Von Von Christina Berndt

Koreaner erzeugen Klon-Embryos von 30 Patienten - damit rückt die Stammzelltherapie näher.

Es ist nicht mehr zu leugnen. Auch Menschen lassen sich effizient klonen. Ungerührt von fachlichen und moralischen Bedenken haben südkoreanische Forscher jetzt bewiesen: Die Zellhäufchen, die sie vor gut einem Jahr präsentierten und deren genetische Ausstattung der lebender Frauen glich, waren kein Zufallsprodukt und auch kein Artefakt.

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Inzwischen haben die Wissenschaftler aus Seoul elf Patienten geklont - nicht zu Babys, aber doch zu winzigen Embryonen, aus denen sie Stammzellen gewinnen konnten.

Das berichtet das Team um Woo Suk Hwang und Shin Yong Moon in einer Blitz-Veröffentlichung des Magazins Science. Theoretisch könnten die so gewonnenen Stammzellen dazu genutzt werden, die Krankheiten der Patienten ganz individuell zu heilen.

Durchbruch früher als erwartet

"Jetzt kann man sich wirklich vorstellen, dass diese Technik eines Tages in der Klinik genutzt wird", sagt Davor Solter, Klonforscher am Max-Planck-Institut in Freiburg. "Sie ist nun mehr als nur ein theoretischer Ansatz."

Der an den koreanischen Experimenten beteiligte Gerald Schatten aus Pittsburgh sagt, er habe "mit einem solchen Durchbruch frühestens in Jahrzehnten gerechnet".

Wer hätte nicht gern einen neuen Arm, und zwar möglichst einen eigenen, wenn ihm seiner durch einen Unfall verloren ginge? Natürliche, dem eigenen Körper möglichst ähnliche Ersatzteile wünschen sich auch Menschen mit anderen Leiden.

Bei Diabetes vom Typ 1 zum Beispiel sind Zellen der Bauchspeicheldrüse ruiniert; und beim Parkinson sind wichtige Nervenzellen im Gehirn kaputt gegangen. Zellersatz aus Stammzellen könnte die Krankheiten womöglich heilen.

Genau das ist der Traum von Forschern, die bereit sind, dafür gleich mehrere Tabus zu brechen. Sie nehmen in Kauf, menschliche Embryonen zu zerstören, um daraus Stammzellen zu gewinnen; zudem sollen die Embryonen Klone der Patienten sein.

Denn dann würden die daraus gewonnen Zellen von eben diesen Patienten nicht abgestoßen. "Therapeutisches Klonen" nennen die Forscher das. Dazu nehmen sie das Erbgut eines Patienten aus einer Hautzelle und packen es in eine weibliche Eizelle, deren eigenes Erbgut zuvor entfernt worden ist.

Wenn sich die Eizelle teilt, entsteht ein Embryo, der das gleiche Erbgut trägt wie der Patient und damit sein Klon ist.

Der doppelte Tabubruch sei gar nicht nötig, haben Kritiker dieser Forschung lange behauptet. Der Mensch sei viel zu kompliziert, als dass er sich klonen ließe. Schließlich sei das schon bei einfacheren Wesen wie Mäusen und Schafen schwierig genug.

Doch die südkoreanischen Forscher, die im Februar 2004 den ersten Gegenbeweis lieferten, zeigen nun: Sie können sogar Embryonen von Patienten mit verschiedenen Krankheiten herstellen und daraus Stammzellen gewinnen.

Und dabei ist es egal, wie alt die Patienten sind und welchen Geschlechts und ob sie an einer Immunschwäche leiden, an Querschnittslähmung oder Parkinson. Ihr jüngster Patient war zwei Jahre alt.

Phantastisch, aber verboten

Alle gewonnenen Stammzelllinien scheinen, soweit sich das bisher sagen lässt, intakt zu sein. Jedenfalls tragen sie keine genetischen Schäden.

"Ich bin begeistert", sagt Miodrag Stojkovic von der University of Newcastle, der in Großbritannien die erste Lizenz zum Klonen menschlicher Embryonen bekommen hat. Die Arbeit seiner Kollegen, die in Deutschland verboten wäre, sei technisch hervorragend und die Ausbeute an Stammzellen "phantastisch".

Seit ihren ersten Klon-Erfolgen im vergangenen Jahr haben die Forscher in der Tat einiges dazugelernt.

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