Noch immer sind Erdbeben schwer vorherzusagen. Doch können vielleicht Tiere die sich anbahnenden Stöße spüren? Beobachtungen aus L'Aquila sprechen für diese These.

Hätten Kröten die Italiener warnen können? Fünf Tage bevor ein Erdbeben die Region um die Stadt L'Aquila vor etwa einem Jahr heimsuchte, hatten Biologen beobachtet, wie Kröten in Scharen ihre Paarungs- und Laichplätze verließen. Durch Zufall studierten Biologen der britischen Open University im Frühling 2009 die Fortpflanzung von Kröten an einem See in der Nähe von L'Aquila. Sie untersuchten, wie Wetter und Mondzyklen die Zahl der balzenden Kröten beeinflussten.

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Mitten in der Laichsaison verschwanden über Nacht 96 Prozent der beobachteten Tiere - ein ungewöhnliches Verhalten für die Kröten, die sonst bis zum Ende der Eiablage vor Ort ausharren (Journal of Zoology, online). Fünf Tage nach dem Krötenexodus erschütterte ein Beben der Stärke 5,8 das Land, 289 Menschen starben. Die Forscher um Rachel Grant mutmaßen, dass die Tiere durch Schwankungen im Erdmagnetfeld vorzeitig gewarnt worden waren.

Die meisten Berichte über Tiere, die vor Erdbeben plötzlich ihr Verhalten ändern, fallen in die Kategorie Erzählungen und Mythen. Wissenschaftliche Belege dafür sind schwer zu erbringen, da eben niemand im Voraus weiß, wann und wo die Erde beben wird. Die Studie der Biologen fußt auf umfassenden wissenschaftlichen Daten, die zehn Tage vor der Katastrophe bis 18 Tage danach aufgenommen wurden: täglichen Krötenzählungen, seismologischen Messungen und Wetterdaten. So können die Biologen ausschließen, dass in Wirklichkeit Wetterschwankungen die Kröten verjagten.

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(SZ vom 31.03.2010/fdr/beu)