Nobelpreis Physik-Nobelpreis für Gravitationswellen-Forscher

Illustration zweier kollidierender Schwarzer Löcher. Bei einem solchen Zusammenprall werden Gravitationswellen frei, die stark genug sind, um sie auf der Erde zu messen.

(Foto: )

Der Nobelpreis für Physik geht an die US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für die Entdeckung von Gravitationswellen. Der Nachweis der Wellen gilt als Jahrhundertentdeckung.

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an die Forscher Rainer Weiss, Barry C. Barish und Kip S. Thorne. Sie werden für die Entdeckung von Gravitationswellen geehrt, gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet etwa 940 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Weiss ist gebürtiger Deutscher. Er erhält die Hälfte des Preisgeldes, Barish und Thorne teilen sich die andere.

"Jeder der Preisträger von 2017 war mit seinem Enthusiasmus und seiner Entschlossenheit von unschätzbarem Wert für den Erfolg des Ligo", hieß es von den Juroren. "Die Pioniere Rainer Weiss und Kip Thorne haben zusammen mit Barry Barish - dem Forscher, der das Projekt vollendete - gewährleistet, dass vier Jahrzehnte der Forschung darin mündeten, dass schließlich Gravitationswellen beobachtet werden konnten."

Albert Einstein hatte Gravitationswellen bereits vor rund 100 Jahren vorausgesagt. Dabei handelt es sich um Erschütterungen in der Raumzeit, die beispielsweise bei der Kollision von Schwarzen Löchern entstehen. Eine Spur einer solchen Kollision fing das "Advanced Ligo" Experiment in den USA im September 2015 auf.

Neues Fenster ins Universum

Die dabei erstmals gemessenen Gravitationswellen gelten als Jahrhundertentdeckung. Sie bestätigen nicht nur Einsteins Formelwerk, sondern öffnen Kosmologen auch ein neues Fenster ins Universum. Neben den klassischen Methoden, ins All zu blicken, in dem man Licht, Radiowellen oder Röntgenstrahlen auffängt, lässt sich der Kosmos fortan nach Schwerkraft-Schwingungen abhorchen.

Die nun ausgezeichneten Physiker haben über Jahrzehnte auf die Entdeckung von Gravitationswellen hingearbeitet. Weiss, der heute am MIT in Cambridge forscht, entwickelte bereits in den 1970ern einen Prototypen eines Gravitationswellen-Detektors. Mit eineinhalb Metern Kantenlänge war dieser allerdings viel zu klein, um die winzigen Erschütterungen der Raumzeit aufzuspüren. 1975 traf Weiss den theoretischen Physiker Kip Thorne vom California Institute of Technology. Gemeinsam entwickelten sie Pläne für eine weitaus größere Anlage.

Dieser "Ligo-Detektor" (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory/Laser-Interferometer) steht heute an zwei Orten in den USA, im Nordwesten und im Südosten des Landes. Die beiden Detektoren sind L-förmig aufgebaut, jeder Arm der Anlage ist vier Kilometer lang - genug, um erstmals Graviationswellen aus den Tiefen des Weltalls aufzuspüren (lesen Sie hier mehr darüber, wie die Messung funktioniert). Den Physiker Barry Barish, der am California Institute of Technology forscht, ehrt das Nobelpreiskomitee ebenfalls. Er habe als wissenschaftlicher Leiter am Ligo für den erfolgreichen Abschluss der Experimente gesorgt.

Delle in der Raumzeit

Physikern gelingt eine weitere spektakuläre Messung von Gravitationswellen. Ihnen öffnet sich damit ein neues Fenster zur Erforschung des Alls. Von Marlene Weiß mehr...

Am Montag wurde bereits der Nobelpreis für Medizin vergeben. Drei US-Biologen teilen sich die Auszeichnung für die Erforschung der inneren Uhr von Lebewesen. Am Mittwoch werden die Träger des Chemienobelpreises benannt. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur und am Freitag die des Friedensnobelpreisträgers.