Ebola-Epidemie Forscher analysieren Erbgut der Ebolaviren

Ein Ebolavirus unter dem Mikroskop.

(Foto: dpa)

Die Viren in Afrika tragen eine Art Stammbaum in sich: ihr Erbgut. Forscher haben jetzt 99 verschiedene Proben untersucht und können so die Wege und Veränderungen des Erregers nachzeichnen.

Von Kathrin Zinkant

Sie war eine traditionelle Heilerin gewesen, eine, die sich mit Kräutern auskannte. Sie hatte versucht, den Verzweifelten zu helfen, die über die Grenze aus Guinea kamen, blutend, fiebrig, dem Tode nah. Am Ende aber konnte sie sich selbst nicht vor dem Ebolavirus retten. Zu ihrem Begräbnis im März erschienen mehr als ein Dutzend Menschen. Und so wurde die Frau, die heilen wollte, zum Ausgangspunkt der Ebolaepidemie in Sierra Leone.

Dass diese Geschichte nun so genau bekannt wird, ist einer bislang beispiellosen genetischen Analyse von Ebolaviren zu verdanken. Ein Team von amerikanischen, britischen und afrikanischen Forschern hat dafür das Erbgut von 99 Proben des lebensgefährlichen Erregers ausgelesen und aus diesen Sequenzen einen Stammbaum konstruiert. Er spiegelt die Wege und Veränderungen des Erregers in Westafrika bis in viele Details (Science, Online).

Indirekt waren an der Studie auch Forscher aus Hamburg beteiligt: Ein Team um Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hatte bereits im April die Sequenzen von Ebolaviren aus Guinea veröffentlicht. Anhand der Daten konnten Günther und seine Mitarbeiter das Seuchengeschehen in dem zuerst betroffenen Land bis zum Patienten Null nachzeichnen - einem Kind, das im Dezember in einem Dorf der guineischen Präfektur Gueckedou gestorben war. Von dort breitete sich das Virus über Dorfbewohner in die Städte und benachbarten Verwaltungsbezirke aus, bis es - wie der Vergleich mit den Guinea-Proben jetzt zeigt - im Westen über die Grenze zu der Heilerin nach Sierra Leone gelangte.

Das Ebola-Virus passt sich offenbar an den Menschen an

Der Vergleich mit Virusgenomen aus früheren Ausbrüchen liefert über die aktuelle Epidemie hinaus Hinweise auf den natürlichen Ursprung des Erregers. Demnach muss der Virenstamm vor etwa zehn Jahren nach Westafrika gekommen sein, und zwar, wie angenommen wird, in Flughunden. "Vermutlich existiert das Virus überall in den Wäldern Afrikas", sagt Bernhard Fleischer von Bernhard-Nocht-Institut. "Die Veränderungen im Virusgenom weisen darauf hin, dass sich das Virus an den Menschen anpasst", sagt der Immunologe.

Anpassung bedeutet aber nicht, dass der Erreger gefährlicher wird. Auf Dauer ist eher das Gegenteil wahrscheinlich: Ein Virus verbreitet sich umso erfolgreicher, je weniger schnell und oft es tötet. Die Kenntnis der Mutationen kann aber helfen, die Sensibilität der Ebola-Tests zu bewahren. Das übliche Verfahren ist genau auf die Sequenz des jeweils nachzuweisenden Virenstammes abgestimmt. "Wir können jetzt sagen, dass unsere Tests noch sehr gut zu dem aktuellen Stamm passen", sagt Fleischer. Skeptisch sieht er allerdings die Hoffnung, die Kenntnis der Genome könne absehbar zu neuen Medikamenten oder Impfungen führen. Die Verfasser des Science-Artikels legen das nahe. Aber vielleicht schwingt dabei auch die Trauer mit: Fünf Forscher des Teams haben sich in Afrika mit Ebola infiziert und sind daran gestorben.