Ernährung in der Zukunft Zehn Milliarden kleine Farmen

1400 Quadratmeter Ackerland pro Mensch können reichen - wenn jeder seine Ernährung umstellt und nicht eine Dürre wie auf dieser Farm in Südafrika für eine schlechte Ernte sorgt.

(Foto: Bloomberg)
  • Im Jahr 2050 könnte es zehn Milliarden Menschen geben - was für große Ernährungsprobleme sorgen dürfte.
  • Laut einer Studie des WWF wären diese Probleme aber selbst bei gleichbleibender Ackerfläche zu bewältigen.
  • Dafür müsste aber der Fleischkonsum drastisch eingeschränkt werden.
Von Marlene Weiss

Eine Fläche von etwa 38 mal 38 Metern, das ist groß für einen Garten, eher klein für einen Acker. Es ist die Ackerfläche, die jedem Menschen, statistisch gesehen, im Jahr 2050 für die Produktion seines Essens zustünde - angenommen, es sollen dann fast zehn Milliarden Menschen satt werden, und angenommen, das Ackerland wird Umwelt und Klima zuliebe nicht ausgeweitet.

Der WWF hat nun in einer großen Studie vom Politikberatungs-Netzwerk agripol unter Beteiligung des Ernährungswissenschaftlers Toni Meier von der Universität Halle ausrechnen lassen, wie man mit dieser Fläche auskommen könnte. Das Ergebnis: erstaunlich gut.

Natürlich soll nicht jeder Menschen auf seiner Parzelle zum Kleinbauern werden. Aber auch statistisch gilt: Wer auf seinen gut 1400 imaginären Quadratmetern Rinder, Schweine und Hühner hält und das Futter für die Tiere anbaut, am Rand ein paar Erbsen und Kartoffeln für die Dekoration auf dem Teller, der wird nicht satt.

Die Ackerfläche in Deutschland ist knapp

Etwa 2400 Quadratmeter Land brauchen die Deutschen laut Studie derzeit pro Kopf für ihre Ernährung, davon etwa 1600 Quadratmeter Ackerfläche. Knapp die Hälfte davon geht allein für Fleischproduktion drauf, ein gutes Viertel für Milch und Eier. Im dicht besiedelten Deutschland langt der Platz dafür nicht, trotz intensiver Produktion und besten Bedingungen für Landwirtschaft: Die Ackerfläche hierzulande reicht nur für etwa vier Fünftel der Ernährung der Deutschen aus.

Wenn man sich mit weniger bescheiden wollte, müsste anders gegessen werden: Knapp 300 Quadratmeter pro Kopf ließen sich laut Studie einsparen, wenn jeder den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgte und statt mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche nur noch maximal 600 Gramm zu sich nähme. Zudem müssten weniger Kartoffeln und Zucker konsumiert werden, dafür weit mehr Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und sogar etwas mehr Milchprodukte. Auch müsste die Lebensmittelverschwendung sinken.

Das reicht jedoch immer noch nicht, um mit der 2050er-Parzelle auszukommen: Will man sich damit begnügen, wären nur 353 Gramm Fleisch pro Woche erlaubt - am unteren Rand der DGE-Empfehlung. Aus heutiger Sicht unrealistisch, räumen die Autoren ein. Aber nicht ganz unmöglich, wenn man bedenkt, wie sehr sich die Ernährung der Deutschen bereits verändert hat: Im Vergleich zu 1985 wird heute laut Studie bereits etwa ein Drittel mehr Gemüse, doppelt so viel Obst und nur gut halb so viel Fleisch gegessen. Noch einmal solche Veränderungen, und das Ziel wäre fast erreicht.