitte die Kirche im Dorf; die Idee mit den ausdampfenden Schwarzen Löchern war gut, stellt aber keineswegs die Leistung der Nobelpreisträger oder Größen der Physik auch nur annähernd in den Schatten. Die kurze Geschichte der Zeit ist kurzweilig zu lesen und Stephen Hawking hat die richtigen Gedanken was die Menschheit und die Möglichkeit extraterrestrischer Lebensformen angeht.
Interessanterweise würde Ihnen „der genialste Physiker der Neuzeiten“ Stephen Hawking selbst nicht zustimmen, vor allem was die PID angeht.
Glauben Sie wirklich, dass er mit seiner Krankheit glücklich und zufrieden ist. Mir scheint diese defaetistische Einstellung zynisch und menschenverachtend.
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