Lange warnten Fachleute vor zu viel Nitrat im Wintergemüse - doch das war offenbar falsch. Es ist sogar gut für die Gesundheit, heißt es nun.
Womit haben Ernährungsberater die Menschheit nicht schon sinnloserweise tyrannisiert: Literweise Wasser sollten wir täglich trinken, weil wir angeblich nur so genügend Flüssigkeit aufnähmen, während Kaffee und Tee nichts zählten. Das erwies sich als ebensolcher Unsinn wie die Empfehlung, am Tag möglichst viele kleine Portionen zu essen; längst hat sich inzwischen die Überzeugung durchgesetzt, dass es dem Körper besser ergeht, wenn er wenige große Mahlzeiten einnimmt und den Blutzuckerspiegel zwischendrin wieder absinken lässt.
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Wir haben im Winter jahrzehntelang unnötigerweise auf Salat, Spinat und zahlreiche andere Gemüse verzichtet. (© ddp)
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Jahrzehntelang haben wir auch unseren Säuglingen die bunte Welt des Geschmacks vorenthalten, weil sie der Verzicht auf Fisch, Milch und Nüsse im ersten Lebensjahr angeblich vor Allergien schütze. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.
Und nun zeigt sich auch noch: Wir haben im Winter jahrzehntelang unnötigerweise auf Salat, Spinat und zahlreiche andere Gemüse verzichtet.
Vor allem in der dunklen Jahreszeit enthielten viele Gemüse zu viel Nitrat, hieß es lange Zeit. Noch vor kurzem schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung: "Wegen der gesundheitlichen Bedenken sollte die Nitratzufuhr so weit wie möglich reduziert werden."
Doch nun nehmen Wissenschaftler Nitrat aus der Schusslinie. Es sei längst nicht so gefährlich wie befürchtet, sagen sie, und habe sogar zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen. Schon länger wird diskutiert, dass Nitrat den Blutdruck senken und die Verdauung ankurbeln kann. Nun zeigen Wissenschaftler vom Karolinska-Institut in Stockholm zudem: Popeye hatte recht, denn Nitrat kann offenbar sogar die Muskelkraft stärken.
Nitrat gelangt zum Teil über Kunstdünger auf die Felder. Pflanzen nehmen aber auch natürlicherweise Stickstoff aus dem Boden auf und speichern es als Nitrat. Nach und nach nutzen sie das Salz dann als Stickstoffquelle für den Aufbau von Proteinen - vor allem dann, wenn die Sonne scheint. Im Dunklen laufen diese Prozesse dagegen nur langsam ab. Die Folge ist, dass Wintergemüse meist besonders reich an Nitrat bleiben.
Nitrat selbst ist vollkommen unbedenklich. Schon im Mund aber kann es sich in Nitrit umwandeln, aus dem im Magen Nitrosamine werden. Vor denen haben die Ernährungsexperten am meisten Angst. Denn in Tierversuchen haben sich Nitrosamine als krebserregend erwiesen. Dass der Verzehr nitratreichen Gemüses wie Rucola, Radicchio oder Rote Bete das Krebsrisiko tatsächlich erhöht, konnten Studien jedoch nie nachweisen. Zugleich aber führt Nitrit im Körper zur Bildung von Stickstoffmonoxid. Dieses Gas gilt als einer der potentesten Blutverdünner; seinen Vorläufer Nitroglycerin geben Ärzte bei Angina pectoris.
Es wäre also logisch, wenn Nitrat auch die Durchblutung des Gehirns verbessern könnte, dachten sich Gary Miller und Daniel Kim-Shapiro von der Wake Forest University in North-Carolina. Rote Bete, Fenchel und Sellerie wären dann wegen der blutdrucksenkenden Wirkung nicht nur eine Naturarznei gegen Herz-Kreislauf-Leiden, sondern womöglich auch gegen Demenzerkrankungen.
