Ein Jahr nach dem Kölner Urteil Neue Anzeigen gegen Rabbiner

Erneut angeheizt wird die Debatte um die Beschneidung auch durch Anzeigen gegen einen israelischen Rabbi und ein ultraorthodoxes jüdisches Ehepaar aus Berlin. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft, ob der Mohel, den die Eltern zur Beschneidung ihres Sohnes eingeladen hatten, gegen das neue Gesetz verstoßen hat. Er soll - einem alten Brauch folgend - das Blut mit dem Mund von der Wunde des Kindes abgesaugt haben.

Mit dieser Metzitzah B'peh genannten Praxis habe er gegen Paragraf 1631d BGB verstoßen, kritisiert Christian Bahls vom Verein Mogis, der den Rabbi angezeigt hat. Das neue Gesetz erlaubt die Beschneidung schließlich nur, wenn sie nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt. Dagegen verstoße die Metzitzah B'peh jedoch. "In eine solche Praxis können die Eltern also nicht rechtmäßig einwilligen", schreibt Bahls auf der Mogis-Homepage. "Die Vorhautamputation erfolgte also rechtswidrig."

Auch gegen die Eltern läuft eine Anzeige wegen Beihilfe zu gefährlicher und schwerer Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Der betroffene Vater, selbst Rabbiner, erklärte der Berliner Morgenpost, er habe den Mohel angewiesen, den Eingriff nach den Regeln der ärztlichen Kunst und unter Beachtung der deutschen Gesetze vorzunehmen. Und das hätte dieser eigenen Angaben zufolge auch getan.

Die Metzitzah B'peh ist auch unter Juden umstritten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich dagegen ausgesprochen - wer sie praktiziert, soll keine Zertifizierung als Mohel erhalten.

Der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, forderte der Berliner Morgenpost zufolge allerdings, dass alle den Frieden würdigen sollten, der durch das neue Gesetz geschaffen worden sei. "Auch diejenigen, die die Beschneidung von Jungen im Judentum und im Islam weiter mit belehrender Bevormundung geradezu fanatisch bekämpfen, wie das bei den Anzeigestellern der Fall ist, sollten diesen frischen Frieden jetzt nicht aufkündigen."

Christian Bahls selbst sagt, ihm gehe es nur darum, darauf hinzuweisen, "dass es Personen gibt, die sich nicht einmal an die Minimalanforderungen des Gesetzgebers - wie einer Durchführung [der Beschneidung] nach den Regeln der ärztlichen Kunst - zu halten bereits sind", schreibt er. Nun ist es an der Berliner Justiz, festzustellen, ob dieser Vorwurf berechtigt ist.