Erderwärmung Klimawandel bedroht Artenvielfalt im Ozean

Wenn die Meere wärmer werden, reicht der Sauerstoff für manche Meeresbewohner nicht mehr. Sie müssen ausweichen - wenn sie können.

Von Robert Gast

Manche Korallen- und Fischarten könnten sich schlechter an den Klimawandel anpassen als erwartet, berichten zwei Forschergruppen in der aktuellen Ausgabe von Science (Bd. 348, S. 1132 u. 1135, 2015). Die Wissenschaftler haben untersucht, wie Meeresbewohner in der Nähe des Äquators auf steigende Wassertemperaturen reagieren. Wird das Meer wärmer, sinkt sein Sauerstoffgehalt; gleichzeitig brauchen Fische in wärmerer Umgebung mehr Sauerstoff.

Das könnte für einige Arten zum Problem werden, schreibt ein amerikanisch-deutsches Team unter Beteiligung von Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Die Meeresbiologen nehmen an, dass Fische nur dort leben können, wo wenigstens doppelt so viel Sauerstoff im Wasser vorhanden ist, wie sie in Ruhephasen benötigen.

Bei steigenden Temperaturen sei diese Bedingung nicht mehr für alle Spezies erfüllt. Einige Fischarten müssten daher in kühlere Gewässer umziehen, was man beim Atlantischen Kabeljau bereits beobachte. Das könne die Artenvielfalt in Polarregionen verringern, warnen die Forscher. Dort würden Neuankömmlinge ansässige Arten verdrängen.

Immer weniger Sonnenlicht im Wasser

Auch sogenannte Staghorn-Korallen werden vom Klimawandel bedroht. Weil die Nesseltiere, die etwa in der Karibik leben, Sonnenlicht benötigen, können sie nicht beliebig weit nach Süden oder Norden ausweichen, schreibt ein neuseeländisch-australisches Forscherteam um Paul Muir.

Mit wachsendem Breitengrad dringe während der Wintermonate immer weniger Sonnenlicht ins Wasser. In höheren Breiten reiche es nicht mehr aus, den Stoffwechsel der Nesseltiere in der für sie nötigen Wassertiefe in Gang zu halten.

Bereits Anfang der Woche hatten französische und britische Forscher vorgerechnet, dass ein ungebremster Klimawandel Verschiebungen in der Biodiversität auslösen könnte wie seit drei Millionen Jahren nicht mehr (Nature Climate Change, online).