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Vor der EM in Polen und der Ukraine
Seit einigen Jahren ist eine Kehrtwendung bei der medizinischen Betrachtung von Nitrat in Salaten und anderen Gemüseerzeugnissen zu erkennen. Das liegt vor allem daran, dass die gesundheitlichen Vorteile bei einer gemüsebetonten Ernährung, die Nachteile einer Nitratanwesenheit in der Nahrung überlagern. Gesundheitsorganisationen wie der 5-am-Tag e.V. empfehlen mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse über den Tag verteilt zu essen. Erfahrungen zeigen, dass gerade die Nitrathöchstwerte für eine Konsumverweigerung bei den Verbrauchern verantwortlich gemacht werden können. Die Angst vor Gesundheitsschäden der Verbraucher wird durch die Festlegung von Nitrat-Höchstwerten demnach gefördert. In der Europäischen Union werden Nitrathöchstwerte für u. a. Salate für alle Mitgliedstaaten zentral festgelegt. Der EU-Kommission müsste dies bekannt sein. Es ist an der Zeit mit einer Abschaffung der Nitrat-Höchstwerte bei Salaten zu reagieren, anstatt wie geplant zum 01. Juli 2011 eine neue Höchstwerte-Verordnung zu erlassen.
Sie haben Recht, wenn Sie schreiben, dass es viele unsinnige Ernährungsempfehlungen gibt und Sie haben auch Recht, wenn Sie schreiben, dass die Ernährungswissenschaft nur ein sehr schwer zu beackerndes Feld ist. Gesundheit unterliegt sehr vielen Einflussfaktoren und nicht nur dem Essen. Und Essen selbst ist ein sehr multifaktorielles Gebiet mit sehr vielen Einflussfaktoren per se. Aber Artikel wie diese führen genau dazu, dass Ernährungsempfehlungen unseriös weitergeben werden und zu Verwirrungen bei den Verbrauchern führen. Etwas weniger Emotion und etwas mehr Sachlichkeit würde uns allen gut tun.
Ich sehe es wie meinen Mangafreund weiter unten. Man soll zwar ordentlich und in Ruhe essen, allerdings merkt man schnell, was und wie viel man darf oder nicht. Gerade diverse ärztliche Aussagen ändern sich eh gerne mal alle paar Jahre.
"Die Forscher haben 14 Testpersonen aufs Fahrrad gesetzt. Sieben von ihnen hatten zuvor drei Tage lang einen Saft getrunken, der etwa so viel Nitrat enthielt wie eine große Portion Spinat. Tatsächlich traten diese sieben stärker in die Pedale (Cell Metabolism, Bd.13, S.149, 2011). "
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Aufs falsche Pferd gesetzt. Versucht's mal mit echtem Spinat ...
Der Körper sendet Signale, wenn wir uns falsch ernähren. Wer sich nach dem Essen ständig schwer und träge fühlt, der muss sich nicht wundern, wenn er zunimmt.
Allerdings haben wir Menschen eher Strategien, Essprobleme zu ignorieren und Symptome wie Völle-Trägheit mit literweise Kaffee und Red Bull zu beseitigen.
Das, worauf wir "mal wieder Lust hätten", "was einen frisch macht", ist selten der McXY, sondern meistens etwas, das zur Zubereitung Zeit erfordert, die wir glauben nie zu haben.
Man muss nicht Veganer, Rohköstler oder sonstwas werden, das ist im Gegenteil auch oft Ursache für eine überbewusste Falschernährung, sondern man sollte wieder lernen, auf seinen Körper zu hören.
Wenn man großen Hunger hat, sollte man darüber nachdenken, ob es wirklich das eilige XY-King-Menü sein soll, dass schnell satt, aber fett und träge macht, oder ob man sich nicht morgens die 5-10 Minuten Zeit nimmt und Brote schmiert und mittags etwas Frisches isst. Das gibt es ja mittlerweilse auch in jedem Convenience-Supermarkt mundgerecht.
Ärgerlich finde ich, dass mieses Essen so billig und schnell verfügbar ist und richtig Gutes eher arbeitsintensiv und vergleichsweise teuer gehalten wird. Das müsste nicht sein.