Interview: Philipp Jedicke

Daniel Sheridan, Produktdesign-Student aus dem englischen Coventry, hat eine Energie-Wippe entwickelt, mit der er auf Spielplätzen Strom erzeugen will.

Der Produktdesign-Student Daniel Sheridan, 23, aus dem englischen Coventry hat eine Idee entwickelt, mit der man Schulen in entlegenen Regionen von Dritte-Welt-Ländern mit Strom versorgen könnte. Seine Energie-Wippe hat in England gerade mehrere Forschungspreise gewonnen.

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Daniel Sheridan hat eine Energie-Wippe entwickelt. (© Foto: oh)

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SZ: Herr Sheridan, wie viel Strom erzeugen zwei Kinder?

Sheridan: Eine Stunde Wippen erzeugt etwa sieben Stunden Strom für zwei Energiesparlampen. Wahlweise kann damit auch ein durchschnittlicher Laptop 50 Minuten laufen. Zugegeben, das ist nicht sehr viel, aber ich versuche gerade, die Anzahl an Batterien zu erhöhen, die angeschlossen werden können.

SZ: Was soll in Schulen mit dem Strom versorgt werden?

Sheridan: Glühbirnen in den Klassenzimmern und Mobiltelefone. So können Lehrer in Gegenden ohne Stromversorgung wesentlich effektiver arbeiten und müssen nicht in die nächstgrößere Stadt fahren, nur um ihre Handys aufzuladen. In Zukunft soll die Wippe aber auch Radios, Computer und Fernseher mit Strom versorgen. Würden Schulen in Entwicklungsländern erst einmal über solche Medien verfügen, wären sie global vernetzt.

SZ: Kinder verlieren ja schnell die Lust an etwas. Wie werden die ungenutzten Wippzeiten überbrückt?

Sheridan: Momentan wird der Generator entfernt und ins Klassenzimmer getragen. Sobald die Kinder wieder spielen, kann er erneut angeschlossen werden.

SZ: Hört sich etwas umständlich an. Stört das nicht beim Spielen?

Sheridan: Nein, die Wippe funktioniert ja auch ohne Generator. Mein Ziel ist aber ein System, bei dem die Wippe unterirdisch mit einigen Batterien im Klassenzimmer verbunden wird. So müsste nichts mehr hin- und hergetragen werden.

SZ: Wie kommt man auf die Idee, Kinder zur Energiegewinnung einzusetzen?

Sheridan: Letztes Jahr war ich als freiwilliger Helfer in Kenia, wo mir die vielen Kinder mit dieser unglaublichen Energie auffielen. Sie rannten ständig herum! Wie in Europa spielen Kinder in Afrika gerne auf Spielplätzen. Zurück in England, begann ich meine Magisterarbeit in Produktdesign über Afrikas Dorfgemeinschaften. So entstand die Idee mit der Wippe.

SZ: Ist das Spielen auf dem Stromkasten nicht gefährlich?

Sheridan: Eine Holzabdeckung hält die Kinder vom Generator fern. Zudem hat ein Spielgerätehersteller angeboten, mein Design im Hinblick auf europäische Standards zu überprüfen. In Afrika gibt es ja keine vergleichbaren Vorkehrungen.

SZ: Gibt es weitere Möglichkeiten, beim Spielen Strom zu erzeugen?

Sheridan: Es wäre toll, ganze Spielplätze zu entwerfen, die Kirchen oder Gemeindehäuser mit Strom versorgen. Noch dazu ist diese Methode der Energiegewinnung umweltfreundlich. Wenn erst einmal die Patentrechte geklärt sind, will ich eine Website programmieren, auf der ich Bilder vom Prototyp-Test zeigen kann, um Interessenten zu werben.

SZ: Hat sich schon jemand gemeldet?

Sheridan: Ja, und viele der Interessenten haben Schulen vorgeschlagen, zu denen das Gerät passen könnte. Ich möchte aber auch große Organisationen kontaktieren, die sich auf Kinderentwicklungshilfe spezialisiert haben. Es gibt weltweit viele Initiativen, die versuchen, kostengünstige Computer in die Dritte Welt zu bringen. Deren größtes Problem ist der Mangel an Strom. Hierin liegt viel Potential für meine Erfindung.

SZ: Wurde die Wippe schon mal vor Ort getestet?

Sheridan: Im April habe ich sie an einer Schule in Uganda präsentiert.

SZ: Wie haben die Kinder reagiert? Sheridan: Sie lieben die Wippe! Die Lehrer waren erstaunt, dass ein Spielgerät Strom erzeugen kann. Den Kindern war das vollkommen egal, sie sind einfach draufgesprungen und haben losgespielt.

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(SZ vom 20.5.2008/mcs)