Eltern-Kind-Kommunikation Guck mal, eine Ba-na-ne!

Wie richtig sprechen mit dem Kleinkind?

(Foto: imago/photothek)
  • "Eltern, die kindgerichtete Sprache anwenden, fördern den Spracherwerb ihrer Kinder", schreiben Forscher in einer akutellen Studie.
  • Doch worauf die hilfreiche Wirkung der Babysprache im Detail beruht, weiß niemand sicher.
  • Womöglich reichen ihre Ursprünge sogar weiter zurück als die der menschlichen Sprache.
Von Katrin Blawat

Vieles im Leben funktioniert bestens, ohne dass die Wissenschaft jedes Detail verstanden hätte. Ein Beispiel dafür ist die sehr spezielle Art, mit der Mütter, Väter, aber auch andere Erwachsene und ältere Geschwister mit Babys und Kleinkindern sprechen: in auffallend hoher Stimmlage, langsam und überdeutlich artikuliert und in kurzen, einfachen Sätzen - Babysprache eben. Wer sich einem Säugling gegenüber sieht, verfällt fast automatisch in diese Sprechweise. Gut so. Denn während Eltern sich zuweilen leicht verblödet vorkommen, wenn sie den Großteil des Tages in Babysprache kommunizieren, sagt die Wissenschaft eindeutig: Die sogenannte kindgerichtete Sprache tut den Kleinsten gut.

"Eltern, die kindgerichtete Sprache anwenden, fördern den Spracherwerb ihrer Kinder", schreibt ein Team um Roberta Michnick Golinkoff von der University of Delaware in den Current Directions in Psychological Science. So weit, so klar. Doch worauf die hilfreiche Wirkung der Babysprache im Detail beruht, weiß niemand sicher. Verkürzt gesagt: Jeder verwendet Babysprache - doch keiner weiß, warum und wie sie im Detail funktioniert. Golinkoff und ihre Co-Autoren drücken es so aus: "Die Frage ist nicht, ob kindgerichtete Sprache eine Rolle für die Sprachentwicklung spielt, sondern wie und wann."

Klar ist immerhin, dass sie bei den Adressaten gut ankommt. "Einige Studien zeigen, dass Babys die kindgerichtete Sprache bevorzugen", sagt Bettina Braun, Leiterin des Babysprachlabors der Uni Konstanz. Untersucht werden solche Präferenzen, indem man den Kindern aus Lautsprechern Sätze vorspielt, jeweils in Baby- und in Erwachsenensprache. Das Abspielen endet, sobald sich das Kind vom jeweiligen Lautsprecher abwendet - ein Zeichen für nachlassende Aufmerksamkeit. Dazu kommt es im Fall der Erwachsenensprache leichter.

Die besondere Sprechweise gegenüber Säuglingen ist biologisch tief verwurzelt

Zu den auffälligsten Merkmalen der Babysprache zählen die hohe Stimmlage, die überdeutliche Artikulation vor allem der Vokale und längere Pausen. So produzierten Mütter in einer Studie durchschnittlich pro Sekunde 5,8 Silben, wenn sie sich mit anderen Erwachsenen unterhielten. Sprachen sie zu ihren Neugeborenen, kamen sie hingegen nur auf 4,2 Silben pro Sekunde. Begleitet werden die Worte typischerweise von einer ausgeprägten Mimik: Reden Mutter oder Vater mit ihrem Baby, lächeln sie mehr und breiter, als wenn sie sich miteinander unterhalten.

Die Unterschiede zwischen kind- und erwachsenengerichteter Sprache finden sich quer durch verschiedene Kulturen - auch wenn sie verschieden stark ausgeprägt sind. In Deutschland sei die kindgerichtete Sprache vergleichsweise unauffällig, sagt Braun. Die interkulturelle Ähnlichkeit weist darauf hin, dass die besondere Sprechweise gegenüber Säuglingen biologisch wohl tief verwurzelt ist.