Wie gut das geht und wie hoch die Verwertungsquoten sein werden, will er noch nicht verraten. Zu hoch ist zurzeit der Konkurrenzdruck in der Branche. Denn ab dem 1. Januar 2007 müssen die Firmen Rechenschaft über die Quoten ablegen; bis dahin gelten diese zwar, werden aber nicht kontrolliert.
Anzeige
Eine andere Nutzung des Kunststoff-Granulats schwebt dem Sustec-Verwertungszentrum im Industriepark Schwarze Pumpe bei Dresden vor. Dort soll der Mix bei 800 bis 1300 Grad Celsius und unter hohem Druck umgeformt werden. "Wir nutzen die Kohlenwasserstoffe des Kunststoffes zur Erzeugung von Synthesegas", sagt der Sustec-Mitarbeiter Rainer Giering.
Es besteht aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid und kann zur Produktion von neuem Kunststoff oder zum Beispiel auch von Methanol verwendet werden. Daher ist der Prozess bereits als stoffliche Verwertung anerkannt worden, sagt der Firmensprecher Lutz Picard. Wird auch die Schlacke, die bei der Vergasung anfällt, als Baustoff wiederverwertet, erreicht die Firma eine Verwertungsquote von fast 100 Prozent.
Die Anerkennung als Methode der stofflichen Verwertung fehlt hingegen der Norddeutschen Affinierie noch. Der Metallproduzent möchte den Kunststoffmix in Kupferhütten zufeuern. "Wir arbeiten an Verfahren, mit denen wir den Kunststoff in die Schmelze einblasen können", sagt Firmensprecher Thoralf Schlutzkus. Das klingt für die meisten Zuhörer zunächst wie einfaches Verbrennen, also die energetische Verwertung des Abfalls.
Geräte recyclingfreundlich gestalten
Gestützt auf chemisches Fachwissen argumentiert das Unternehmen jedoch, man nutze die stofflichen Eigenschaften des Kunststoffs: Denn die Kohlenstoffatome im Plastik wirken nicht nur als Energielieferant, sondern als sogenanntes Reduktionsmittel. Sie verwandeln Metalloxide in reines Metall, weil sie sich bei der Verbrennung den nötigen Sauerstoff aus dem Rohstoff holen, statt aus der Luft. Über diese Argumentation der Affinerie muss die zuständige Umweltbehörde noch entscheiden.
Ein Problem mit dem Kunststoff haben jedoch alle Verfahren: die Belastung mit Bromverbindungen. Diese konnten bisher als Flammschutzhemmer den Kunststoffgehäusen beigegeben werden (das ändert sich zum 1. Juli, siehe unten). Andreas Hornung am Forschungszentrum Karlsruhe hat deshalb ein Verfahren entwickelt, um Schadstoffe aus dem Elektroschrott zu entfernen. Dazu wird er bei 350 und 450 Grad Celsius unter Ausschluss von Sauerstoff zersetzt. Das Brom, das dabei gewonnen wird, zählt dann sogar selber als Rohstoff und trägt zur Recyclingquote bei. Die anderen Produkte, Metalle, Koks und Öle, "können sehr einfach zum Beispiel in Kupferhütten weiterverwertet werden", sagt der Forscher.
Ob das Verbrennen des Kunststoffs sinnvoll ist, ist aber umstritten. Bernhard Jehle von der Firma ZME hält es für einen Irrweg, solange es andere Möglichkeiten zum Recycling gibt. Denn zur Herstellung von Kunststoff aus Öl werde viel Energie benötigt. Wird der Kunststoff verbrannt, gehe sie verloren, auch wenn er als Reduktionsmittel dient. Das gilt im Prinzip auch für die Vergasung in der Schwarzen Pumpe. Sinnvoller wäre in jedem Fall das Trennen der verschiedenen Materialien.
Hier aber könnten sich die Hersteller die spätere Entsorgung selbst erleichtern, indem sie die Geräte gleich recyclingfreundlich konstruieren. "Wir sehen das bisher nur in Einzelfällen", sagt Eva Leonhart von der Umwelthilfe. Sie erklärt sich das psychologisch: Solange die Geräte aller Hersteller kollektiv gesammelt werden, "hat der Einzelne nichts davon, wenn er besser ist als die anderen."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
(SZ vom 30.06.06)
Neue Nutzungsbedingungen