Energiesparen Das sind die größten Stromfresser im Haushalt

Viele Hundert Euro kann jeder Haushalt im Jahr an Stromkosten sparen. Das muss weder teuer noch aufwändig sein. Tipps, die bares Geld wert sind.

Von Christoph Behrens

Mehr als 300 Euro verplempert ein durchschnittlicher Dreipersonenhaushalt im Jahr für Strom, der Gegenwert von 1100 Kilowattstunden Elektrizität wird einfach verschwendet. Das ist das Ergebnis des "Stromspiegels", herausgegeben unter anderem vom Bundesumweltministerium. Der Report macht klar: Strom einzusparen erfordert häufig wenig oder keine Investitionen, zahlt sich aber finanziell schnell aus.

Eine dreiköpfige Wohngemeinschaft oder Familie verbraucht laut der Studie im Schnitt 2900 kWh Strom, die sparsamsten Haushalte dieser Größenordnung kommen dagegen auf 1800 kWh oder weniger. Viele dürften bei den Werten an die alten Glühlampen denken, die endlich mal durch effiziente LED ersetzt werden müssten. "Dabei macht Licht nur unter zehn Prozent der Stromrechnung aus, also einen recht kleinen Anteil", sagt Andreas Braun vom Portal co2online.de, das den Stromspiegel mitentwickelt hat. Das Unwissen der Verbraucher sei eine der wesentlichen Ursachen für hohe Stromrechnungen.

Auf Entdeckungsreise gehen

Daher sollten Verbraucher zunächst mit einem Strommessgerät in der eigenen Wohnung "auf Entdeckungsreise" gehen, um Stromfresser zu entlarven, empfiehlt Braun. Viele Verbraucherzentralen (siehe Liste am Ende des Texts), Stromanbieter wie Vattenfall, Stadtwerke wie die SWM München oder Umweltverbände wie Greenpeace verleihen die Geräte kostenlos. Sie werden dann zum Beispiel zwischen Kühlschrank und Steckdose geklemmt, um den Verbrauch zu messen (wie genau, erfahren Sie hier). Bei Dauerverbrauchern wie Kühlschränken können die möglichen Einsparungen am größten sein. "Ein altes Gerät, das ständig Energie zieht, macht sich besonders bemerkbar", sagt Braun.

Mit den Informationen der Messgeräte können Verbraucher dann auch viel besser beurteilen, ob sich die Neuanschaffung eines effizienteren Geräts lohnt (siehe Beispielrechnung). Der Stromverbrauch in Kilowattstunden sollte dazu mit dem eigenen Stromtarif oder einfach dem Durchschnittspreis für Elektrizität - derzeit rund 29 Cent pro Kilowattstunde - multipliziert werden.

Beispielrechnung Kühlschrank

Angenommen, Sie denken über die Anschaffung eines neuen Kühlschranks nach. Mit einem Messgerät haben Sie ermittelt, dass Ihr alter Kühlschrank 1,4 kWh Strom an einem Tag verbraucht. Lohnt sich ein Neugerät für 600 Euro und einem jährlichen Verbrauch von 100 kWh finanziell?

Die Rechnung: Die jährlichen Stromkosten des Altgeräts betragen rund 148 Euro (1,4 kWh/Tag * 365 Tage * 0,29 Euro/kWh). Das neue Gerät würde Sie 29 Euro pro Jahr kosten (100 kWh * 0,29 Euro/kWh). Jährlich sparen Sie also 119 Euro (148 Euro - 29 Euro) bei der Stromrechnung. Allerdings müssen Sie die Investitionskosten mitbedenken. Bei 600 Euro Neupreis hätte sich der neue Kühlschrank also in rund fünf Jahren gelohnt. (600 Euro / 119 Euro = 5,04). Bei einer Lebensdauer von 10 Jahren, die ein Kühlschrank locker erreicht, sparen Sie also 600 Euro.

In den vergangenen Jahren hat vor allem der Anteil der Informationstechnik am Gesamtverbrauch zugelegt. Fernseher, Desktop-Computer, Laptop, Smartphones, Tablets, Spielekonsolen und Musikanlagen sind laut der Energieagentur NRW mittlerweile für rund ein Viertel der Stromrechnung verantwortlich. Starrte die Familie früher einträchtig und konzentriert auf den Fernseher, haben die meisten heute noch ein Smartphone oder Tablet auf dem Schoß, wenn sie auf der Couch sitzen. Ökonomen nennen dies "Rebound-Effekt", wörtlich übersetzt einen "Zurückpraller". Effizientere Maschinen führen zugleich dazu, dass sie häufiger benutzt werden, diesen Zusammenhang beschrieb bereits der englische Ökonom William Stanley Jevons 1865. Er hatte erkannt, dass Dampfmaschinen umso häufiger gebaut werden, je sparsamer sie sind.

Heute beobachten Forscher den Effekt auch bereichsübergreifend, zum Beispiel im Hinblick auf den Klimawandel: Wenn Konsumenten Energiekosten sparen, könnten sie vom eingesparten Geld auf die Idee kommen, in den Urlaub zu fliegen und die CO₂-Einsparung damit wieder zunichtemachen. Auch die Tendenz zu größeren Fernsehern sei ein "Paradebeispiel" für den Rebound-Effekt, findet Braun. "Die Geräte werden zwar effizienter, aber dafür die Bildschirmdiagonale immer größer." Hier könne man nur "an die Vernunft appellieren, ohne Verzicht zu predigen".

Unnötige Kosten vermeiden

Schon kleine Verhaltensänderungen können sich indes finanziell sehr stark auszahlen. Ein Beispiel ist die Temperatur im Kühlschrank, die sich mit einem Thermometer recht leicht überprüfen lässt. Viele Verbraucher kühlen Lebensmittel bis auf zwei oder drei Grad herunter - dabei gelten sechs bis sieben Grad im Allgemeinen als völlig ausreichend. Wäsche lässt sich bei mäßiger Verschmutzung auch mit 30 Grad sauber waschen, statt des Wäschetrockners erledigt die Sonne auf dem Balkon das Trocknen kostenlos und in den Sommermonaten häufig sogar schneller.

Ein großer wie unnötiger Stromfresser ist mit durchschnittlich einem Zehntel der Jahresrechnung die Standby-Funktion von Geräten. Eine ältere Stereoanlage, die ständig im Standby-Modus am Netz hängt, kann jährlich bis zu 50 Euro ausmachen. Diese Kosten können Verbraucher recht einfach eliminieren, mithilfe von Steckerleisten mit Kippschaltern, die es schon für weniger als zehn Euro zu kaufen gibt.

Die Stromkosten sind in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.

Auf einen der größten Posten haben gerade Mieter leider kaum Einfluss. Wird das Wasser in ihrer Wohnung elektrisch erhitzt, so erhöht sich die Stromrechnung um etwa ein Viertel. Für Hausbesitzer macht ein Austausch eines elektrischen Erhitzers aber unter Umständen Sinn. Ebenso kann sich die Anschaffung einer effizienten Heizungspumpe rentieren, die heißes Wasser aus dem Heizkeller in die Heizungen der oberen Stockwerke pumpt.

Linktipps zum Stromsparen:

Hier können Sie Strommessgeräte ausleihen:

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