Elfmeter-Statistik Torhüter begehen gleichen Fehler wie Glücksspieler

Forscher haben alle WM- und EM-Elfmeter seit 1976 untersucht. Ergebnis: Torhüter unterliegen dem "Spielerfehlschluss" und springen in die falsche Ecke. Die Wissenschaftler meinen: Das geht besser.

Von Patrick Illinger

Es ist ein bisschen wie im Spielkasino, wenn die Kugel beim Roulette mehrmals hintereinander auf Rot gefallen ist. Sofort setzen reihenweise Spieler ihre Jetons auf Schwarz. Sie haben das Gefühl, eine schwarze Zahl sei nun mit höherer Wahrscheinlichkeit an der Reihe. Mathematisch ist das natürlich Unsinn. Bei jedem neuen Wurf der Kugel ist Rot wieder genauso wahrscheinlich wie Schwarz - außer der Kessel mit dem Zahlenkreisel ist verbogen.

Die falsche Annahme, dass sich Wahrscheinlichkeiten an vorausgegangenen Ereignissen orientieren, bezeichnen Psychologen als gambler's fallacy, zu Deutsch Spielerfehlschluss. Forscher des University College London haben nun festgestellt, dass auch Weltklasse-Fußballer diesem Irrtum aufsitzen (Current Biology).

Die Experten untersuchten alle Fußballspiele der Welt- und Europa-Meisterschaften seit 1976, die nach Verlängerung mit Elfmeterschießen entschieden wurden. Dabei stellten sie fest, dass sich Torhüter nach mehreren Schüssen des Gegners in eine Ecke signifikant häufiger in die andere Ecke werfen - offenbar in der Erwartung, der Schuss gehe mit höherer Wahrscheinlichkeit dorthin. Den Forschern zufolge ist der Effekt so deutlich, dass die auf das Tor schießenden Spieler ihn hätten ausnutzen können.

Beim Elfmeterschießen ist es jedoch - wie bei vielen anderen Spielen, von Poker bis Schere-Stein-Papier - von entscheidender Bedeutung, für den Gegner unberechenbar zu bleiben. Die Londoner Forscher raten daher, noch vor dem Beginn des Elfmeterschießens zu entscheiden, wann in welche Ecke gesprungen wird, und nicht mehr davon abzuweichen.