Erbgut der Schimpansen Differenzen zwischen Nachbarn

Schimpanse ist nicht gleich Schimpanse: Die genetischen Unterschiede zwischen Vertretern benachbarter Gruppen sind größer als die zwischen Europäern, Afrikanern und Chinesen.

Die Schimpansen benachbarter Gruppen unterscheiden sich untereinander genetisch stärker als Menschen, die auf verschiedenen Kontinenten leben. Forscher um Rory Bowden von der Universität Oxford untersuchten das Erbgut von insgesamt 54 Schimpansen (PLoS Genetics, Bd. 8, S. e1002504, 2012). Die Tiere gehörten vier Unterarten an, die in benachbarten Regionen leben.

Das Erbgut verschiedener Schimpansen-Unterarten weist erstaunliche Differenzen auf.

(Foto: REUTERS)

Biologen bezeichnen die Unterarten als Westafrikanischer, Zentralafrikanischer und Ostafrikanischer Schimpanse. Ob sich auch die vierte Population, der Nigerianisch-Kamerunsche Schimpanse, von den übrigen drei genetisch eindeutig unterscheiden lässt, war lange umstritten.

Da das Erbgut der Nigerianisch-Kamerunschen Schimpansen an den 818 untersuchten DNA-Stellen jedoch eindeutig von dem der drei anderen Unterarten abwich, seien diese Zweifel nun ausgeräumt, so die Forscher. Mit 6500 Tieren sind die Nigerianisch-Kamerunschen Schimpansen die seltenste Unterart. Sie gelte es als eigenständige Population zu schützen.

Die Forscher verglichen die Abweichungen in der DNA der vier Schimpansen-Unterarten auch mit jenen Unterschieden, die sich zwischen den Genomen von Europäern, Afrikanern und Chinesen finden. Wie eine Datenbank-Recherche ergab, stimmten die 18 zufällig ausgewählten Genome der Menschen von drei verschiedenen Kontinenten besser miteinander überein als die der benachbart lebenden Schimpansen. "Eine verhältnismäßig kleine Zahl Menschen verließ Afrika vor 50.000 bis 100.000 Jahren", sagt Studienautor Peter Donnelly. "Weil alle nicht-afrikanischen menschlichen Populationen von ihnen abstammen, sind sie einander genetisch recht ähnlich."