Mit der Elternschaft ist manche Mühsal verbunden. Doch wer Kinder hat, lebt auch gesünder, vorsichtiger - und deshalb länger.
Kinder machen das Leben ihrer Eltern bunt, chaotisch und strapaziös. Doch trotz der Mühsal, die mit jeder Elternschaft verbunden ist, wirken Kinder offenbar lebensverlängernd: Von Müttern weiß man seit einiger Zeit, dass sie seltener an einigen Krebsarten erkranken als kinderlose Frauen.
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"Eltern gehen weniger Risiken ein als Menschen ohne Kinder." (© Foto: dpa)
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Nun zeigen zwei Demographen, dass auch Männer länger leben, wenn sie Kinder haben. Emily Grundy und Oystein Kravdal berichten im American Journal of Epidemiology, dass Väter ein um 35 Prozent niedrigeres Sterberisiko haben als kinderlose Männer. Offenbar leben Eltern vergleichsweise vorsichtig: "Wer Kinder hat, neigt wohl zu einem gesünderen Lebensstil", erklärt Kravdal den Effekt.
Die Wissenschaftler, die an Universitäten in London und Oslo arbeiten, haben die Lebensläufe von 1,5 Millionen Norwegern im Alter von 45 bis 68 Jahren analysiert. Sie betrachteten mehr als 60000 Todesfälle und fragten nach statistischen Zusammenhängen: Welchen Einfluss hat die Schulbildung auf das Sterberisiko, welche Auswirkung hat der Familienstand, welche die Zahl der Kinder?
Auch die Bildung wirkt sich aus
Dass die Wissenschaftler solch gigantische Datenmengen auswerten konnten, liegt an der skandinavischen Kombination von amtlicher Genauigkeit und einem gewissen Desinteresse am Datenschutz: Jeder Norweger bekommt bei Geburt eine Identifikationsnummer, die er später bei Kindergärten, Schulen, Ärzten, Finanzämtern und anderen Behörden verwenden muss. Forscher dürfen diese Daten anonymisiert verwenden; damit sind Analysen möglich, von denen der Rest der wissenschaftlichen Welt nur träumt.
Kravdal und Grundy zählen nun zu den Ersten, die beim Thema der Sterberisiken die Väter in den Blick nehmen; bis vor ein paar Jahren interessierte man sich eher für den Zusammenhang von Mutterschaft und Sterblichkeit. Dabei zeigt sich nun, dass die Effekte der Elternschaft bei beiden Geschlechtern ähnlich sind: Eine Mutter von zwei Kindern hat ein um 50Prozent niedrigeres Risiko zu sterben als eine kinderlose Frau aus der gleichen Altersgruppe der 45- bis 68-Jährigen. Bei Vätern ist das Sterberisiko immerhin um 35Prozent niedriger als bei kinderlosen Männern.
Natürlich hängt das Risiko nicht allein von der Zahl der Kinder ab, wie auch Kravdal feststellt. Ähnlich stark wirkt sich beispielsweise die Bildung aus: Männer und Frauen mit akademischem Titel haben in der gleichen Altersgruppe ein halb so hohes Sterberisiko wie Menschen mit den niedrigsten Schulabschlüssen. Und wer Single ist oder gar geschieden, ist auch stärker gefährdet als jemand mit Partner.
Psychologische Gründe
Trotz der statistisch klaren Befunde bleiben Grundy und Kravdal bei deren Deutung vorsichtig. Dass Mütter länger leben als kinderlose Frauen, habe einerseits wohl physiologische Gründe; andererseits wirkten bei Männern und Frauen soziale Faktoren: "Eltern gehen weniger Risiken ein als Menschen ohne Kinder, außerdem bekommen sie im Alter Unterstützung von ihren eigenen Kindern", sagt Kravdal.
Gleichwohl könne es auch eine Kausalität in Gegenrichtung geben: Menschen, die von vornherein weniger gesund sind, bekommen möglicherweise seltener Kinder. Welcher Zusammenhang wie stark sei, lasse sich mit Statistiken allein nicht aufklären. Deshalb lehnt Kravdal Spekulationen ab, dass die derzeit steigende deutsche Geburtenrate die Gesundheit der Menschen stärke: "Solch weitgehende Schlüsse können wir leider nicht ziehen", sagt er.
(SZ vom 06.06.2008/mcs/aho)
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mäßig geschickt getarnte Familienpropaganda, mehr nicht